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Deutschland / Weltweit Krankenkasse „Vereinigte IKK“ bittet um Finanzhilfe
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Krankenkasse „Vereinigte IKK“ bittet um Finanzhilfe
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09:18 15.04.2011
Von Jens Heitmann
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Nach dem Bekanntwerden der finanziellen Schieflage der „City BKK“ kristallisiert sich auch im Lager der Innungskrankenkassen ein Sorgenkind heraus. Die „Vereinigte IKK“ will beim Bundesverband IKK e.V. einen Antrag auf Finanzhilfe stellen. Das geht aus einem Schreiben der Kasse an ihre Regionalbeiräte hervor, das dieser Zeitung vorliegt. Dem Vernehmen nach soll es dabei um 50 Millionen Euro gehen.

Die „Vereinigte IKK“ ist das Ergebnis einer Vielzahl von Fusionen innerhalb des IKK-Lagers, in der unter anderem auch die IKK Weserbergland, Rotenburg und Celle aufgegangen sind. Die Kasse mit Sitz in Düsseldorf zählt heute 1,6 Millionen Versicherte – jeder zehnte lebt in Niedersachsen.

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Wie aus dem Brief hervorgeht, hat die „Vereinigte IKK“ zu Jahresbeginn nur mit Mühe die Erhebung eines Zusatzbeitrages vermeiden können. Spätestens zum 1. April aber wäre der Sonderobolus fällig geworden – die Gremien schoben den Beschluss noch einmal auf, weil sie auf eine Fusion mit der „IKK classic“ hofften. Die Verhandlungen scheiterten jedoch am Veto von deren Verwaltungsrat.

Bei der „Vereinigten IKK“ klaffe eine Lücke zwischen den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds und den Leistungsausgaben, sagte Vorstandschef Werner Terlohr. Ähnlich wie bei der „City BKK“ profitieren auch die Versicherten der Düsseldorfer Kasse von einer hohen Klinikdichte und einem engmaschigen Netz in der ambulanten Versorgung – die Konsequenz seien vergleichsweise höhere Ausgaben. Die Kasse sei zwar weiterhin liquide, sagte Terlohr, die Rücklagen aber habe man aufgebraucht.

Zusatzbeiträge wollen in der Branche alle möglichst vermeiden. Wer ihn erhebt, muss nach den Erfahrungen von DAK, KKH-Allianz und mehreren BKK mit einem Mitgliederschwund zwischen 6 und 20 Prozent rechnen.

Die aus dem Handwerk hervorgegangenen Innungskrankenkassen sind nach Einschätzung der Dachorganisation wirtschaftlich in der Lage, die „Vereinigte IKK“ zu stützen. Die sechs Schwesterkassen zählten zu den solventesten im Land, sagte der Geschäftsführer des IKK e.V., Rolf Stuppardt. Im Unterschied zu vielen anderen seien die IKK schuldenfrei und verfügten über ein solides Finanzpolster: „Wenn sich alle sieben Innungskassen zu einer IKK Deutschland zusammenschlössen, könnten sie Zusatzbeiträge bis zum Jahr 2013 ausschließen.“ „Eine solche Großfusion wäre eine absolut wünschenswerte Lösung“, sagte „Vereinigte-IKK“-Chef Terlohr.

In der IKK-Familie mit ihren insgesamt rund 4 Millionen Mitgliedern steht man dem Hilfeersuchen aus Düsseldorf aufgeschlossen gegenüber. „Wir sind grundsätzlich bereit, uns solidarisch zu zeigen“, erklärte ein Manager. Mögliche Zahlungen an die „Vereinigte IKK“ sollten allerdings an Bedingungen geknüpft werden, hieß es an anderer Stelle. Die Kasse müsse effizienter werden und ihre strukturellen Probleme in den Griff bekommen. Bis zum 10. Mai soll die „Vereinigte IKK“ ein Sanierungskonzept vorlegen.