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Deutschland / Weltweit Die Schwärmerei ist vorbei
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00:17 01.06.2014
Von Stefan Winter
Ein sogenanntes Zuhausekraftwerk wird bei VW in Salzgitter von Mitarbeitern zum Transport vorbereitet. Das Kraftwerk ist ein Gemeinschaftsprojekt von Volkswagen und dem Ökostrom-Anbieter Lichtblick. Quelle: Holger Hollemann
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Hannover

So öffentlichkeitswirksam, wie die Kooperation von VW und Lichtblick begann, zerbricht sie jetzt: Der Energieversorger beendet die für zehn Jahre geschlossene Zusammenarbeit, wirft dem Autobauer vor, Verträge nicht einzuhalten, und fordert Schadensersatz. In Wolfsburg heißt es, der Partner habe das gemeinsame Geschäft mit Blockheizkraftwerken nicht in Gang gebracht und inszeniere sich nun als „David gegen Goliath“. Offiziell bedauern beide Seiten das Scheitern – und wollen in anderen Projekten weiter kooperieren.

Die Unternehmen hatten 2009 einen ehrgeizigen Plan verkündet: Lichtblick, nach eigenen Angaben größter Ökostrom-Anbieter in Deutschland, wollte Tausende kleine Blockheizkraftwerke vernetzen, mit neu entwickelter Software zentral steuern und so zum Beispiel Schwankungen in der Ökostrom-Produktion ausgleichen. „Schwarmstrom“ wird das Projekt genannt. Die Entwickler erhoffen sich davon große Effizienzgewinne und wollten 100 000 der „Zuhause-Kraftwerke“ mit der Gesamtleistung zweier Atomkraftwerke vernetzen. Fünf Jahre später stehen gerade rund 1500 Anlagen in deutschen Kellern.

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Die Blockheizkraftwerke sind nichts anderes als Generatoren, angetrieben durch einen Gasmotor von VW. Sie werden in VWs Motorenwerk Salzgitter gebaut, wo eigens eine Fertigungslinie eingerichtet wurde. Neben den bereits etablierten Bootsmotoren ist dies ein weiterer Versuch des Standorts, Geschäfte abseits des Autos zu erschließen. Nach dem ambitionierten Start wurde es allerdings schnell still um das Projekt. VW brauche die Motoren dringender für die Autos, hieß es gelegentlich. Vor allem aber gab es technische Probleme beim stationären Einsatz der Automotoren. Die Sache sei „technologisch schwieriger als erwartet“, sagte ein Lichtblick-Sprecher, aber in langwieriger und teurer Weiterentwicklung habe man die Probleme gemeinsam gelöst.

Aus Lichtblick-Sicht könnte es jetzt richtig losgehen, doch irgendwo auf dem Weg ging die Partnerschaft in die Brüche. „VW hat angefangen, den Vertrag infrage zu stellen“, sagte der Lichtblick-Sprecher. Unter anderem wollte der Konzern die kleinen Kraftwerke aus Salzgitter nun teurer an seinen Partner verkaufen, überhaupt sei es um „umfängliche kommerzielle Fragen“ gegangen. Zwei Jahre lang habe man verhandelt, doch „letztendlich wollte VW uns Bedingungen diktieren, die vollkommen inakzeptabel sind“, erklärte Lichtblick-Chef Heiko von Tschischwitz, ohne Details zu nennen. Das Scheitern bringe Lichtblick nicht in Gefahr, sagte der Sprecher, werde aber einige Dutzend Stellen kosten.

„Die Vorstellungen lagen weit auseinander“, sagte ein VW-Sprecher lediglich. In Wolfsburg wirft man dem Vertriebspartner auch mangelnden Verkaufserfolg vor. Bereits im vergangenen Jahr startete VW eine weitere Zusammenarbeit mit Senertec, einem Bad Harzburger Spezialisten für Kraft-Wärme-Kopplung. „Wir glauben weiterhin an den Erfolg unserer Technologie und setzen nun auf unsere bestehenden alternativen Vertriebspartner“, heißt es bei VW. Auch Lichtblick glaubt weiter an die Idee seiner „Schwarmsteuerung“, die nun auf anderen Feldern umgesetzt werden soll.

Neben dem Kraftwerksprojekt arbeiten VW und Lichtblick auch bei Ökostromtarifen für Elektroautos und beim vernetzten Aufladen von E-Autos ähnlich der „Schwarm“-Idee zusammen. Das wolle man fortsetzen, heißt es auf beiden Seiten – bis jetzt.

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