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Deutschland / Weltweit Tarifstreit im Einzelhandel ist verfahren
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Tarifstreit im Einzelhandel ist verfahren
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20:57 21.09.2013
Die regional geführten Tarifverhandlungen im Einzelhandel gelten als festgefahren. Quelle: dpa
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Stuttgart

Die regional geführten Tarifverhandlungen im Einzelhandel gelten als festgefahren. Verdi fordert 6,5 Prozent mehr Geld. Änderungen im Manteltarif und die Einführung neuer Lohngruppen lehnt die Gewerkschaft ab. Die Arbeitgeber wollen Gehaltsstrukturen und Arbeitszeiten überarbeiten. Die Abschlüsse werden häufig in den großen Bezirken Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gefunden. Nach der Sommerpause werden die Verhandlungen im Südwesten am kommenden Donnerstag fortgeführt. Die Tarifparteien treffen sich in Asperg (Kreis Ludwigsburg). Worum es geht.

Warum ist die Situation so verfahren?
Die Arbeitgeber haben den Manteltarifvertrag gekündigt, weil sie die Gehaltsstrukturen und Arbeitszeiten komplett überarbeiten und Zuschläge für die Arbeit nach 20.00 Uhr kürzen wollen. Das Argument: Eine Reihe von Regelungen wurden seit Jahrzehnten nicht angefasst, in einigen Verträgen gibt es noch Berufsbezeichnungen wie Kaltmamsell, Telefonistin, Annonceuse. 

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Warum streicht man diese unbrauchbaren Passagen nicht einfach?
Die Arbeitnehmer stellen sich auf den Standpunkt, dass es sich bei der Tarifrunde in diesem Jahr um eine Gehaltsrunde handelt. Über die Strukturfragen wollen sie erst im nächsten Jahr sprechen.  Warum ist die Gewerkschaft so vehement dagegen?   Die Gewerkschaften befürchten, dass sie Vorteile für die Beschäftigten aufgeben.

Wie wird zum Beispiel ein Kassierer eingestuft, der an einer Selbstbedienungskasse nur erklärt, wie sie funktioniert?
Neben den Kassierern geht es um die Regal-Auffüller, die bisher als Verkäufer oder Lagerarbeiter bezahlt werden. Die Arbeitgeber wollen für sie eine neue Tarifgruppe einrichten. 

Die Arbeitgeber haben im Juli die Löhne erhöht. Reicht das nicht?
Die freiwillige Lohnerhöhung liegt deutlich unter dem, was Verdi fordert: Eine Erhöhung von 6,5 Prozent beziehungsweise einem Euro pro Stunde. Die Arbeitgeber argumentieren, sie wollten den Mitarbeitern keine Lohnsteigerungen vorenthalten. Verdi wirft ihnen vor, die Belegschaft ruhig stellen zu wollen, damit sie nicht mehr streiken. 

Werden Kassierer und Auffüller tatsächlich schlechter gestellt?
Technisch gesehen schon: Bei den Kassierern gibt es bislang zwei Tarifgruppen; die eine stellt die Kassierer den Verkäufern gleich. Die Arbeitgeber argumentieren, dass das zum Beispiel an Supermarktkassen überbezahlt ist. Die Auffüller gibt es im Moment noch gar nicht explizit im Tarifvertrag. Teilweise werden diese Aufgaben schon über Werkverträge durch externe Dienstleister verrichtet, die weitaus weniger zahlen. Verdi befürchtet aber, dass auch Verkäufer in einer neuen Tarifgruppe landen könnten, weil viele von ihnen nebenher Regale einräumen. 

Will Verdi auch einen Mindestlohn?
Nach Meinung der Gewerkschaft wäre das unnötig, wenn die Allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrags hergestellt würde, die bis vor zehn Jahren galt. Dann müssten sich auch nicht tarifgebundene Arbeitgeber daran halten. Die Arbeitnehmer würden sich für die Auffüller auf einen Mindestlohn einlassen, allerdings sollen dann die Zulagen zum Beispiel am Abend wegfallen. 

Was passiert, wenn die Verhandlungen platzen?
Gestreikt wird ohnehin schon seit Monaten. Die Gefahr besteht aber, dass noch mehr Firmen aus dem Tarifgefüge ausscheren, wie zuletzt Karstadt. In Baden-Württemberg halten sich nach Angaben des Verbands nur noch etwa 50 Prozent der Einzelhändler an die Tarifbindung. Verdi sieht das vordergründig gelassen. Man würde in dem Fall Haustarifverträge aushandeln, heißt es.

Hat die Runde in Baden-Württemberg bundesweite Bedeutung?
In früheren Jahren war das so, obwohl es im Einzelhandel keinen bundesweiten Tarifvertrag gibt. Diesmal ist die Situation etwas anders. Zwar gleichen sich die Gehaltsforderungen. In Hamburg beispielsweise wurde aber der Manteltarifvertrag überhaupt nicht gekündigt. Darin sind bereits flexiblere Arbeitszeiten enthalten. Verdi lehnt das als Vorbild für den Südwesten allerdings ab. 

dpa

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