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Deutschland / Weltweit Metallindustrie streitet über Altersteilzeit
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Metallindustrie streitet über Altersteilzeit
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00:15 04.01.2015
Von Lars Ruzic
Arbeitgeber wollen die Quote von maximal 4 Prozent Altersteilzeitbeschäftigten pro Betrieb abschaffen. Quelle: Daniel Naupold
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Hannover

Nach HAZ-Informationen aus Verhandlungskreisen wollen die Arbeitgeber die bislang geltende Quote von maximal 4 Prozent Altersteilzeitbeschäftigten pro Betrieb abschaffen und durch das „Prinzip der doppelten Freiwilligkeit“ ersetzen. Damit hätte der Arbeitgeber in der Frage des vorzeitigen Ausscheidens das letzte Wort.

Gleichzeitig sollen nur noch besonders Belastete in Altersteilzeit gehen können. „Es muss einen Unterschied machen, ob jemand nicht mehr kann, oder ob er lediglich vorzeitig aussteigen will“, sagte ein Gesamtmetall-Sprecher. Bislang haben grundsätzlich alle Beschäftigten in der Branche Anspruch auf Altersteilzeit, Mitarbeiter mit körperlich besonders anstrengenden Jobs wie Schichtarbeiter werden jedoch bevorzugt behandelt.

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Die Arbeitgeber argumentieren, dass die bislang gültige Quote von vielen Betrieben schon heute nicht ausgeschöpft werde. Die Zahl der Beschäftigten jenseits der 60 habe sich seit 2000 verdreifacht – auch weil viele Arbeitsplätze „altersgerecht“ eingerichtet wurden. Zudem werde durch die schwarz-rote „Rente mit 63“ der Anteil derjenigen sinken, die ihren vorzeitigen Ausstieg noch tarifvertraglich regeln müssten.

Viele Unternehmen haben mit dem aktuellen Tarifvertrag allerdings auch ein profanes buchhalterisches Problem. Die festgeschriebene Quote zwingt sie dazu, in entsprechendem Ausmaß Rückstellungen in den Bilanzen zu bilden – Geld, das andernorts fehlt. Vor allem die mittelständischen Firmen im Arbeitgeberverband Gesamtmetall dringen deshalb auf eine Abschaffung der Quote.

Tarifrunden allerorten

Es dürfte ein heißer Winter werden – zumindest mit Blick auf die anstehenden Tarifverhandlungen. Denn für mehr als sechs Millionen Beschäftigte wird in den kommenden Monaten über Löhne, Gehälter und sogenannte qualitative Regelungen zu reden sein. Warnstreiks sind vorprogrammiert.
Den Anfang macht Mitte Januar die Metall- und Elektroindustrie. Die Entgelttarifverträge sind zum Jahreswechsel ausgelaufen, die Friedenspflicht endet am 28. Januar. Anfang Februar verhandelt die IG Metall dann parallel mit Volkswagen über den Haustarif, dort fordert sie ebenfalls 5,5 Prozent mehr.
Ende Januar beginnt die Chemie-Tarifrunde, die Forderung für die gut 550 000 Beschäftigten wird sich zwischen 4 und 5 Prozent bewegen. Mitte Februar folgen die Verhandlungen für mehr als zwei Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst der Länder, wo Verdi und GEW 5,5 Prozent mehr fordern.

Die Altersteilzeitpläne der Arbeitgeber kollidieren mit den Forderungen der IG Metall, die das Instrument sogar noch ausweiten will. Geht es nach der Gewerkschaft, sollen zusätzlich zu Schichtarbeitern auch Beschäftigte in Taktarbeit oder Außenmontage zu besonders Belasteten erklärt werden. Zudem will die IG Metall die Altersteilzeit für Beschäftigte in unteren Lohngruppen durch höhere Zuschläge attraktiver machen. In anderen Branchen und auf Betriebsebene gibt es bereits Vereinbarungen, die den Niedrigverdienern trotz Teilzeit bis zu 100 Prozent ihres letzten Nettolohns zugestehen. In der Metallindustrie liegt dieser Wert bislang bei maximal 89 Prozent.

Seit Monaten befinden sich beide Seiten in diesen Fragen in Sondierungsgesprächen – bislang ohne vorzeigbare Fortschritte. Mitte Januar beginnen die Tarifverhandlungen, bei denen die IG Metall neben 5,5 Prozent mehr Lohn auch eine „Bildungsteilzeit“ für jüngere Beschäftigte fordert. Letztere soll nach dem Vorbild der Altersteilzeit funktionieren, ein Beschäftigter also beispielsweise zwei Jahre voll arbeiten und zwei Jahre für Weiterqualifizierung außerhalb des Betriebs nutzen können – während er über vier Jahre 87 Prozent seines letzten Nettogehalts bekommt. Dies lehnt die Arbeitgeberseite komplett ab. Die Sondierungen gestalteten sich auch deshalb schwierig, weil die IG Metall die Finanzierung von Alters- und Bildungsteilzeit in einem Tarifvertrag regeln will.

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