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Deutschland / Weltweit Salzgitter streicht auch am Konzernsitz
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Salzgitter streicht auch am Konzernsitz
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09:13 27.09.2013
Von Lars Ruzic
„Der eigentliche Weg muss jetzt gegangen werden“: In Salzgitter – hier in der Coil-Verladung – werden die größten Töchter fusioniert. Quelle: dpa
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Salzgitter

Dazu gehört auch eine Fusion der größten Konzerngesellschaften am Stammsitz – der Flachstahltochter und der Salzgitter Service und Technik. Damit einhergehen soll nach Plänen des Managements offenbar der Abbau Hunderter der insgesamt gut 6500 Stellen in der Konzernzentrale.

Das Management habe für den Standort Salzgitter ein Abbaupotenzial identifiziert, das über den 300 Stellen liege, die im Elektrostahlwerk Peine wegfallen werden, sagte Konzernbetriebsratschef Hasan Cakir gestern im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung. Allerdings handele es sich hierbei um keine Zielzahl – wie viele Arbeitsplätze nach der Verschlankung übrig seien, könne erst am Ende des Prozesses gesagt werden und werde dann Gegenstand weiterer Verhandlungen sein, so Cakir.

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Mit dem Zukunftsvertrag, dem der Aufsichtsrat gestern ebenfalls zustimmte, haben Konzern und IG Metall einen Instrumentenkatalog definiert, über den der Personalabbau in den kommenden Monaten sozialverträglich organisiert werden soll. Er sieht im Wesentlichen Angebote zur Altersteilszeit und für Aufhebungsverträge vor. Der Konzern will Beschäftigten den Abschluss dieser freiwilligen Vereinbarungen unter anderem durch eine Art Turbozuschlag schmackhaft machen – 10 000 Euro pro Kopf bis zum Jahresende. Wer einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet, bekommt zudem pro Jahr der Betriebszugehörigkeit 0,6 Bruttomonatslöhne ausbezahlt.

Mit dem Zukunftsvertrag habe man nur die Wegweiser für die Restrukturierung aufgestellt, sagte IG-Metall-Vorstand Hans-Jürgen Urban, gleichzeitig stellvertretender Aufsichtsratschef bei Salzgitter. „Der eigentliche Weg muss jetzt gegangen werden.“ Will heißen: Mit der Umstrukturierung und Zusammenführung von Tochtergesellschaften wird sich entscheiden, wo und wie viel der Konzern einsparen kann. Die von Salzgitter einst ausgegebene Zahl von 1500 Stellen, die im Konzern gestrichen werden sollen, basiere allein auf der Umrechnung von Kosten in Personalzahlen.  Früheren Angaben zufolge will der Stahlkocher mit dem Programm „Salzgitter 2015“ das Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern.

Große Bedeutung fällt dabei dem Standort Peine zu, bei dem sich beide Seiten bereits über konkrete Abbauzahlen geeinigt hatten. Da die „Peiner Träger“ in der europäischen Bauindustrie eingesetzt werden, die vor allem im Süden des Kontinents am Boden liegt, wird die Kapazität am Standort auf eine Millionen Tonnen im Jahr halbiert, 300 der 1100 Stellen fallen weg. Auch hier gelten die Angebote des Zukunftsvertrages. Hinzu kommt eine Transfergesellschaft. Auf der Arbeitnehmerseite gibt es die Hoffnung, dass dort am Ende weniger als 100 Menschen aufgenommen werden müssen.

Urban wies darauf hin, dass den Salzgitter-Betrieben auch das Instrument der Arbeitszeitverkürzung an die Hand gegeben wurde – ähnlich wie sie gerade ThyssenKrupp für seine Stahlkocher vereinbart hat, die über Jahre nur 31 Stunden arbeiten und auf Lohn verzichten werden. Dies solle im Salzgitter-Konzern vor allem dort geprüft werden, wo die Nöte konjunkturell bedingt seien. Ohnehin werde der Konzern mit Jobabbau allein nicht aus den Verlusten kommen. Die Personalkosten machen bei Salzgitter weniger als 10 Prozent des Umsatzes aus.

Ein Konzern – viele Töchter

Vieles ist historisch gewachsen, einiges durch Übernahmen hinzugekommen und so manches durch eine verordnete Dezentralisierung künstlich geschaffen worden: Heute zählt Salzgitter 200 – teils exotische – Töchter. Beispiele:

  • Service und Technik (SZST): Das Unternehmen, das jetzt mit dem Flachstahlbereich fusioniert, ist eine Art interner Dienstleister auf dem Hüttengelände. 1600 Mitarbeiter kümmern sich um Instandhaltung, Steuerung und Demontage von Anlagen.
  • Telcat: Der konzerneigene IT-Dienst zählt sich mit 500 Mitarbeitern und mehr als 15 000 Kunden zu den größten Systemhäusern Deutschlands,.
  • VPS: Die hauseigenen Verkehrsbetriebe mit ihren 770 Beschäftigten gehören zu den größten Bahnunternehmen bundesweit und befördern jährlich 46 Millionen Tonnen Material.
  • Hansaport: Ein bisschen Salzgitter im Hamburger Hafen. Die Tochter mit ihrem 760 Meter langen Kai ist Spezialist für Eisenerz und Kohle.

 lr

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