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Deutschland / Weltweit Porsche sucht die Hilfe von VW
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Porsche sucht die Hilfe von VW
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10:24 08.05.2009
Von Stefan Winter
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Allen, die in Salzburg nicht dabei waren, blieb hinterher nur Staunen. Die Porsche-Eigner seien bei ihrem Krisentreffen offenbar ordentlich ins Schlingern geraten, sagte hinterher ein Autoexperte. Der Großaktionär gebe derzeit eine „dilettantische“ Vorstellung, haderte ein VW-Aufsichtsrat. Offenbar fänden sich die Porsches und Piëchs noch nicht in ihrer neuen Situation zurecht.

Die unterscheidet sich grundlegend von der vor einem Jahr. Bis dahin hatten Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein kongenialer Finanzvorstand Holger Härter rund 40 Prozent der VW-Stimmrechte mit Optionsgeschäften quasi zum Nulltarif eingesammelt. Doch dann sollte es die VW-Mehrheit sein, man kündigte sogar den Sprung über die 75-Prozent-Marke an, und dafür brauchte es Schulden. Sollte das VW-Gesetz fallen, würde das einen Beherrschungsvertrag und den Zugriff auf die Wolfsburger Kasse möglich machen. So wollte das Familienunternehmen die Kredite bedienen.

Jetzt hat Porsche Schulden von knapp 10 Milliarden Euro, und alles ist schiefgegangen: Das VW-Gesetz hat ein unerwartet langes Leben, 75 Prozent der VW-Stimmen reichen nicht für den Beherrschungsvertrag. Mit den Sportwagen ist derzeit nichts zu verdienen, und das einst so kreditwillige Bankenkonsortium ist faktisch zerbrochen. Konsortialführer Merrill Lynch gehört nach einem Notverkauf zur Bank of America und hat andere Sorgen. Bei den deutschen Partnern sieht es nicht besser aus, mit ihnen streite Porsche um die Frage, wie die VW-Beteiligung als Sicherheit eigentlich zu bewerten sei, sagt ein Insider. Nebenbei haben die Stuttgarter bei den Banken keine Freunde mehr, seit sie dort billig Milliarden liehen, um sie zu höherem Zins selbst wieder anzulegen - so lässt man sich in Frankfurt nicht gern vorführen.

Zwar gelang es vor einigen Wochen, die Kredite noch einmal zu verlängern, aber rund 3 Milliarden Euro sollen schon im Sommer wieder fällig sein. Welche Rolle noch Optionsgeschäfte spielen, ist von außen überhaupt nicht einzuschätzen. Bei Porsche plant man nun eine Kapitalerhöhung, mit der die Schulden ungefähr halbiert werden sollen. Dabei wird nach HAZ-Informationen auch mit arabischen Fonds über deren Einstieg gesprochen. Selbst wenn frisches Geld da ist, will man zusätzlich die „Zusammenarbeit mit VW vertiefen“. Porsche braucht Technologieaustausch und Lastenteilung bei Investitionen. Ohne Beherrschungsvertrag lässt sich das in Wolfsburg aber nicht erzwingen, also sucht man die Verbindung einvernehmlich unter dem VW-Dach. Über die genaue Konstruktion wird noch gestritten.

Ob sie noch einen Platz für Wendelin Wiedeking bieten wird, ist unsicher. Bisher hatte er den Rückhalt von Wolfgang Porsche, doch dessen Cousin Piëch akzeptiert ihn nicht als Chef eines Weltkonzerns. Der „Alte“, wie sie ihn in Wolfsburg nennen, will VW-Chef Martin Winterkorn an der Spitze. Dass sich Wiedeking als Porsche-Markenchef eine Stufe tiefer einordnen würde, kann sich niemand vorstellen.