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Deutschland / Weltweit Neue Technik zeigt mehr und mehr dreidimensionale Bilder
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00:26 04.03.2010
Von Dirk Kirchberg
Die Messe der Brillen: In Halle 16 und bei der Telekom in Halle 4 gibt es Bilder in 3-D. Quelle: Surrey
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Die Rennwagen schießen über den nassen Asphalt, dichter Regen fällt, scheint aus dem Bildschirm heraus auf den Fußboden vor das Fernsehgerät zu tropfen. Personen und Fahrzeuge zum Greifen nah, sie ragen förmlich aus dem Display heraus. 3-D, dreidimensionale Filme – das ist das neue Pferd, auf das Hollywood setzt. 2010 soll das Jahr werden, in dem Bilder im Kino und im Fernsehen den Sprung in die dritte Dimension schaffen und den Betrachter in die Szene eintauchen lassen. Filmregisseur James Cameron hat mit seinem 3-D-Werk „Avatar“ kamera- und tricktechnisch vorgemacht, wohin die Reise geht.

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Der Actionfilm, das Fußballspiel, die Reisereportage – sie sollen den Rahmen des gewohnten Guckkastens sprengen und direkt in den Raum vor dem Betrachter treten. Bis zum Sommer, also pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika, will die Industrie serienreife 3-D-Fernseher vorstellen. Allerdings werden diese Geräte vermutlich noch mit 3-D-Brillen ausgeliefert werden, die ein wenig an die rot-grünen Kinobrillen der 1950er Jahre erinnern.

Die Technik, die auf der diesjährigen CeBIT in Halle 16 großmundig unter dem Stichwort „Next Level 3-D“ ausgestellt wird, lässt aber noch viel Luft nach oben. Zwar gibt es bereits erste 3-D-Computerbildschirme. Ein echtes Sehvergnügen will sich aber noch nicht einstellen, zumal der Betrachter für die meisten Schirme eben doch noch eine 3-D-Brille aufsetzen muss. Brillen wie etwa die Cinemizer Plus von Zeiss versprechen ein dreidimensionales Augenkino. Allerdings nur für Menschen ohne größere Sehfehler. Brillenträger mit Hornhautverkrümmungen etwa werden auch in nächster Zeit noch auf ein ungetrübtes, dreidimensionales Bild verzichten müssen. Erste autostereoskopische Fernsehgeräte, also Fernseher, die 3-D-Vergnügen ohne eine zusätzliche Brille ermöglichen sollen, haben auch ihren Weg auf die Messe gefunden. Aber auch bei ihnen kämpfen die Hersteller noch mit zahlreichen technischen Problemen. Verfügten die ersten Geräte lediglich über einen festen Blickwinkel, aus dem sich der Film dreidimensional genießen ließ, gibt es nun bereits Displays mit mehreren Blickwinkeln. Schließlich soll die ganze Familie 3-D zu Hause genießen können und nicht immer nur ein einzelner Zuschauer.

Am Stand des Fraunhofer Instituts ist ein „Stereoscopic Analyzer“ (STAN) im Einsatz. Er kombiniert Echtzeitanalyse von Bildern mit einem intelligenten Betrachtungsprogramm. Dieses Programm ist für Kameramänner und das Produktionsteam von Liveveranstaltungen sowie für die Nachbereitung von 3-D-Aufnahmen gedacht. Der Kasten fungiert gleichzeitig als Kameraschiene, auf der zwei hochauflösende Kameras auf einer Ebene Bilder einfangen. Die Kameras müssen für ein genussvolles Filmerlebnis genau auf einer Ebene nebeneinander gelagert sein. Bei Verschiebungen könnte der Betrachter sonst Kopfschmerzen sonst bekommen. „Unsere Augen liegen ja auch auf einer Ebene“, erklärt Ralf Schäfer, vom Heinrich-Hertz-Institut, der davon überzeugt ist, dass 3-D-Schirme, für die man Brillen braucht, ein Nischenmarkt bleiben wird.

Erst mit echten stereoskopischen Bildschirmen, für die der Zuschauer eben keine Brille mehr benötige, würde 3-D wohl den Weg in die Wohnzimmer finden. In der Zukunft seien auch 20 bis 30 verschiedene Blickwinkel denkbar. Doch bis dahin müssten noch viele Probleme gelöst werden, erläutert Schäfer. Denn Standards gäbe es in diesem Bereich noch nicht, und die Produzenten müssten deutlich mehr Regeln befolgen als bei konventionellen Filmdrehs. Auch bei „Avatar“ wären einige Fehler gemacht worden, sagt Schäfer. „Manche Kameraeinstellung war schon kritisch.