Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Deutschland / Weltweit Noch einwandfrei – trotzdem im Müll
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Noch einwandfrei – trotzdem im Müll
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:11 20.05.2014
Für Nudeln und andere langlebige Lebensmittel soll es kein Mindesthaltbarkeitsdatum mehr geben.
Für Nudeln und andere langlebige Lebensmittel soll es kein Mindesthaltbarkeitsdatum mehr geben. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Was besagt das Mindesthaltbarkeitsdatum überhaupt?

Bis zum Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums sollte ein Produkt normalerweise in einem Topzustand sein – also seinen vollen Geschmack behalten oder nicht matschig werden. Das setzt sachgemäße Aufbewahrung und intakte Verpackung voraus. Vor allem langlebige Lebensmittel wie Reis, Nudeln oder Tee können aber auch weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus noch ohne Bedenken genießbar bleiben.

Ist das eigentlich allen Verbrauchern klar?

EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg zufolge weiß nur etwa die Hälfte der Bürger über die Bedeutung der Angaben zur Mindesthaltbarkeit Bescheid. „Wir müssen die Datumsangaben vereinfachen und die Verbraucher besser über die Anwendung dieser Daten informieren“, forderte Borg deshalb gestern.

Wann sollte man Lebensmittel besser wegwerfen?

Wenn das Verbrauchsdatum erreicht ist. Kunden erkennen es am Aufdruck „zu verbrauchen bis“. „Das Verbrauchsdatum haben wir auf solchen Produkten, die sehr sensibel sind, weil sie aufgrund ihrer Zusammensetzung und ihrer Herstellungsweise für mögliche Keimbelastungen anfällig sind“, erklärt Christian Böttcher vom Handelsverband HDE.

Bei welchen Waren ist besondere 
Vorsicht geboten?

Als Beispiele nennt Böttcher frisches Geflügel- oder Hackfleisch. „Das Verbrauchsdatum sollte der Kunde auch wirklich ernst nehmen und diese Produkte nach dem Verbrauchsdatum nicht mehr verwenden.“ Das Landwirtschaftsministerium rät: „Wenn Sie deutliche Veränderungen in Farbe, Konsistenz, Geruch oder Geschmack entdecken, sollten Sie die Produkte besser entsorgen.“

Ist die Lebensmittelverschwendung 
ein großes Problem?

Geschätzte 89 Millionen Tonnen Lebensmittel werden nach einem Papier der niederländischen und schwedischen Regierungen jedes Jahr in Europa verschwendet. Die EU-Kommission spricht gar von 100 Millionen Tonnen – dies entspreche einem Drittel der Nahrung für den menschlichen Gebrauch. Nicht alle Abfälle landen dabei in der privaten Mülltonne. Manche Produkte erreichen den Verbraucher erst gar nicht, weil sie schon beim Transport beschädigt werden oder weil bei Veranstaltungen Reste auf dem Buffet übrig bleiben.

Welche Änderungen sind im Gespräch?

Die Regierungen Schwedens und der Niederlande wollen prüfen lassen, ob weitere haltbare Produkte von der Pflicht zum Mindesthaltbarkeitsdatum befreit werden könnten. Schon heute muss das Datum nicht auf jeder Packung stehen: Wein, Kaugummi, frisches Obst und Gemüse und einige weitere Lebensmittel sind von der Vorschrift ausgenommen. Deutschland unterstützt diese Pläne. „Wir verschwenden Lebensmittel, und das ist auch ethisch nicht begründbar“, sagt Landwirtschaftsminister Schmidt.

Was passiert jetzt?

Das ist noch nicht absehbar. Zunächst einmal müsste die Brüsseler EU-Kommission einen Vorschlag zur Änderung der relevanten EU-Verordnung machen. Bis sich die Vorschriften ändern, könnte es deshalb unter Umständen noch Jahre dauern.