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Deutschland / Weltweit Mexiko ist die zweite Heimat von Volkswagen
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Mexiko ist die zweite Heimat von Volkswagen
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00:15 18.01.2013
Von Stefan Koch
Mitarbeiter im neuen VW-Werk in Silao: Dank der Autobauer wächst in Mexiko eine Mittelschicht rasant heran. Quelle: dpa
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Silao

Im Gewerbegebiet von Silao herrscht ein babylonisches Sprachengewirr. Je nach Baustelle ist neben Spanisch Chinesisch, Japanisch, Italienisch und neuerdings auch Deutsch zu hören. Das Städtchen, das genau im geografischen Zentrum von Mexiko liegt, zieht Unternehmen aus der ganzen Welt an. Die Werkseröffnung, die Volkswagen am Dienstag hier beging, ist allerdings ungewöhnlich: Konzernchef Martin Winterkorn und Mexikos Staatspräsident Enrique Pena reisten an, um den 100. Standort der Autobauer zu feiern.

Von einer „niedersächsischen“ Firma spricht in Silao jedoch niemand. VW erscheint vielen Mexikanern geradezu als ein Stück Heimat. Vor allem mit dem alten Käfer verbinden sie Freiheit und Unabhängigkeit. Das scheinbar unverwüstliche Auto gehört bis heute zum Alltagsbild auf den Straßen. Über vier Jahrzehnte hinweg wurde der Klassiker am großen VW-Standort Puebla produziert, an dem mittlerweile über 18 000 Mitarbeiter im Einsatz sind. Ihnen gilt das neue Motorenwerk in Silao nahe der Großstadt Leon als eine Art Ableger. „Wir fühlen uns für den Produktionsstart mitverantwortlich“, sagt Donaji Baez.

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Die 32-Jährige ist seit fünf Jahren für VW-Puebla tätig und pendelt künftig regelmäßig in die beschauliche Stadt. Die junge Frau zählt zur rasant wachsenden mexikanischen Mittelschicht, die in der globalisierten Wirtschaft mehr Chancen als Risiken erkennt: Die Mutter von drei Kindern arbeitet ebenso wie ihr Ehemann ganztags und absolviert nebenbei noch ein VW-internes Studium.

Das Projekt in Silao liegt ihr am Herzen: Wie in Puebla geht es hier nicht nur um Produkte für den heimischen Markt, sondern auch für den Export. Jährlich sollen künftig 330.000 Benzinmotoren der TSI-Baureihe montiert und dann in Puebla und am US-Standort Chattanooga in den Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Die Fabrik, die sowohl in der Technik als auch in Umweltfragen neue Standards setzen soll, kostet die Wolfsburger – bisher – etwa 410 Millionen Euro. Winterkorn zeigte sich gestern zuversichtlich, dass dieses Geld gut investiert sei.

Immerhin bilden die künftigen 700 Mitarbeiter einen wichtigen Baustein in der Konzernstrategie: Um die Marktanteile in Nordamerika weiter zu steigern, setzt VW auf die Vor-Ort-Produktion. An Möglichkeiten für weitere Expansionen mangelt es nicht: Das neue VW-Gelände erstreckt über 60 Hektar und liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Pirelli- und Magna-Fabriken. Auch eine technische Akademie ist zu Fuß erreichbar. Nach Einschätzung der VW-Manager herrschen also gute Voraussetzungen für das Fernziel, ab 2018 jährlich eine Million Fahrzeuge in den benachbarten USA zu verkaufen. Wenn alles rund läuft, rückt damit der Traum der Wolfsburger in greifbare Nähe, zu diesem Zeitpunkt zum größten Autobauer aufzusteigen.

Während die US-Variante des Passat in Chattanooga für die USA hergestellt wird, liefert das Werk in Puebla die Modelle Jetta, Golf Variant, Beetle und Beetle Cabrio in alle Welt aus. Andreas Hinrichs, VW-Chef in Mexiko, betont, dass die Unternehmensgruppe allein 2012 vor Ort über 600.000 Fahrzeuge produzierte. Die Autobranche spiele in der mexikanischen Wirtschaft eine Schlüsselrolle, zumal auch andere Autobauer wie Ford, General Motors und Toyota seit Jahrzehnten hier aktiv sind und dazu beitragen, dass Mexiko heute zu den großen Exportnationen zählt. Wie sehr die mexikanische Mittelschicht davon profitiert, zeigt sich auch an den Absatzzahlen im Land selbst: Über 160 000 Mexikaner stellten sich 2012 einen neuen Volkswagen in ihre Garage.