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Deutschland / Weltweit Höhere Preise – weniger Trinkgeld
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Höhere Preise – weniger Trinkgeld
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11:19 02.10.2014
Von Jens Heitmann
„Wir hätten uns heruntergewirtschaftet“: Haarschnitte zum Spottpreis sind passé. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Stundenlöhne von weniger als 5 Euro, absurde Umsatzvorgaben, unbezahlte Überstunden und Haarschnitte zum Spottpreis – wer bis vor einem Jahr Argumente für den Mindestlohn sammeln wollte, landete schnell bei den Friseuren. Auch das Handwerk selbst wollte aus der Abwärtsspirale aussteigen. „Wir hätten uns heruntergewirtschaftet“, sagte seinerzeit der Vorsitzende vom Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks, Rainer Röhr. Seit August 2013 gibt es nun die von vielen geforderte Untergrenze bei der Bezahlung – und kostet die Friseure Trinkgeld.

Diese Erfahrung haben zumindest die Mitarbeiter der Frisör-Klier-Gruppe in Ostdeutschland gemacht. In einer Umfrage unter 230 Beschäftigten des Wolfsburger Unternehmens erklärte rund die Hälfte, dass sich ihre Kunden seit der Einführung des Mindestlohns zugeknöpfter zeigten als vorher. Sie werten das als Versuch, einen Teil der Preiserhöhungen zu kompensieren. Ein Teil der Kunden zögere Besuche hinaus und lasse die Haare länger wachsen.

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Umsatz ist gestiegen

Im August 2013 hatten sich die Gewerkschaft ver.di und die Innungen auf einen Mindestlohn von 6,50 Euro im Osten und 7,50 Euro im Westen geeinigt. Seit zwei Monaten werden auch zwischen Rügen und Dresden 7,50 Euro gezahlt; im August 2015 wird die Untergrenze bundesweit auf 8,50 Euro steigen.

Einer Branchenanalyse des Ifo-Instituts zufolge haben die Preise bei den Friseuren seit Mitte 2013 deutlich angezogen. Abgesehen vom Trinkgeld hätten die Kunden das aber akzeptiert, meinen die Klier-Mitarbeiter. Rund jeder vierte wolle aber wissen, ob die einzelnen Friseure nun auch wirklich mehr Geld in der Tasche hätten. Sobald die Mitarbeiter das bejahten, sei das Thema vom Tisch, heißt es. Eine Bestätigung dafür findet Unternehmensleitung auch in der Bilanz: In den ersten acht Monaten 2014 sei der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im gleichen Maß gestiegen wie auch die Personalkosten – nämlich um 5 Prozent.

Ob die höheren Preise auch die Schwarzarbeit befördern, ist umstritten. Bis zu 2 Milliarden Euro Umsatz sollen nach Schätzungen am Fiskus vorbei gehen – diese Zahl kursierte allerdings auch schon vor der Einführung des Mindestlohns.