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Deutschland / Weltweit Konzern Arcandor verschiebt intern 12.500 Jobs
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Konzern Arcandor verschiebt intern 12.500 Jobs
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17:52 20.04.2009
Arcandor braucht in den kommenden fünf Jahren bis zu 900 Millionen Euro für einen umfassenden Umbau des Unternehmens. Quelle: Michael Gottschalk/afp
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Mehrere Karstadt-Filialen, alle Luxus-Warenhäuser, die Quelle-Shops und Quelle-Technikcenter sollen in einer neuen Management-Einheit unterkommen, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Für den Umbau benötigt Arcandor in den nächsten fünf Jahren bis zu 900 Millionen Euro.

Ziel des Konzernumbaus ist es nach den Worten des neuen Arcandor-Chefs Karl-Gerhard Eick, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Erhalten bleiben sollen dabei die drei Sparten des Konzerns: das Warenhausgeschäft mit Karstadt, der Versandhandel mit Primondo und das Touristikgeschäft mit Thomas Cook. Letzteres soll ohne Abstriche weitergeführt werden. Bei Primondo soll das reine Versandgeschäft per Katalog und Internet erhalten bleiben. Karstadt soll künftig mit bundesweit nur noch 81 Filialen und 27 Karstadt-Sports-Geschäften „die profilierte Mitte der Gesellschaft“ ansprechen. Zu dieser bürgerlichen und familienorientierten Kundenschicht zählen laut Arcandor rund 40 Millionen Menschen.

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Nicht mehr zum Kerngeschäft gehören laut Eick dagegen künftig die Karstadt-Filialen in Kiel, Hanau, Kaiserslautern, Hamburg-Billstedt, Bottrop, Leipzig, Ludwigsburg und das Haus München am Dom, ebenso Karstadt Sports in Recklinghausen. Diese Filialen will Arcandor demnach wie die drei Premium-Kaufhäuser - das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und der Oberpollinger in München - in einer internen Einheit mit dem Namen Atrys „gezielt weiterentwickeln“. In diese neue Einheit sollen aus Primondo auch die über 1600 Technikcenter und Shops von Quelle verschoben werden. Ein Konzernsprecher betonte, alle diese Mitarbeiter behielten ihre bisherigen Arbeitsverträge.

Konkretere Angaben zu den Auswirkungen des Umbaus blieb Konzernchef Eick schuldig. Unklar ist etwa, ob Filialen geschlossen und Jobs wegfallen werden. Zur künftigen Atrys-Entwicklungseinheit zählen rund 12.500 der knapp 52.000 Beschäftigten von Primondo und Karstadt. Am Sonntag hatte Eick angekündigt, „in Einzelfällen“ werde der Konzern Häuser schließen müssen. Auch eine Bestandsgarantie für die Arbeitsplätze von Karstadt und Quelle hatte er nicht abgeben wollen: „Ich kann auch nicht ausschließen, dass wir Mitarbeiter verlieren werden - so wenig wie möglich“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Dabei strebe er aber an, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.

Zu den profitablen Premium-Häusern sagte Eick, der Konzern wolle diese „jetzt nicht mit Nachdruck verkaufen“. Vielmehr sollten deren Geschäfte weiterentwickelt werden, bis eine profitable Lösung gefunden sei. Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane warnte in Berlin vor einem Verkauf der Nobel-Warenhäuser. Dies wäre eine „grundlegende Fehlentscheidung“.

Zu möglichen staatlichen Hilfen für Arcandor sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin, grundsätzlich stehe der in der Krise aufgelegte Wirtschaftsfonds der Bundesregierung auch Arcandor offen. Zu einzelnen Fällen nehme das Ministerium aber keine Stellung, weil dies Sache der Unternehmen sei.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) erklärte, Warenhäuser in Deutschland hätten nach wie vor eine profitable Zukunft - trotz sinkenden Marktanteils und starken Wettbewerbs durch andere Vertriebsformen. Zu den Handicaps der Branche zähle jedoch unter anderem die Besteuerung der Mietbelastung im Rahmen der seit diesem Jahr geltenden Gewerbesteuerreform, kritisierte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. „Dies muss die Bundesregierung angesichts der Krise dringend rückgängig machen.“

afp