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Deutschland / Weltweit Koalition will Lohn-Plus - Höhere Konjunkturprognose erwartet
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Koalition will Lohn-Plus - Höhere Konjunkturprognose erwartet
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14:04 17.10.2010
Quelle: dpa
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Die Aussicht auf einen XL-Aufschwung lässt die Rufe nach Lohnerhöhungen immer lauter werden. Die Koalition erhöht den Druck: Nach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) macht sich jetzt auch FDP- Chef Guido Westerwelle für ein Lohn-Plus stark. „Wenn die Wirtschaft wächst und dieses Wachstum Substanz und Dauer hat, dann sollten die Früchte dieses Aufschwungs auch bei den Menschen ankommen, die hart dafür gearbeitet haben“, sagte Westerwelle dem „Hamburger Abendblatt“ (Samstag).

Nach Einschätzung der wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute wächst die deutsche Wirtschaft so stark wie seit dem Fall der Mauer nicht mehr. Mit Spannung wird die Konjunkturprognose der Bundesregierung an diesem Donnerstag erwartet, nachdem die Institute ihre Wachstumsprognose für 2010 von 1,5 auf 3,5 Prozent hochgeschraubt hatten.

Einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ zufolge wird Brüderle ebenfalls ein Plus von rund 3,5 Prozent verkünden. Die Sprecherin des FDP-Politikers, Beatrix Brodkorb, sagte am Samstag allerdings: „Das ist reine Spekulation.“ Die Prognose werde derzeit noch errechnet.

Die Volkswirte sind uneins über den Ruf nach höheren Löhnen. Der Chefvolkswirt der staatlichen KfW-Bankengruppe, Norbert Irsch, hatte erklärt: „Damit die Binnenwirtschaft anspringt, wäre eine Tarifrunde mit Lohnerhöhungen von durchschnittlich gut drei Prozent erforderlich.“

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, entgegnete: „Mit der pauschalen Forderung kann ich nichts anfangen, ich halte das für sehr gefährlich.“ Die deutsche Wirtschaft habe schließlich auch auf Massenentlassungen verzichtet, als es der Konjunktur im vergangenen Jahr schlecht ging, sagte er zu „Handelsblatt Online“. Auch sei die wirtschaftliche Lage nicht in allen Branchen gleichermaßen gut.

Die meisten Tarifverträge laufen erst Ende 2011 aus. Zuletzt hatten sich die Tarifpartner in der Stahlindustrie in Nordrhein- Westfalen auf 3,6 Prozent mehr Lohn verständigt. Daraufhin hatte sich Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) für deutlich höhere Löhne in Deutschland ausgesprochen: „Wenn die Wirtschaft boomt, sind auch kräftige Lohnerhöhungen möglich.“ Merkels Sprecher Steffen Seibert sagte daraufhin: „Das ist natürlich etwas, was Buchstabe für Buchstabe die Bundeskanzlerin ganz genauso sieht.“

Westerwelle betonte, Brüderle habe auf die Tarifautonomie hingewiesen, „gleichzeitig aber auch eine Selbstverständlichkeit ausgesprochen“. Nach Schätzung der führenden Institute werden die Bruttolöhne 2011 um 2,8 Prozent steigen. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hatte Brüderle erwidert: „Das Tarifergebnis für die Stahlindustrie kann auf keinen Fall Maßstab für andere Bereiche sein. Darin sind wir uns mit den Gewerkschaften einig.“ DGB-Chef Michael Sommer stellte klar, dass Lohnerhöhungen allein die Gewerkschaften mit den Arbeitgebern aushandelten.

Die Bundesagentur für Arbeit sieht beim Rückgang der Erwerbslosenzahlen positive Anzeichen. „Wir rechnen fest damit, dass schon im Oktober die Arbeitslosenzahl die Drei-Millionen-Grenze unterschreiten wird“, zitierte „Focus“ ein Mitglied des Vorstandes. Das wäre der niedrigste Wert seit 18 Jahren, als 2,9 Millionen Arbeitslose registriert waren.

dpa