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Deutschland / Weltweit Ohne Panik zu den Pyramiden
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Ohne Panik zu den Pyramiden
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07:59 26.09.2013
Von Alexander Dahl
Warten auf Touristen: Kamel-Touren werden in Ägypten bald wieder gefragt sein. Quelle: dpa
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Auf die Pyramiden von Gizeh, die Nil-Kreuzfahrt oder das Tauchen im Roten Meer mussten viele deutsche Touristen in den vergangenen Monaten verzichten. Wegen der explosiven Lage in Ägypten gab das Auswärtige Amt im Frühjahr eine Reisewarnung heraus – und viele Touristikunternehmen hatten daraufhin ihre Urlaubsangebote gestrichen. Wirklich friedlich ist das Land noch nicht, doch seit Mittwoch fallen die Bedenken in Berlin nur noch milde aus.

Wie das Außenministerium zu der Einschätzung gekommen ist, dass weite Teile Ägyptens wieder sicher für Deutsche sind, bleibt unklar. In Berlin spricht man lediglich von der „Auswertung von Infos“ und davon, dass „die Sicherheit deutscher Staatsbürger das wichtigste Kriterium“ sei. Ansonsten sei die Analyse der Sicherheitslage „ein fortlaufender Prozess“, sagte eine Ministeriumssprecherin gegenüber der HAZ. Das von einem Kairoer Gericht verfügte Verbot der Muslimbrüderschaft am Montag habe aber keinen Einfluss auf die aktuelle Einschätzung gehabt, heißt es.
Ganz Ägypten ist noch nicht zur Besichtigung freigegeben. Von Reisen auf die Halbinsel Sinai wird abgeraten, ebenso von Touren in das Grenzgebiet zum südlichen Nachbarn Sudan – beides Regionen, in die sich der deutsche Pauschalurlauber wohl ohnehin nicht verirrt. Stadttouren nach Kairo samt Pyramiden sollen sicher sein, die Badestrände bei Hurghada auch.

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Beim hannoverschen Touristikkonzern TUI steht das Land am Nil seit Mittwoch wieder im Programm. „Unsere Hoteliers dort freuen sich auf die Urlauber“, sagt Sprecherin Anja Braun. Im Hinblick auf die Sicherheit vertraue man auf die Angaben des Auswärtigen Amtes. „Aber wir tauschen uns auch mit unseren Reiseleitern vor Ort aus, und die sagen, es ist alles ruhig“, betont Braun.

Nicht alle waren bisher so vorsichtig wie die TUI, Thomas Cook oder DER. Andere flogen deutsche Urlauber trotz Reisewarnung nach Ägypten. Nach Einschätzung des Deutschen Reiseverbandes machten im September rund 5000 Deutsche Urlaub am Roten Meer; vor den Unruhen waren es noch 40 000. Auch die USA und Russland warnten ihre Bürger vor dem Tourismus am Nil – Großbritannien aber nicht. Und während die Bundesrepublik nun Entwarnung gibt, lassen die Schweiz und Österreich für ihre Bürger weiterhin die rote Warnlampe leuchten.
In Ägypten dürfte die Entscheidung der Reiseveranstalter Erleichterung auslösen. Fast 1,2 Millionen Deutsche besuchten 2012 Ägypten; etwa elf Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, 20 Prozent der Deviseneinnahmen und rund vier Millionen Jobs hängen am Geschäft mit den Urlaubern. Auch das ägyptische Militär, nach der Absetzung der Muslimbrüder erneut die stärkste Macht im Land, kann wieder auf volle Kassen hoffen: Viele Hotels und Ferienanlagen befinden sich in seinem Besitz.