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Deutschland / Weltweit Monsanto gibt auf
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Monsanto gibt auf
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22:22 31.05.2013
Von Carola Böse-Fischer
Nicht mehr nur in Deutschland, sondern weltweit wächst die Protestbewegung gegen die Gentechnikindustrie. Quelle: dpa
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Hannover

Die Proteste gegen gentechnisch veränderte Pflanzen und Produkte zeigen Wirkung – zumindest in Europa: Der US-Saatgutkonzern Monsanto gibt seinen Kampf für die Genpflanzen auf. „Wir machen keine Lobbyarbeit mehr für den Anbau in Europa“, sagte der Sprecher von Monsanto Europa, Brandon Mitchener gestern der „Tageszeitung“ (taz).

Der Saatgutmulti mit Sitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri ist wie kein anderer Saatguthersteller zum Inbegriff der grünen Gentechnik geworden – und damit zur Zielscheibe der Protestbewegung, auch in den USA. Am vorigen Wochenende hatten Tausende Menschen in 250 Städten weltweit gegen Monsanto demonstriert. Kritiker werfen dem Konzern vor, er strebe mit seinem Gen-Saatgut ein Monopol bei Lebensmitteln an und wolle die Landwirte in seine Abhängigkeit bringen.

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In Europa tritt Monsanto nun den Rückzug an. Man sei über die Jahre hier nicht weiter gekommen, erklärte eine Sprecherin von Monsanto Deutschland am Freitag. „Es ist kontraproduktiv, gegen Windmühlen zu kämpfen.“ Deshalb will Monsanto keine neuen Anträge mehr für die Zulassung neuer Genpflanzen stellen, wie Mitchener der „taz“ sagte. Auch neue Freilandversuche mit Saatgut von Genpflanzen seien nicht geplant.

In der EU sind derzeit nur Monsantos Genmais MON810 und die für den europäischen Markt entwickelte Genkartoffel Amflora von BASF zum Anbau zugelassen. In Deutschland hat jedoch die Bundesregierung angesichts der Ablehnung der Gentechnik durch die Verbraucher 2009 den Anbau von MON810 untersagt.

Wegen der mangelnden Akzeptanz hatte schon BASF 2012 Europa den Rücken gekehrt und seine Gentechnik-Aktivitäten in die USA verlegt. Der Einbecker Saatgutkonzern KWS baut dagegen nach eigenen Angaben seine Forschung mit Genpflanzen aus, verzichtet aber nach massiven Protesten gegen Freilandversuche mit seiner zusammen mit Monsanto entwickelten Genrübe auf weitere Experimente dieser Art.

Greenpeace sieht in Monsantos Entscheidung einen logischen Schritt: Die Gründe seien „rein ökonomisch“, sagte der Gentechnik-Experte der Umweltorganisation, Dirk Zimmermann, der HAZ. Der Konzern habe eingesehen, dass er in Europa nur Geld verpulvere. Es handele sich jedoch nicht um einen kompletten Rückzug. In Tschechien, Portugal und Spanien, wo Genmais auf rund 100 000 Hektar angebaut werde, bleibe Monsanto im Geschäft. Trotzdem spricht Greenpeace von einem Teilerfolg. Bei den Akteuren wachse die Einsicht, dass es züchterische Methoden gebe, die der Gentechnik überlegen seien, sagte Zimmermann.

Das Bundesagrarministerium wollte Monsantos Entscheidung nicht kommentieren. Es sei jedoch bekannt, dass man der Gentechnik kritisch gegenüber stehe. Die Heilsversprechen der Gentechnik-Industrie hätten sich bisher nicht erfüllt.

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