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Deutschland / Weltweit Probesitzen im ID.3: So sieht die VW-Zukunft von Innen aus
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Probesitzen im ID.3: So sieht die VW-Zukunft von Innen aus
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14:41 10.09.2019
Das aufgeräumte Cockpit des ID.3: VW nennt das Interieurkonzept „Open Space“. Quelle: Volkswagen
Wolfsburg

Volkswagen steht mit dem Umbau zu einer Marke für batterieelektrische Autos vor der größten Herausforderung in seiner Geschichte. Experten halten es für riskant, dass sich der größte Automobilhersteller der Welt mit seiner Kernmarke auf dieses Thema fokussiert. Den Einstieg in die neue Welt markiert der ID.3 – als erstes reines Elektroauto aus Wolfsburger Produktion.

Selbst das Logo wurde vom Designerteam um Klaus Bischoff umgestylt und wird demnächst auch auf dem Werksgelände ausgetauscht. Der ID.3 fährt in der Golfklasse, soll in der Basisversion unter 30.000 Euro kosten und ist zum Erfolg verpflichtet. Nachdem der Innenraum mit seinem Instrumentarium monatelang ein großes Geheimnis war, konnten wir ihn schon vor der Weltpremiere auf der IAA in Augenschein nehmen und kennenlernen.

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Top oder Flop – das ist für Volkswagen fast schon eine Schicksalsfrage. Spätestens von Mitte kommenden Jahres an, wenn der ID.3 auf den Markt kommt. Die Marketingstrategen von VW haben in den vergangenen Wochen und Monaten jede Gelegenheit genutzt, um das Interesse an dem neuen VW hochzuhalten. Kompakt wie ein Golf, aber im Innenraum groß wie ein Passat, ein echter Volkswagen unter den Elektroautos oder: Wir machen die Elektromobilität für jedermann erschwinglich – so oder so ähnlich lauteten die Botschaften, die man in der Öffentlichkeit lancierte.

Wirklich ein Raumwunder?

Kein Wunder also, dass die Neugier groß ist: Wie fühlt er sich an, der ID.3? Ist er dank der neuen Elektroarchitektur tatsächlich das angekündigte Raumwunder? Was gibt es noch für Zukunftstechnologien in dem Fahrzeug?

Der erste Eindruck: Etwas ernüchternd. Okay, es gibt mehr Platz als in einem Golf, aber ganz gewiss nicht so viel Platz wie in einem Passat – im Fond wird es für hochgewachsene Passagiere auch im ID.3 eng.

Der zweite Eindruck: Ganz viel Kunststoff. Auf die üblichen Applikationen, die einen Innenraum optisch aufwerten können, wie beispielsweise Chromumrandungen, hat man verzichtet. Ein bisschen Klavierlackoptik, ein bisschen Kunstleder – das muss reichen.

Der dritte Eindruck: Die Instrumententräger um den Fahrerplatz herum wurden konsequent auf „Future“ gestylt. Klassische Anzeigen gibt es nicht mehr, Schalter und Knöpfe fehlen ebenfalls. VW nennt das Interieurkonzept „Open Space“ und bezeichnet es als „revolutionär“. Alle wichtigen Fahrinformationen kommen digital aus einem Satelliten, der auf der Lenkradsäule thront.

Der ID.3 soll der E-Mobilität bei VW zum Durchbruch helfen. Die Konzernbosse sehen den ID.3 in einer Linie mit dem Golf und dem Käfer. Doch was macht der neue Stromer von Innen her?

Von diesem Satelliten zweigt ein weiterer kleiner Satellit ab, der sich rechts oben hinter dem Lenkrad befindet: Über ihn bedient der Fahrer das einfache Getriebe: Parken, Rückwärts, zweimal Vorwärts: einmal mit Segelfunktion, einmal zum Rekuperieren. Selbst der Nichtfachmann dürfte erkennen, dass die Anordnung ergonomisch nicht ideal ist.

Schwäche: Nur eine Rekuperationsstufe

Apropos rekuperieren: Es bleibt ein Geheimnis der Entwickler, warum es nur eine Rekuperationsstufe gibt. Hier wird die Energie, die beim Bremsen entsteht, in die Batterie geladen, was der Reichweite zugutekommt. Jedes klassische Abbremsmanöver beginnt mit leichtem Anbremsen, bei dem dann der Bremsdruck langsam bis zum Stillstand erhöht wird.

Über verschieden starke Rekuperationsstufen lässt sich dieser Vorgang bei Elektroautos nahezu perfekt nachstellen, ohne dass man die Bremse tatsächlich treten muss. Zwar verfügt der ID.3 tatsächlich doch über mehrere Rekuperationsstufen, doch sind die jeweils an ein bestimmtes Fahrprogramm gekoppelt und müssen über das Menü auf dem zentralen Touchscreen jedes Mal aufs Neue angewählt werden. Das ist nicht nur unpraktisch, sondern auch umständlich.

Die wichtigsten Fakten zu Elektroautos

Großen Wert hat man dagegen auf eine exakte Zielführung für den Fahrer gelegt. In der Optionsliste gibt es dafür ein hochwertiges Head-up-Display, das seine Informationen auf die Frontscheibe spiegelt und den Fahrer mit Augmented-Reality-Informationen unterstützt, indem es beispielsweise Pfeile zum richtigen Abbiegen vor dem Fahrzeug auf die Straße wirft.

Reichlich Stauraum – für die „Prada-Tasche“

Auch Stauraum für die Passagiere ist reichlich vorhanden. Dort wo früher der Mitteltunnel die Sitze trennte, befinden sich im ID.3 diverse Ablagefächer, unter anderem ein größeres für eine Damenhandtasche. Das ist zwar nicht wirklich groß, aber „eine Prada-Handtasche passt da rein. Das haben wir ausprobiert“, versichert Florian Urbitsch, Leiter der Produktkommunikation in Wolfsburg.

Technisch ist der ID.3 auf der Höhe der Zeit: Je nach Batteriegröße sind Reichweiten zwischen 330 und 550 Kilometern nach WLTP möglich. Bei 100 kW Ladeleistung lassen sich laut Hersteller innerhalb von 30 Minuten 260 Kilometer Reichweite (WLTP) nachladen.

Sportlicher Antritt

150 PS beziehungsweise 204 PS garantieren zudem einen sportlichen Antritt. Die zentrale Recheneinheit des Fahrzeugs ermöglicht Softwareupdates und -upgrades „Over-the-Air“. Und zahlreiche Assistenzsysteme sollen für die größtmögliche Insassensicherheit sorgen.

Noch bevor das erste Fahrzeug auf seinen 18- bis 20-Zöllern zu den Händlern gerollt ist, stellt VW den ID.3 in eine Reihe mit den eigenen Automobilikonen Käfer und Golf. Was etwas merkwürdig anmutet, denn 2020 kommen eine Reihe interessanter E-Autos auf den Markt. Da muss der ID.3 erst einmal beweisen, dass er tatsächlich zum Volkswagen wird.

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Von Gerd Piper/RND

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