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Deutschland / Weltweit “Mobilitätsbaustein” statt Ärgernis: So könnte es mit E-Scootern noch klappen
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15:42 29.08.2019
In Großstädten haben sich E-Scooter zum Teil zum Ärgernis entwickelt. Dabei haben die kleinen Roller großes Potential. Quelle: imago images / snapshot

Sie sind in Rekordzeit zum Mega-Ärgernis für Großstadtbewohner geworden. Doch nun bricht die Denkfabrik Agora Verkehrswende eine Lanze für die E-Scooter. Sie könnten zu einem „ernstzunehmenden Mobilitätsbaustein“ entwickelt werden, sagt Agora-Direktor Christian Hochfeld. Allerdings stehen die Geschäftsmodelle mit den Kleinstfahrzeugen zum Leihen auf tönernen Füßen. Erste Pleiten könnte es schon in wenigen Monaten geben.

„Bisher scheinen die E-Tretroller oft nur ein hippes Touristenspektakel zu sein“, so Hochfeld. Wirklich nützlich könnten sie „für kürzere Einwegfahrten und in Verbindung mit dem öffentlichen Personennahverkehr“ werden. Das größte Plus der Fahrzeuge mit den kleinen Rädern ist aus Sicht der Agora-Experten, dass sie mit einer Kilowattstunde Strom rechnerisch 40mal so weit kommen wie ein Personenwagen. Jede auf einen Roller verlagerte Pkw-Fahrt führe zu erheblichen Energieeinsparungen.

Bisher scheinen die E-Tretroller oft nur ein hippes Touristenspektakel zu sein

Agora-Direktor Christian Hochfeld

Allerdings ist dieser Effekt bislang kaum zum Tragen gekommen. Erste Analysen durch die Beratungsfirma Civity zeigen, dass die Scooter vor allem als Spaß-Vehikel von Touristen am Wochenende und zu später Stunde unterwegs sind, aber nicht als Alternative zum Pkw eingesetzt werden.

Kaum CO2-Ausstoß

Immerhin aber blasen die Roller lokal überhaupt kein Kohlendioxid in die Luft. Unter Berücksichtigung des aktuellen hiesigen Strommixes sind es nach Agora-Berechnungen nur knapp fünf Gramm pro Kilometer im Fahrbetrieb. Hinzu kommen aber die Belastungen, die durch das Einsammeln, Aufladen, Reparieren und Verteilen der Roller entstehen. Und es müssen vor allem auch die hohen Emissionen bei der Herstellung des Fahrzeugs aus Aluminium und der Batterie bedacht werden. Dabei verschlechtert die kurze Lebensdauer – aktuell maximal drei Monate - die Öko-Bilanz erheblich. Hochrechnungen der North Carolina State University haben ergeben, dass die Flitzer unter Berücksichtigung aller Faktoren letztlich bis zu 125 Gramm des klimaschädlichen Gases in die Luft blasen.

Die Agora-Experten machen aber geltend, dass sich bei der neuesten Roller-Generation „deutliche Verbesserungen“ abzeichneten. Die Kleinstfahrzeuge, die bislang im Einsatz sind, wurden eigentlich für den privaten Gebrauch und nicht für das harte Leben als Leih-Vehikel konzipiert. Das US-Unternehmen Bird setzt indes mit dem Marktstart hierzulande am vergangenen Montag einen Scooter ein, der zwölf bis 18 Monate durchhalte, so Bird-Manager Christian Gessner im Handelsblatt.

Parkplätze für E-Scooter?

Doch das größte Problem der neuen Form der Mobilität ist, dass es massenweise Ärger wegen zugestellter Gehwege und Unfällen mit Radlern und Fußgängern in Innenstädten gibt. Deshalb plädieren Agora, der Deutsche Städtetag und der Städte- und Gemeindebund in einer gemeinsam erarbeiteten „Handreichung“ für Bürgermeister für eine strenge Regulierung.

Lesen Sie auch: Deutscher Städtetag will klare Regeln für E-Scooter

Es wird empfohlen, eigene Stellplätze für die Leihroller einzurichten sowie Sperrzonen fürs Parken und Befahren auszuweisen. Ein „zuverlässiges Beschwerdemanagement“ sei zudem ratsam. Damit das auch was bringt, sollen Anbieter und Kommunen „Reaktionszeiten für die Beseitigung von Rollern festlegen, die falsch abgestellt, umgeworfen oder beschäftigt wurden“, heißt es in der Handreichung. Als weitere Erfolgsfaktoren werden genannt: Günstige Preise, um die Kombination von E-Scootern und ÖPNV zu ermöglichen und Ausbau der Straßen-Infrastruktur, um ausreichend Platz zum Fahren zu haben. Die Roller dürfen sich nicht auf Gehwegen, sondern nur auf Radwegen oder auf den Fahrbahnen für die großen Kraftfahrzeuge fahren.

Bislang macht kein Anbieter Gewinn

Dabei stellt sich aber die Frage, ob sich dieser Anforderungskatalog mit den kommerziellen Interessen der Anbieter verträgt. Valide Zahlen über die Profitabilität der Verleiher wurden bislang zwar nicht publik gemacht. Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hat in einer Studie auf Basis von Marktzahlen aus den USA aber hochgerechnet, dass keiner der Anbieter bislang Gewinne mache. Der entscheidende Punkt: Selbst wenn die Scooter fünfmal pro Tag für jeweils etwa 17 Minuten ausgeliehen werden, müssten sie fast vier Monate lang halten, um keine Verluste einzufahren – also knapp einen Monat länger als tatsächlich.

Dabei sind aber noch keine Marketing-Kosten eingerechnet. Die dürften aber nach Einschätzung der BCG angesichts des harten Wettbewerbs schon bald eine größere Rolle spielen. In vielen Großstädten wie Berlin, Hamburg, München oder Frankfurt treten bereits vier oder fünf Verleiher gegeneinander an. Durch die Überversorgung würden mutmaßlich Preiskämpfe und Preiskriege losgetreten, so die BCG-Studie. Tabuzonen in Innenstädten oder eine Art Roller-Feuerwehr dürften derweil die Kosten weiter in die Höhe treiben.

Wann geben die Ersten auf?

Lukasz Gadowski, Chef des deutschen Roller-Startups Circ, hat bereits Anfang Juli auf einer Tech-Konferenz in Berlin das baldige Ende von Anbietern prophezeit. Dem hat sich nun auch Gessner angeschlossen. Die Konsolidierung werde schneller kommen, als viele denken würden. Schon Ende des Jahres werde die Kasse bei vielen erschöpft sein.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND

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