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Deutschland / Weltweit Abercrombie & Fitch macht Schluss mit oben ohne
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Abercrombie & Fitch macht Schluss mit oben ohne
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00:24 30.04.2015
Von Jens Heitmann
Der Waschbrettbauch kommt aus der Mode, so direkt soll er künftig nicht mehr gezeigt werden.
Der Waschbrettbauch kommt aus der Mode, so direkt soll er künftig nicht mehr gezeigt werden. Quelle: Rolf Vennenbernd
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Hannover

Man werde künftig auf „sexualisiertes Marketing“ verzichten, teilte das Unternehmen mit. Abercrombie & Fitch stelle fortan nicht mehr die eigenen Models in den Mittelpunkt, sondern den Kunden. Das gelte auch für die Tochter Hollister.

Die Abkehr von der Freizügigkeit kommt nicht ganz freiwillig. Die Marke ist in der Gunst der Jugendlichen und jungen Leute zuletzt deutlich gesunken. Die Kleidung von Konkurrenten wie H&M und Zara gilt als modischer und besser kombinierbar - außerdem kostet sie weniger. Abercrombie & Fitch, 1892 gegründet, war bei Schülern und Studenten in den USA lange angesagt. Man richte sich an Käufer, die „cool“, „attraktiv“ und „gut drauf“ seien, hatte Konzernchef Mike Jeffries einst erklärt. Dass es leider viele Leute gebe, die nicht zu diesem illustren Kreis gehörten, nehme der Konzern in Kauf.

Zuletzt verlor dieser schnöselige Ansatz jedoch an Zugkraft. Die Umsätze fallen, allein im jüngsten Quartalsbericht musste die Marke ein Minus von 14 Prozent verkünden. Jeffries selbst hatte nach 22-jähriger Herrschaft bereits im Dezember das Weite gesucht, einen Nachfolger gibt es bis heute nicht. Als aussichtsreicher Kandidat wird Markenchef Christos Angelides gehandelt - also der Mann, der jetzt die Models aus den Läden verbannt.

Statt verordneter Bauchfreiheit will es Abercrombie & Fitch nun mit individuellen Freiräumen versuchen. Die Verkäufer - pardon: „Markenvertreter“ - sollen sich kleiden dürfen, wie sie mögen, und auch bei der Wahl der Frisur redet der Konzern nicht mehr rein. Das Aus für die „Look policy“ bedeute auch, dass Bewerber nicht länger nach ihrem Körperbau ausgesucht würden, heißt es. Selbst Nasenring und Eyeliner sollen kein Ausschlusskriterium mehr sein.

Die Abkehr von den Models ist bereits der zweite Kurswechsel, den sich der Konzern verordnet: Auf dem amerikanischen Heimatmarkt hatte die Marke die Zahl der Logos deutlich reduziert. Kapuzenpullover und T-Shirts mit den Aufdrucken „Abercrombie“ und „A&F“ sind aus den Läden weitgehend verschwunden. Nun folgen die Halbnackten.

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