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Deutschland / Weltweit Keine Standortgarantie für Hannover
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Keine Standortgarantie für Hannover
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20:36 06.11.2011
Bernhard Reutersberg im Interview. Quelle: Archivbild
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Herr Reutersberg, e.on will bis zu 11.000 Stellen in der Verwaltung abbauen, 6000 davon in Deutschland. Wann wird der letzte Mitarbeiter wissen, woran er ist?
Uns geht es nicht primär um Stellenabbau – wir müssen unsere Kosten von derzeit etwa 11 auf künftig maximal 9,5 Milliarden Euro senken, damit wir auch in Zukunft investieren können, zum Beispiel in erneuerbare Energien. Dabei geht es um Sachkosten, aber auch ums Personal, vor allem in der Verwaltung. Wir haben vor zwei Monaten unsere Ziele genannt, und bis Ende November sollen die wesentlichen Eckpunkte feststehen. Unser Umbau besteht aber aus rund 60 Einzelprojekten. Wann alle Mitarbeiter wissen, was aus ihnen wird, können wir heute leider noch nicht sagen: Es wird noch einige Zeit dauern.

Die Zentrale von e.on Energie in München wird geschlossen, am Konzernsitz in Düsseldorf fallen mindestens 230 von 850 Stellen weg. Was geschieht mit den rund 1000 Arbeitsplätzen in Hannover?
Wir stellen alles auf den Prüfstand, auch das operative Geschäft. Der Schwerpunkt aber liegt auf der Verwaltung – und in Hannover gibt es umfangreiche Verwaltungsfunktionen. Die Konsequenzen sind aber noch offen.

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Können Sie eine Standortgarantie für Hannover geben?
Nein, das können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht. Es ist noch keine Entscheidung gefallen. Über ein grundsätzliches Standortkonzept wird erst am Ende der ersten Phase entschieden. Eines unserer Ziele ist es beispielsweise, die Reisetätigkeiten zu reduzieren.

In Hannover sitzen drei Kraftwerksgesellschaften. Soll es bei dieser Dreiteilung bleiben?
Es gibt sicher gute Gründe, die Zahl zu verringern, aber das ist auch eine Frage von rechtlichen Bewertungen. Priorität hat für uns, die Verwaltungsstrukturen über die Gesellschaften hinweg zu optimieren.

Mit der Verschlankung Ihrer Verwaltung hatten Sie es lange nicht eilig – die Zentrale in Düsseldorf wurde sogar um 300 Mitarbeiter aufgestockt. Ging es e.on zu gut?
In der Rückschau kann man das durchaus auch kritisch sehen. Allerdings hat sich unser Umfeld mit der Energiewende innerhalb sehr kurzer Zeit dramatisch gewandelt, daraus müssen wir Konsequenzen ziehen. Da erscheint auch die Ausstattung der einzelnen Unternehmenszentralen in einem neuen Licht – insbesondere im Vergleich mit den Verwaltungen anderer großer Konzerne.

Betriebsräte und Gewerkschaften machen gegen Ihre Sparpläne mobil – auch weil sie sich schlecht informiert fühlen ...
Natürlich löst ein so großer Umbau Sorgen bei den Mitarbeitern aus. Gerade weil wir das wissen und verstehen, haben wir unsere Ziele von Anfang an immer transparent, ehrlich und offen auch gegenüber der Mitbestimmung kommuniziert. Und wir setzen alles daran, möglichst schnell Klarheit für die Mitarbeiter zu schaffen. Aber ein so umfassendes Programm wie „e.on 2.0“ braucht eben auch eine gewisse Zeit, um sorgfältig ausgearbeitet zu werden.

Die Arbeitnehmervertreter sehen das anders, auch Politiker von der FDP bis zur Linken fordern in einem „Hannoverschen Appell“ den e.on-Vorstand auf, „unverzüglich“ die Arbeitnehmervertretungen einzubeziehen und „schnellstmöglich“ Transparenz zu schaffen. Alles nur ein Missverständnis?
Ich habe eine andere Wahrnehmung. Wir haben die Gremien der Mitbestimmung früh einbezogen und auch mit den politisch Verantwortlichen gesprochen. Wir informieren unsere Mitarbeiter über jede Neuigkeit im Projekt, frühzeitig und umfassend. Und wir sind immer gesprächsbereit.

Können Sie betriebsbedingte Kündigungen ausschließen?
Nein, als Ultima Ratio können wir betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen. Wir hoffen aber, dass wir in den Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern andere Lösungen finden werden.

Ihre Vorstandskollegin Regine Stachelhaus hat intern bereits über eine Beschäftigungsgesellschaft gesprochen. Da müssen die Pläne doch schon etwas konkreter sein ...
Eine Beschäftigungsgesellschaft kann durchaus Teil einer sinnvollen Lösung sein. In vergleichbaren Prozessen bei anderen Unternehmen hat sie sich für viele Mitarbeiter als gutes Instrument erwiesen. Unser Ziel ist es natürlich, so viele Beschäftigte wie möglich von der einen Arbeit in eine neue Arbeit zu bringen. Aber noch einmal: Es gibt noch keine konkreten Beschlüsse.

Interview: Jens Heitmann