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Deutschland / Weltweit Umverteilung von oben nach unten
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Umverteilung von oben nach unten
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07:14 17.10.2014
Von Lars Ruzic
Die Marke ist unvergessen, der Konzern längst Geschichte. Quelle: dpa
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Hannover

Wenn sie das gestrige Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) erst abgewartet hätten, wäre die Summe vielleicht nicht so schnell flüssig zu machen gewesen. Nun sind die Familien Karmann, Battenfeld und Boll das Geld jedenfalls endgültig los. Es fließt in die Insolvenzmasse des vor fünf Jahren in die Pleite gerutschten Auftragsfertigers. Entsprechend voll des Lobes über „Qualität und Unabhängigkeit unserer Justiz“ zeigte sich Insolvenzverwalter Ottmar Herrmann. Den mehr als 4500 Gläubigern versprach er „demnächst eine namhafte Quote ausschütten“ zu können. Dazu gehören auch viele ehemalige Karmann-Beschäftigte. Die gerichtliche Umverteilung von oben nach unten lobte denn die Osnabrücker IG Metall auch prompt als „ein Stück Gerechtigkeit“.

In der Region haben viele nicht verwunden, dass die Insolvenz zwar Tausende Arbeitsplätze kostete, die Eigentümer des Traditionshauses jedoch kaum direkt betraf. Pleite war nämlich nur die Karmann Betriebsgesellschaft – also die operative Einheit, die Autos, Fahrzeugteile und Dachsysteme baute.

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Sämtliche Grundstücke, Liegenschaften und Maschinen gehörten jedoch der familieneigenen Wilhelm Karmann GmbH & Co. KG. So war der Autobauer quasi sein eigener Mieter – und die Besitzgesellschaft nicht von dessen Insolvenz betroffen. Im Gegenteil: Sie konnte das Karmann-Werk am Ende sogar für einen zweistelligen Millionenbetrag an Volkswagen verkaufen – was für das mehr als 40 Hektar große Gelände in zentraler Lage allerdings weit unter Wert gewesen sein dürfte.

Zu alledem gesellte sich noch eine Steuerrückzahlung in Höhe von 162 Millionen Euro, die sich aus einer Änderung in der Steuerrechtsprechung 2010 ergeben hatte. Auf diesen Betrag summierten sich Umsatzsteuerzahlungen der Betriebsgesellschaft in den Jahren 2006 bis 2009. Zurückforderte und erhielt ihn am Ende aber die Besitzgesellschaft der Familien – und zwar zu einem Zeitpunkt, als Karmann schon pleite war. Das hatte in der Region viele auf die Palme und den Insolvenzverwalter vor die Gerichte getrieben. Dem hat der BGH nun recht gegeben – einschließlich 8 Millionen Euro Zinsen. Im Streit „Karmann gegen Karmann“ hat Hermann gewonnen.

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