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Deutschland / Weltweit Riesenandrang auf der Agritechnica
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Riesenandrang auf der Agritechnica
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21:08 16.11.2011
Von Carola Böse-Fischer
Feldhäcksler mit Maisgebiss der Firma Krone: Immer mehr Landwirte aus Osteuropa sind an deutscher Erntetechnik interessiert. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Schon 185.000 Landwirte, Investoren und Fachleute aus der Agrarbranche haben nach zwei Exklusivtagen und den ersten beiden großen Besuchertagen die weltgrößte Messe für die Landtechnik besucht, wie die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) am Mittwoch berichtete. Das waren rund 20.000 mehr Gäste als bei der vorigen Agritechnica. 2009 hatte die Agrarschau einen Rekord von 355.000 Besuchern erzielt. Die neue Höchstmarke von 400.000 Gästen wird nach dem „furiosen Auftakt“ nicht mehr ausgeschlossen.

Dafür sorgen immer mehr Landwirte, die aus dem Ausland anreisen. Ein großer Teil des Besucherzuwachses resultiert nach Angaben der DLG, die den internationalen Branchentreff veranstaltet, daraus. Eine Besucherumfrage zeige, dass fast jeder vierte Besucher aus dem Ausland komme. Vor zwei Jahren waren es nur 20 Prozent. Auffallend stark ist der Zuspruch von Landwirten und Fachleuten aus den osteuropäischen Ländern, insbesondere aus Russland und der Ukraine, wie die DLG erklärte. Gerade in diesen beiden Ländern mit ihren riesigen Agrarflächen sieht die Landtechnikbranche noch einen enormen Nachholbedarf an leistungsfähigen Maschinen.

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Angesichts des anhaltenden Besucherandrangs könnte die Stimmung in den Hallen auf dem Messegelände, die erstmals allesamt komplett belegt sind, nicht besser sein. Viele Stände sind so dicht umlagert, dass ein Durchkommen beinahe unmöglich ist. Zufriedene, wenn auch gestresste Gesichter gibt es fast überall. Manche Aussteller geraten sogar ins Schwärmen, wenn man sie nach dem bisherigen Verlauf der Messe fragt.

Etwa der niedersächsische Aussteller Dammann in Halle 15, ein Familienunternehmen aus Buxtehude, das auf die Herstellung von Pflanzenschutzspritzen und Düngerstreuern spezialisiert ist und sich in diesem Segment als Premiumhersteller für Profilandwirte sieht. Ein Modell sei gerade von den Fachjournalisten auf der Messe als „Maschine des Jahres“ ausgezeichnet worden, berichtete Marketingchef Rolf Schmietow.

Geschäfte werden auf der Agritechnica in der Regel nicht unter Dach und Fach gebracht. Trotzdem ist Schmietow bester Laune. Draußen redeten alle von Euro-Krise und drohender Rezession. Hier merke man nichts davon. „Es läuft super für uns.“ Viele Kunden kämen mit gezielten Kaufabsichten und suchten zunächst das Beratungsgespräch.

Und das sei nötig, weil die Maschinen immer komplexer würden. Vor allem an elektronischen Systemen seien die Kunden interessiert, weil damit Kosten gespart und die Effizienz im Ackerbau verbessert werde, sagte der Marketingchef. Geschäfte würden später mit der Unterschrift perfekt gemacht. Deshalb erwartet Dammann ein gutes Nachmessegeschäft, das in die Auftragsbücher für das kommende Jahr einfließt.

Darauf baut auch die Grimme Landmaschinenfabrik aus Damme in Halle 2, die mit ihren feuerroten Kartoffelrodern Weltmarktführer ist. Mit der Zahl und vor allem der Qualität der Besucher sei man sehr zufrieden, erklärte Grimme-Manager Michael Wolking. Viele Aufträge seien bereits angebahnt worden. Deshalb ist das Familienunternehmen mit 1900 Mitarbeitern optimistisch, dass auch 2012 wieder ein „gutes Jahr“ wird. 2011 fährt Grimme Wolking mit seinen Kartoffel- und Rübenrodern einen Umsatz von 280 bis 290 Millionen Euro ein. Vier Fünftel der Erlöse erzielt der Mittelständler mit dem Export in über 100 Länder.

Umlagert ist der Stand der Amazonen-Werke aus Hasbergen-Gaste gleich nebenan in Halle 14. Der Hersteller von Düngerstreuern, Feldspritzen und Maschinen für die Bodenbearbeitung und Saat verzeichnet vor allem einen starken Andrang von Besuchern aus Osteuropa. Nach dem bisherigen Verlauf sei man sehr optimistisch, sagte Marketingchef Dirk Brömstrup.

Bester Stimmung ist man auch beim Landtechnikhersteller Krone aus dem Spelle in Halle 27. Die Messe läuft hervorragend, wie Marketingchef Heinrich Wingels sagte. Auch Krone, Hersteller von Maschinen vor allem für die Grünfutterernte, registriert eine starke Zunahme von Besuchern aus Russland und der Ukraine. „Das freut uns besonders, weil wir ihnen hier mal zeigen können, wer wir wirklich sind“, so Wingels. Aber auch Lohnunternehmen und Milchbauern aus Deutschland trügen sich mit Investitionsplänen.

Kein Wunder, dass die Auftragseingänge im laufenden Geschäftsjahr 2011/12, das am 1. August begonnen hat, bislang sogar zweistellig wachsen. 2010/11 hat das Familienunternehmen nach Angaben von Wingels mit der Landtechnik über 520 Millionen Euro Umsatz erzielt, Zusammen mit dem „massiv“ verbesserten Fahrzeuggeschäft komme Krone auf Erlöse von rund 1,3 Milliarden Euro.