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Deutschland / Weltweit Investmentfonds fordern 2 Milliarden Euro Schadensersatz von Porsche
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Investmentfonds fordern 2 Milliarden Euro Schadensersatz von Porsche
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21:33 01.01.2012
Von Stefan Winter
Foto: Mancher der Kläger dürfte Porsche fahren – oder vom Schadensersatz einige kaufen.
Mancher der Kläger dürfte Porsche fahren – oder vom Schadensersatz einige kaufen. Quelle: dpa
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Hannover

Diesen Betrag hätten sie eingebüßt, weil Porsche bei seiner versuchten VW-Übernahme die Öffentlichkeit falsch informiert habe. Mehrere ähnliche Klagen laufen bereits in New York, Braunschweig und Stuttgart. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die früheren Porsche-Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter. Wegen des unsicheren Ausgangs der Verfahren liegt die Fusion zwischen Porsche und VW vorerst auf Eis.

Die jüngste Klage bezieht sich ausdrücklich auf den 26. Oktober 2008 – einen Sonntag, an dem Porsche mitteilte, man habe sich Zugriff auf knapp 75 Prozent der VW-Stammaktien gesichert. Das widersprach allen vorherigen Ankündigungen und brachte viele Anleger in Schwierigkeiten, die in Erwartung sinkender VW-Kurse Leerverkäufe abgeschlossen hatten. Sie mussten sich mit dem plötzlich knappen Papier eindecken und trieben den Kurs mit geradezu panischen Käufen ins Unvorstellbare: Am Montagmorgen startete er bei 210 Euro, Dienstag übersprang er kurzfristig die Tausendermarke.

Porsches heimliche Optionsgeschäfte hätten „nahezu die gesamten frei handelbaren VW-Stammaktien erfasst“, erklärte eine Sprecherin der Kläger. Die Stuttgarter hätten den Kurs praktisch kontrolliert und durch ihre überraschende Mitteilung am Wochenende Milliarden verdient. Bis dahin habe Porsche Pläne für eine so hohe Beteiligung stets abgestritten. Letztlich ist der Plan des damaligen Vorstandschefs Wiedeking gescheitert, übrig blieben ein milliardenhoher Schuldenberg und die Rettung unter das VW-Dach.

Doch die Altlasten werden die beiden Partner noch lange beschäftigen. Während Porsche auch am Wochenende wieder erklärte, man halte die Vorwürfe für gegenstandslos, will sich VW auf das Risiko nicht einlassen und hat die eigentlich für 2011 geplante Fusion mit der Porsche SE unter anderem deshalb abgeblasen. Würden sich die beiden Unternehmen zusammenschließen, richteten sich die Schadensersatzforderungen auch gegen VW – was einige ohnehin schon tun.

Seitdem werden andere Wege gesucht, das Ziel des „integrierten Automobilkonzerns“ zu erreichen, doch außer einem altbekannten scheinen keine weiteren gefunden worden zu sein: VW könnte die Porsche AG kaufen, in der das operative Geschäft der verklagten Porsche SE gebündelt ist.

Für das Verfahren in Stuttgart gibt es noch keinen Zeitplan. Es könnte allerdings mit einem Prozess in Braunschweig zusammengelegt werden, der im Sommer eröffnet werden dürfte. Dort fordern insgesamt 41 Kläger 1,1 Milliarden Euro Schadensersatz – auch von VW, denn in Wolfsburg seien Porsches Fehlinformationen bekannt gewesen. Die Kläger wollen die versammelte VW-Führung als Zeugen vor dem Landgericht aussagen lassen.