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Deutschland / Weltweit "Kredite werden teurer"
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit "Kredite werden teurer"
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18:16 21.03.2012
Von Albrecht Scheuermann
Walter Kleine ärgert sich über die neuen Regeln für das Bankgeschäft. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Die Sparkasse Hannover warnt vor knapperen und teureren Krediten infolge der neuen internationalen Eigenkapitalvorschriften. Sparkassen-Chef Walter Kleine äußerte sich am Mittwoch enttäuscht, dass die unter dem Begriff Basel III bekannten Regeln keine Ausnahmen für regionale Kreditinstitute wie die deutschen Sparkassen vorsehen. Diese würden vielmehr mit international agierenden Bankkonzernen in einen Topf geworfen.

"Wir brauchen im mittelständischen Kreditgeschäft künftig mehr Eigenkapital, Eigenkapital ist aber teuer", sagte Kleine. Es sei grotesk, dass zugleich Staatsanleihen weiter als Null-Risiko gelten und damit keinerlei Eigenkapital binden. "Unser Kreditbestand enthält weniger Risiken als viele Staatsanleihen."

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Der Sparkassen-Chef erwartet, beginnend mit dem Jahr 2012, schwierigere Zeiten für sein Haus. Als Belastungsfaktoren sieht er neben den schärferen Eigenkapitalanforderungen die schwächere Konjunktur, geringere Erträge von Beteiligungsunternehmen wie der Nord/LB, höhere Personalaufwendungen und niedrigere Gewinnmargen durch den scharfen Wettbewerb vor allem im Einlagengeschäft. Allzu pessimistisch ist Kleine allerdings nicht. "Dann trinken wir jetzt eben Weinschorle statt Wein, das schmeckt auch gut."

Mit den Geschäftszahlen des Jahres 2011 sei er "gut zufrieden", meinte Kleine. Die Sparkasse fuhr ein Betriebsergebnis vor Risikovorsorge von 152 (Vorjahr: 136) Millionen Euro ein. Das gute Ergebnis wurde zu einer weiteren Stärkung der Rücklagen genutzt. Zudem schrieb das Institut 28 Millionen Euro auf ihren Anteil an der Landesbank Berlin ab, womit die Sparkasse Hannover deutlich vorsichtiger agiere als andere Sparkassen. Kleine sagte jedoch, dass er von einer dauerhaften Wertminderung der Beteiligung in diesem Umfang ausgehe.

Die deutschen Sparkassen hatten über eine gemeinsame Gesellschaft die Landesbank 2007 für 5,5 Milliarden Euro vom Land Berlin gekauft. Ende 2011 mussten sie wegen der Schuldenkrise eine Abschreibung von 850 Millionen Euro auf den Wert der Landesbank vornehmen - nach 430 Millionen Euro im Jahr zuvor. Für den Wertverlust wurde die Entwicklung auf den Kapitalmärkten verantwortlich gemacht, der sich auch die Landesbank Berlin nicht entziehen könne.

Trotz dieser Belastungen konnte die Sparkasse wie im Vorjahr einen Gewinn von 25 Millionen Euro ausweisen, sodass wieder insgesamt 10 Millionen Euro in Form von Dividenden sowie Zuschüssen für Projekte in den Bereichen Soziales, Wissenschaft, Kultur und Sport in die Region fließen sollen.

Wie andere Geldhäuser lobte die Sparkasse das gute Geschäft mit der Baufinanzierung sowie der Immobilienvermittlung. Deutliche Zuwächse gab es auch bei den kurzfristigen Kundeneinlagen und dem Zinsüberschuss. Vorstandsmitglied Axel Dankert: "Die Kunden warten schon seit 2010 auf die Zinswende, wir dürften sie aber auch in diesem Jahr nicht erleben." Dagegen litt das Provisionergebnis unter dem schwachen Geschäft mit Lebens- und Rentenversicherungen.

Die Bilanzsumme war Ende 2011 mit 12,6 Milliarden Euro etwas höher als im Vorjahr, die Beschäftigtenzahl mit 2345 beziehungsweise 3090 in der Gruppe etwas geringer.