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Deutschland / Weltweit Solarboom in Deutschland 
kostet Stromkunden viel Geld
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Solarboom in Deutschland 
kostet Stromkunden viel Geld
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22:41 24.08.2009
Der Solarboom in Deutschland 
kostet den Stromkunden viel Geld.
Der Solarboom in Deutschland 
kostet den Stromkunden viel Geld. Quelle: ddp
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Wer mit Photovoltaik Strom über den privaten Bedarf hinaus erzeugt, kann ihn ins Netz einspeisen – zu gesetzlich festgelegten Preisen. Derzeit garantiert das Erneuerbare-Energien-Gesetz Preise von bis zu 43 Cent pro Kilowattstunde. Dies ist wesentlich mehr als der übliche Strompreis.

Laut „Financial Times Deutschland“ führte die Regelung dazu, dass allein im Jahr 2008 auf deutschen Dächern und Äckern Photovoltaikanlagen mit 1500 Megawatt Leistung installiert wurden. In diesem Jahr dürften noch einmal bis zu 3000 Megawatt hinzukommen. Der Bundesverband Solarwirtschaft habe im Mai 2008 noch einen Zuwachs von nur 700 Megawatt vorhergesagt. Die auf alle Stromkunden umgelegte Zusatzvergütung könne sich nach Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung auf bis zu elf Milliarden Euro addieren.

Inzwischen schlagen auch Verbraucherschützer Alarm. „Nach der Bundestagswahl sollte die neue Regierung das EEG ändern“, erklärt der Energieexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel: „Mit einer 30-prozentigen Senkung der Vergütungen ist die Solarindustrie noch gut bedient.“

Für die Energiekonzerne ist die Photovoltaik ein Ärgernis: Bei Sonne liefern die Anlagen Strom, der vielleicht gerade nicht gebraucht wird, aber zu Garantiepreisen abgenommen werden muss. Für Zeiten starker Bewölkung müssen die Konzerne Ersatzkapazitäten vorhalten. Vor allem die FDP dringt jetzt auf Korrekturen. Ihr Wirtschaftsexperte Rainer Brüderle sagte dieser Zeitung, zwar sei die Förderung erneuerbarer Energien grundsätzlich richtig. Jedoch dürfe sich keine Abkassiermentalität ausbreiten. „Es hat keinen Sinn, dass in Deutschland mit hohen Kosten an schlechten Sonnenstandorten chinesische Solarzellen installiert werden“, sagte Brüderle. Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) warnte vor „Subventionen, die abgeschöpft werden“.

Dagegen verwahrte sich Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) gegen eine schnelle Senkung der EEG-Vergütung. „Dann würden die deutschen Hersteller ihre Produktionsstandorte ins Ausland mit geringeren Löhnen und Produktionskosten verlagern“, warnte Gabriel. „Angesichts der Wirtschaftskrise wäre das für den Standort Deutschland das total falsche Signal.“ Deutsche Solartechnikfirmen hatten die Billigkonkurrenz aus China kritisiert.

von Margit Kautenburger und Stefan Koch