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Deutschland / Weltweit Neue Rübe soll KWS Schub geben
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Neue Rübe soll KWS Schub geben
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22:42 15.04.2012
Von Carola Böse-Fischer
Foto: Junge Rübenpflanzen im Labor: Schon seit 2001 tüfteln KWS und Bayer an einer herbizidtoleranten Zuckerrübe – ohne Gentechnik.
Junge Rübenpflanzen im Labor: Schon seit 2001 tüfteln KWS und Bayer an einer herbizidtoleranten Zuckerrübe – ohne Gentechnik. Quelle: dpa
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Hannover

Zu diesem Zweck sind der Saatguthersteller und der Leverkusener Chemiekonzern eine Kooperation eingegangen. Nach 2015 sollen die neuen Sorten auf den Markt kommen und gemeinsam vermarktet werden, wie ein Sprecher des Einbecker KWS-Konzerns sagt.

Weil die beiden Unternehmen die ersten bei dieser Innovation sind, verschaffen sie sich einen Vorteil im Wettbewerb. Entsprechend hochgesteckt sind die Erwartungen: Die neue Rübe soll für einen Absatzschub sorgen. Die Landwirte bekämen damit „eine neue Möglichkeit, den Zuckerrübenanbau einfacher, zeitlich flexibler und umweltverträglicher zu gestalten“, heißt es in Einbeck. Ein Erfolg der herbizidtoleranten Rübe erscheint mithin so gut wie sicher.

Es wäre der Lohn für jahrelange Mühe. Rund 15 Jahre dauert die Entwicklung einer neuen Sorte. Schon seit 2001 forschen KWS und Bayer an der neuen Rübe. Rund 1,5 Milliarden Zellen von Zuckerrüben wurden im Labor auf die Resistenz gegen das von Bayer entwickelte Herbizid getestet, wie der KWS-Sprecher erklärt. Mit den Zellen, deren Erbgut eine spontane Veränderung an einem bestimmten Enzym enthielt und die sich dadurch als unempfindlich erwiesen, sei gezielt weitergezüchtet worden. Ganz nach klassischer Züchtung also. „Schloss und Schlüssel mussten zusammenpassen.“ KWS betont denn auch, dass es sich „nicht um ein gentechnisches Verfahren“ handelt.

Dank des neuen Systems können nach Angaben von Bayer künftig neue Wirkstoffe auch in Zuckerrüben eingesetzt und Unkräuter „mit geringen Aufwandmengen und wenigen Anwendungen“ kontrolliert werden. Jetzt sei man dabei, die neuen Sorten mit der Herbizidtoleranz für die Zulassung etwa beim Bundessortenamt in Hannover zu entwickeln, berichtet der KWS-Sprecher.

Mit der neuen Zuckerrübe wollen die Konzerne vor allem in Europa Geschäfte machen. Denn hier lehnt die Mehrheit der Verbraucher die grüne Gentechnik ab, und ein kommerzieller Anbau genmanipulierter Ackerpflanzen ist bis auf Weiteres nicht möglich. Jüngst erst hatte KWS verkündet, in Deutschland auch keine Freilandversuche mehr mit Genrüben machen zu wollen, obwohl der Konzern inzwischen dafür – trotz juristischer Einwendungen von Umwelt- und Verbraucherschützern – die Genehmigung bekommen hat. Lediglich für einen Schaugarten in Üplingen bei Magdeburg will KWS die Genehmigung für ein Freilandprojekt nutzen.

Und in den USA besteht wenig Bedarf für die neue konventionelle Zuckerrübe. Dort hat KWS mit einer zusammen mit Monsanto entwickelten Genrübe einen Anteil von 95 Prozent an der Anbaufläche für Zuckerrüben erreicht. Grundsätzlich wolle man jedoch beide Sorten parallel anbieten, um den Landwirten die Wahl zu ermöglichen, heißt es bei KWS. Möglicherweise aber auch, weil in den als „Mekka der Gentechnik“ geltenden USA ebenfalls der Widerstand gegen diese Technologie wächst.

Mit Zuckerrüben-Saatgut hat das im S-Dax notierte Unternehmen zuletzt gut 293 Millionen Euro (2010/11) umgesetzt. Das waren 34,3 Prozent der Gesamterlöse von 855 Millionen Euro. Vor einigen Jahren hat das Geschäft mit Mais-Saatgut die Zuckerrübe als größten Umsatzbringer abgelöst. Damit hat KWS allein rund 471 Millionen Euro erlöst, gut 55 Prozent des Konzernumsatzes.