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Deutschland / Weltweit Opel-Schachzug von GM löst Welle der Wut aus
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Opel-Schachzug von GM löst Welle der Wut aus
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23:11 04.11.2009
Von Alexander Dahl
Ungewisse Zukunft für Opel. Quelle: ddp
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Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) bezeichnete die GM-Entscheidung als „völlig inakzeptabel“.

Jürgen Rüttgers, Regierungschef von Nordrhein-Westfalen, sprach vom „hässlichen Gesicht des Turbokapitalismus“ und forderte GM dazu auf, alle Opel-Werke in Deutschland zu erhalten. Dies sei eine Bedingung für mögliche Staatshilfen, sagte Rüttgers am späten Abend. Und Frank-Walter Steinmeier, der als damaliger Vizekanzler die Entscheidung des Opel-Verkaufs an das österreichisch-russische Konsortium unter Führung von Magna forciert hatte, rügte den Schachzug aus Detroit als „Unverschämtheit“. Magna-Chef Siegfried Wolf nahm die Abfuhr durch GM gelassen: Er könne die Entscheidung verstehen.

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Entsetzen herrschte dagegen bei Opel selbst. Der Gesamtbetriebsrat sprach von einem „schwarzen Tag“. GM werde nun „Regierungen und Beschäftigte in Europa erpressen, um das bekannte, nicht tragfähige GM-Konzept zu finanzieren.“ Konzernchef Fritz Henderson schien die Befürchtungen gestern bereits zu bestätigen: „Wenn wir uns nicht auf die nötige Restrukturierung einigen können, hätte dies die Opel-Insolvenz zur Folge“, sagte Henderson in einer Telefonkonferenz.

Die Bundesregierung rechnet damit, dass GM nun seinerseits deutsche Staatshilfen beantragen wird, um die deutsche Automarke zu sanieren. Henderson kündigte an, er werde der Regierung schnell einen Sanierungsplan vorlegen. Sein Vize, John Smith, sprach gestern Abend davon, dass 10.000 Jobs bei Opel in Europa wegfallen sollen – diese Zahl hatte allerdings der bisherige Kaufinteressent Magna ebenfalls geplant. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sieht unter GM-Regie die Opel-Werke in Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen als „akut gefährdet“.

Im Ausland stieß die GM-Entscheidung auf gemischte Reaktionen. Der Generalsekretär der britischen Gewerkschaft Unite, Tony Woodley, sprach von einer „phantastischen Entscheidung“. Es sei unlogisch, das Unternehmen aufzuspalten. Vorsichtigen Optimismus gab es bei Arbeitern in Polen, zurückhaltend äußerten sich Betriebsräte in Saragossa in Spanien.

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