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Deutschland / Weltweit Stahlkocher in Salzgitter planen erste Warnstreiks
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Stahlkocher in Salzgitter planen erste Warnstreiks
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08:46 21.09.2010
Für die 85 000 Beschäftigten – darunter gut 10 000 in Niedersachsen – verlangt die IG Metall ein Lohnplus von 6 Prozent bei einer kurzen Laufzeit von einem Jahr.
Für die 85 000 Beschäftigten – darunter gut 10 000 in Niedersachsen – verlangt die IG Metall ein Lohnplus von 6 Prozent bei einer kurzen Laufzeit von einem Jahr. Quelle: dpa
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Im Tarifstreit der deutschen Stahlindustrie schaltet die IG Metall einen Gang höher. Nachdem die Arbeitgeberseite auch in der zweiten Gesprächsrunde kein Angebot vorgelegt hat, sollen erste Warnstreiks den Druck erhöhen. An vorderster Front stehen dabei die Stahlkocher in Salzgitter, die am Mittwoch mit ersten Aktionen noch vor der Frühschicht beginnen. Als Hauptredner am Tor 6 tritt Verhandlungsführer Oliver Burkhard auf, gleichzeitig IG-Metall-Bezirksleiter in Nordrhein-Westfalen. Weit mehr als 1000 Demonstranten werden erwartet.

Die Gewerkschaft moniert ein „höchst ungewöhnliches Verhalten“ der Arbeitgeberseite. Ein Angebot in der zweiten Verhandlungsrunde sei Usus, in der Krise sei man nach dem zweiten Termin sogar bereits einig geworden. Deshalb habe sich die Tarifkommission dazu entschlossen, frühzeitig den Druck zu erhöhen. „Wir sind konfliktfähig und konfliktwillig“, umschrieb es Burkhard.

Die ersten Tarifverhandlungen einer Industriebranche nach der Krise wollten die Gewerkschafter zu einem schnellen Ende führen, hatten sich aber gleichzeitig bei den Forderungen nicht zurückgehalten. Für die 85 000 Beschäftigten – darunter gut 10 000 in Niedersachsen – verlangt die IG Metall ein Lohnplus von 6 Prozent bei einer kurzen Laufzeit von einem Jahr. Gleichzeitig soll tariflich festgeschrieben werden, dass die Leiharbeiter in der Branche das gleiche Geld bekommen wie ihre Kollegen. Zudem sollen die älteren Beschäftigten – etwa durch zusätzliche Freischichten – entlastet werden.

Der Branche geht es inzwischen deutlich besser. Bis einschließlich August stieg die Rohstahlproduktion um 52,3 Prozent. Gleichzeitig leidet die Branche unter einem großen Preisdruck bei Rohstoffen und Energie. Die Unternehmensseite sieht beide Seiten „vor äußerst schwierigen Verhandlungen“. Vor allem das Thema Leiharbeit scheint für den Arbeitgeberverband Stahl eine Kröte zu sein, die man ungern schlucken möchte. Die IG Metall hat sich die Gleichbehandlung von Leiharbeitern auf die Fahnen geschrieben und will dies mittelfristig auch in anderen Branchen durchsetzen.

Lars Ruzic