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Deutschland / Weltweit Hohe Kosten nach Dammbruch in Brasilien: Der TÜV hätte es ahnen können
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Hohe Kosten nach Dammbruch in Brasilien: Der TÜV hätte es ahnen können
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16:03 08.08.2019
Tagelang suchten Helfer im Schlamm nach Opfern – für 300 Menschen kam jede Hilfe zu spät. Quelle: dpa
München

Seit mehr als 150 Jahren machen wir die Welt ein Stück sicherer. Das schreibt der Vorstand des TÜV Süd in seiner Stellungnahme zum Geschäftsbericht 2018. Der Satz klingt wie Hohn angesichts eines Dammbruchs in Brasilien, in den der Prüfkonzern verwickelt ist. Noch ist nicht einmal die abschließende Schadenshöhe geklärt geschweige denn die finale Schuldfrage. Zu befürchten ist aber, dass es am Ende um Milliardensummen gehen wird und Gerichte in Brasilien in mutmaßlich jahrelangen Prozessen feststellen werden, wer dafür geradestehen muss. Komplett dürfte der Kelch am TÜV Süd kaum vorbeigehen.

Zum Hintergrund:
Das brasilianische Desaster: Dammbruch bei Erzmine könnte den TÜV Milliarden kosten

Darauf liefert der aktuelle Geschäftsbericht erste Hinweise. Als Vorgeschmack haben sich die operativen Gewinne 2018 wegen erster Belastungen durch den Dammbruch auf 105 Millionen Euro fast halbiert. Dabei wird es kaum bleiben. Neben viel Geld steht auch der Ruf der Bayern auf dem Spiel. Vertrauen ist für einen technischen Prüfkonzern ähnlich wichtig für eine Bank. Ist das ruiniert, geht es geschäftlich rasch bergab.

Der Schwester-TÜV Rheinland kann ein Lied davon singen, wie hartnäckig und über wie viele Jahre hinweg einen Haftungsrisiken verfolgen können. Die Kölner hatten 2010 Brustimplantate eines französischen Herstellers zertifiziert, die sich dann als minderwertig und reißanfällig herausgestellt haben. 2015 wurde ein Urteil gesprochen, das den TÜV Rheinland freigesprochen hatte. Voriges Jahr wurde es wieder aufgehoben.

So ähnlich könnte es auch für den TÜV Süd in Brasilien laufen – jahrelange Ungewissheit mit einem Ende, das alles oder nichts bringen kann. Und das wegen eines Nischengeschäfts, das nicht zum strategischen TÜV-Kern zählt.

Der TÜV war doppelt vorgewarnt

Wer in Brasilien arbeitet, muss zudem wissen, wie Geschäfte dort bisweilen laufen. Korruption zieht sich bis in die höchsten Regierungsämter hinauf. Konzerne wie der Bergbauriese Vale, dessen Damm der TÜV geprüft hat, sind mächtig. Wer sich mit ihnen einlässt, muss vorsichtig sein, vor allem wenn sicherheitsrelevante Bauten geprüft werden, die über Leben und Tod entscheiden können. Es ist auch nicht das erste Mal, dass ein Vale-Damm gebrochen ist. Der TÜV war also doppelt vorgewarnt.

Einige derer, die in der Münchner Konzernzentrale arbeiten, kritisieren den Expansionsdrang der letzten Jahre und das Streben nach mehr Rendite. Geschäfte müssen nicht nur gemacht sondern auch gut gemanagt werden, Risiken erkannt und unter Kontrolle gehalten. In Brasilien war das offenkundig nicht der Fall. Die Rechnung dafür kann horrend ausfallen.

Von RND/Thomas Magenheim

300 Tote, eine verwüstete Ortschaft und große Umweltschäden: Der Bruch des Damms vom Rückhaltebecken einer Erzmine in Brasilien war ein Desaster. Der TÜV Süd hatte das Bauwerk zuvor als sicher eingestuft – und rechnet nun mit hohen Kosten.

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