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Deutschland / Weltweit Saatgut-Konzern stoppt Genversuche
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Saatgut-Konzern stoppt Genversuche
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12:58 02.03.2012
Nach Protesten und Angriffen verzichtet KWS auf weitere Genversuche in Deutschland. Quelle: dpa (Archivfoto)
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Hannover

Nein, eine Kapitulation vor den Gentechnik-Gegnern sei das nicht, stellt ein KWS-Sprecher klar. Der Saatguthersteller hatte zu Beginn der Woche angekündigt, dass man „bis auf Weiteres keine Freilandversuche mehr in Deutschland“ machen werde. Gleichzeitig baut der Konzern aber seine Forschungsaktivitäten am Stammsitz Einbeck aus – und zeigt damit, dass er weiter auf die grüne Gentechnik setzt.

In Einbeck werde weiterhin im Labor und im Gewächshaus an der Entwicklung gentechnisch veränderter Pflanzen gearbeitet, sagt der Konzernsprecher. Der Praxistest finde dann eben dort statt, wo die Märkte für gentechnisch veränderte Zuckerrüben oder Mais seien, etwa in den USA. In Deutschland gebe es derzeit keinen Markt dafür.

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Im laufenden Geschäftsjahr, das bis Ende Juni läuft, will KWS nach eigenen Angaben die Zahl seiner Beschäftigten weltweit aufstocken, in Deutschland um etwa 6 Prozent. Der Zuwachs betreffe „schwerpunktmäßig die Forschung“. Derzeit werden laut KWS im Biotechnikum in Einbeck für 2 Millionen Euro neue Laborkapazitäten mit Platz für 26 neue Mitarbeiter geschaffen. Von den rund 3800 Beschäftigten in der KWS-Gruppe arbeitet mehr als ein Drittel in der Forschung. Rund 15 Prozent des Umsatzes, der 2011/12 von 855 auf 940 Millionen Euro zulegen soll, würden dafür jährlich aufgewendet.

Mit der Stärkung seiner Forschung in Deutschland geht KWS einen anderen Weg als zuletzt BASF. Der weltgrößte Chemiekonzern hat seine Gentechnik-Aktivitäten in die USA verlagert und 140 Arbeitsplätze hierzulande gestrichen, weil die Akzeptanz fehle. Der Konzern hatte allerdings – anders als KWS – etwa mit seiner Genkartoffel Amflora Produkte speziell für Europa entwickelt. Sie schafften den Durchbruch nicht. Auch KWS beklagt die Ablehnung der Gentechnik hierzulande. Es gebe „kein forschungsfreundliches Klima“, sagt der Konzernsprecher und verweist auf Proteste gegen die bisherigen Freilandversuche mit der Genrübe. Sogar „Angriffe auf Mitarbeiter“ habe es gegeben.

Dass der Saatgutproduzent trotzdem noch jüngst einen Antrag für neue Feldversuche mit seiner Genrübe in Northeim und Üplingen bei Magdeburg gestellt hat, sei „rein vorsorglich“ gewesen. Für den Fall, dass die bislang mit den Freisetzungen gewonnenen Daten nicht für eine Bewertung etwa durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ausreichten, könne KWS dann umgehend neue Versuche starten. Gegen den Antrag gibt es allerdings juristische Einsprüche von Umwelt-, Verbraucher- und Anbauverbänden, über die erst noch entschieden werden muss. Die Genehmigung braucht KWS auch für seinen Demonstrationsgarten in Üplingen. Dies ist das einzige Freiland-Projekt, das KWS mit gentechnisch veränderten Pflanzen in Deutschland noch weiter betreiben will.

Künftig wird es aber nicht mehr die Genrübe sein, die dem Konzern Wachstum bringen soll. In den USA, wo sie einen Anteil von 95 Prozent an der Rübenanbaufläche erreicht hat, sei der Absatz kaum noch zu steigern, erklärte der Sprecher. Und in Europa seien Genpflanzen auf absehbare Zeit nicht erwünscht. Deshalb setzt KWS auf gentechnisch veränderten Mais, für den er neben Nordamerika gute Absatzchancen in Südamerika sieht. Zurzeit entfallen nach KWS-Angaben 28,5 Prozent der Konzernerlöse auf das Geschäft mit der Gensaat – „Tendenz weiter steigend“.

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