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Deutschland / Weltweit Stahlbranche ruft Kartellbehörden um Hilfe
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Stahlbranche ruft Kartellbehörden um Hilfe
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20:31 05.04.2010
Die Stahlbranche richtet sich auf drastische Kostensteigerungen ein.
Die Stahlbranche richtet sich auf drastische Kostensteigerungen ein. Quelle: dpa
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Die Stahlbranche ruft die Kartellbehörden um Hilfe: Der Generaldirektor des Weltstahlverbands, Ian Christmas, fordert, die Verhältnisse auf dem Eisenerzmarkt untersuchen. Die Wettbewerbsbehörden müssten entscheiden, ob der fehlende Wettbewerb in diesem Geschäft im öffentlichen Interesse sein könne. Faktisch beherrschen drei Minenkonzerne den Markt für den Rohstoff zur Stahlherstellung.

BHP Billiton, Rio Tinto und Vale haben bei ihren asiatischen Kunden nicht nur drastische Preiserhöhungen durchgesetzt, sondern auch eine Abkehr von der jährlichen Preisfestsetzung. In Zukunft soll einmal im Quartal verhandelt werden. BHP Billiton hat das nach eigenen Angaben bereits für mehr als die Hälfte seiner Liefermenge festgelegt.

Da vor allem in China die Nachfrage wieder stark angezogen hat, fürchtet die Branche nun Preissteigerungen im Quartalstakt. Bereits 2008 hatten die Erzpreise Rekordhöhen erreicht. Bei den Verhandlungen vor einem Jahr knickten sie zwar ein, lagen nach Angaben der Salzgitter AG aber immer noch auf dem historisch zweithöchsten Niveau.

Der Stahlkonzern versucht genauso wie die Konkurrenten ArcelorMittal und ThyssenKrupp, bei seinen Kunden Preiserhöhungen durchzusetzen. Sie dürften sich aber zumindest bei den Großen schwertun: Es liefen noch Verträge, sagte jüngst VW-Einkaufsvorstand Javier Garcia Sanz. Was sich die Lieferanten so vorstellten, habe er auch nur gelesen.

Der größte Teil des Eisenerzes wird per Schiff transportiert, und drei Konzerne machen nach Angaben des Stahlverbandes knapp 80 Prozent dieses Geschäfts unter sich aus. Dabei habe der brasilianische Vale-Konzern praktisch das Monopol auf der Atlantik-Route, während Rio Tinto und BHP Billiton die Pazifik-Region beherrschten. Das Trio versuche seine kurzfristigen Profite zu maximieren und werde damit langfristig allen Beteiligten schaden, kritisiert Christmas.

Der Betriebsrat von ThyssenKrupp Steel Europe fordert ein Vorgehen gegen Rohstoffkartelle. Spekulation am Spotmarkt, der bei Eisenerz nur kleine Mengen umfasst und entsprechend stark schwankt, müsse verboten werde. „Es besteht die Gefahr, dass in Deutschland 30 000 und in ganz Europa Hunderttausende Arbeitsplätze verloren gehen“, sagte Gesamtbetriebsratschef Wilhelm Segerath in Duisburg. Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso müssten handeln. „Wenn das Oligopol der Eisenerzproduzenten seine drastisch überzogenen Forderungen von mehr als 100 Prozent durchsetzen kann, dann droht dem Konjunkturaufschwung ein Rückschlag“, sagte Segerath.

Stefan Winter (mit: dpa)