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Deutschland / Weltweit Millionen-Bußgeld für zu teures Bier
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Millionen-Bußgeld für zu teures Bier
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00:15 16.01.2014
Von Carola Böse-Fischer
Die Hersteller dieser Biermarken haben illegal Preiserhöhungen abgesprochen und müssen deshalb eine Geldstrafe in dreistelliger Millionenhöhe zahlen. Quelle: dpa
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Hannover

Den entscheidenden Tipp hat der weltgrößte Bierkonzern Anheuser-Busch InBev den Wettbewerbshütern geliefert – und damit das bislang größte Kartellverfahren in der Geschichte der deutschen Brauwirtschaft ausgelöst. Vorläufiges Ergebnis: Am Montag verhängte das Bundeskartellamt wegen verbotener Preisabsprachen bei Bier Geldbußen in Höhe von insgesamt 106,5 Millionen Euro gegen vier Braukonzerne und eine Privatbrauerei sowie gegen sieben „persönlich verantwortliche“ Manager.

Strafe zahlen müssen nach Angaben der Kartellwächter die bundesweit bekannten Bierbrauer Bitburger, Krombacher, Veltins, Warsteiner und die Privatbrauerei Barre aus Lübbecke in Nordrhein-Westfalen. Die Firmen sprachen zu Lasten der Verbraucher in den Jahren 2006 und 2008 Preiserhöhungen für Fassbier „in der Größenordnung von jeweils 5 bis 7 Euro pro Hektoliter“ ab, wie das Kartellamt berichtete. Überdies hätten die Hersteller 2008 bei Flaschenbier eine Preiserhöhung von einem Euro je 20-Flaschen-Kasten abgesprochen. Seine Behörde habe Absprachen zwischen Brauereien nachweisen können, die „überwiegend auf rein persönlichen und telefonischen Kontakten beruhten“, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

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Als erstes sprachen sich dem Amt zufolge die überregionalen Brauereien ab, danach hätten einige von ihnen mit regionalen Brauereien in Nordrhein-Westfalen die Preiserhöhungen vereinbart.Geschehen sei dies auf Sitzungen des regionalen Brauereiverbandes im Juni 2006 und im September 2007.

Ermittlungen wegen Selbstanzeige

Ungeschoren kommt in diesem Verfahren „einer der dicksten Fische“ davon, wie ein Brancheninsider der HAZ sagte. Anheuser-Busch InBev sei die Sache offensichtlich zu riskant geworden und habe mit seiner Selbstanzeige die bundesweiten Ermittlungen ausgelöst. Indirekt wurde dies von einem Sprecher des Kartellamts bestätigt. Möglicherweise sei der Konzern wegen eines anderen, seit 2010 laufenden Verfahrens wegen „vertikaler Absprachen“ zwischen Herstellern verschiedenster Markenprodukte und Händlern „unruhig“ geworden. So werde wegen möglicher Absprachen über Endverkaufspreise ermittelt, auch bei Bier, sagte der Behördensprecher. Dank der sogenannten Kronzeugenregelung geht Anheuser-Busch InBev in dem Kartellverfahren beim Bier straffrei aus.

Den überführten Kartellsündern gewährten die Wettbewerbshüter immerhin noch einen Abschlag von bis zu 50 Prozent der Geldbuße – weil sie kooperiert haben, wie der Kartellamtssprecher erklärte. Weitere bis zu 10 Prozent Rabatt habe es gegeben, da die Unternehmen einvernehmlich der Beendigung des Verfahrens zu gestimmt hätten. Die Geldbuße hätte anderenfalls leicht 200 Millionen Euro betragen können.

Wie viel Strafe die Brauereien jeweils zahlen müssen, wollte das Kartellamt nicht mitteilen. Die Höhe der Geldbuße errechne sich aus dem Umsatz mit dem „kartellierten Produkt“, zudem sehe man sich die Schwere und Dauer des Kartellverstoßes an, sagte der Sprecher. Daraus ergebe sich die jeweilige Geldbuße. Beendet ist das Verfahren damit nicht. Gegen zwei weitere Bierkonzerne wird den Angaben zufolge noch ermittelt. Dabei handelt es sich um den zum Oetker-Konzern gehörenden Branchenprimus Radeberger und die dänische Carlsberg-Gruppe, wie es in der Branche hieß. Im Visier hat das Kartellamt zudem vier Regionalbrauereien in Nordrhein-Westfalen sowie den regionalen Brauereiverband.