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Deutschland / Weltweit So klappt es mit dem Einkauf
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit So klappt es mit dem Einkauf
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00:15 11.09.2013
Von Dany Schrader
Quelle: dpa / Symbolbild
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  • Anbeißen: Leere Verpackungen von Schokoriegeln oder eine Bananenschale – für Kassierer an den Supermarktkassen ist das ein gewohntes Bild. Allerdings ist es rechtlich verboten, Waren schon vor dem Bezahlen zu öffnen. Laut Brigitte Ahrens von der Verbraucherschutzzentrale Niedersachsen zeigen sich die meisten Händler aber kulant.
  • Bezahlen: Ein Päckchen Kaugummi mit der Kreditkarte bezahlen – vielen Händlern stellen sich bei diesem Gedanken die Nackenhaare auf. Schließlich entstehen für das Geschäft mit jeder Buchung Gebühren, die schnell den Gewinn übersteigen. Einige Ketten bieten daher bereits an, größere Beträge abzubuchen und dem Kunden in bar auszuzahlen. Grundsätzlich hat jeder Kunde das Recht, jederzeit mit ec-Karte zu bezahlen. Einen 200-Euro-Schein müssen Händler dagegen nicht unbedingt annehmen. Dabei gilt das Prinzip der Verhältnismäßigkeit – die ist beispielsweise nicht gegeben, wenn man damit nur eine Tragetasche im Wert von wenigen Cents bezahlen will. Das gilt auch für Münzen: Nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken ist niemand verpflichtet, mehr als 50 Münzen anzunehmen.
  • Containern: Bundesweit landen jährlich rund elf Tonnen Lebensmittel auf dem Müll – unter anderem in den Containern der Supermärkte. Menschen, die noch Genießbares aus den Containern im Hof fischen, anstatt vorne an der Supermarktkasse für Frischware zu bezahlen, haben das Wort für diesen Lebensstil geprägt: Containern. Rechtlich gesehen ist das allerdings eine Grauzone. Stehen die Container auf dem Supermarktgelände, begehen die Lebensmittelsammler Hausfriedensbruch. Das Entfernen fremden Mülls gilt als Diebstahl.
  • Duell: Gehört die Ware im Supermarkt schon mir? Verbaucherschützerin Brigitte Ahrens ist der Ansicht, dass ein Kunde damit zumindest deutlich zeigt, dass er das Produkt kaufen will. Juristisch gesehen ist die Ware aber noch Eigentum des Supermarktes, bis sie an der Kasse bezahlt wurde. Einen Diebstahl aus einem fremden Einkaufswagen gibt es also eigentlich nicht. Das Landgericht Stuttgart urteilte in einem Fall, in dem eine Frau einem anderen Kunden einmal einen günstigen Backofen aus dem Einkaufswagen „entwendete“ und daraufhin ein Streit entbrannte, jedoch anders. Die Frau habe in „verbotener Eigenmacht“ gehandelt. Der Mann wiederum habe, als er den Wagen an sich riss und die Frau dabei am Finger verletzte, von seinem Selbsthilferecht Gebrauch gemacht und nicht rechtswidrig gehandelt. Strafrechtliche Konsequenzen gab es nicht.
  • Erdbeerkörbchen: Das Leben ist voller Überraschungen – manchmal besonders, wenn sich die unteren Schichten eines Erdbeerkörbchens offenbaren und darin faulige Früchte liegen. Sich die besten rauszusuchen und umzusortieren ist allerdings verboten. „Der Händler garantiert den einwandfreien Zustand der Ware – und sollte gerufen werden, wenn etwas nicht stimmt“, sagt Brigitte Ahrens von der Verbraucherzentrale Niedersachsen.
  • Feilschen: Das Herunterhandeln von Preisen funktioniert im Supermarkt so gut wie nie – es sei denn, eine Flasche Sekt ist mit 4,99 Euro ausgezeichnet, an der Kasse aber werden letztlich 6,99 Euro verlangt. In diesem Fall könnte es sich lohnen, zu feilschen. „Viele Händler lassen dann meist schon von sich aus im Preis nach“, sagt Expertin Brigitte Ahrens.
  • Himbeergate: Der Betreiber eines Obststandes in der Düsseldorfer Altstadt hat mit seiner Masche jüngst traurige Berühmtheit erlangt: Die Himbeeren, die er als frisch vom Großmarkt anpries, hatte er im Supermarkt gekauft, auf dem Markt aber verlangte er viel höhere Preise. Zur Rechenschaft gezogen werden konnte er deshalb nicht. Die Markthändler dürfen ihre Ware kaufen, wo sie wollen. „Ein Händler darf die Ware aber nicht falsch deklarieren, also zum Beispiel ,Frisch vom Niederrhein‘ daran schreiben, wenn sie gar nicht vom Niederrhein kommt“, sagt Carolin Semmler, Rechtsanwältin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
  • Irregeführt: „Das Öffnen der Verpackung verpflichtet zum Kauf“ – Schilder mit dieser Botschaft hingen lange in fast jedem Supermarkt. Mittlerweile aber verzichten viele Betreiber darauf, weil die Rechtssprechung etwas anderes entschieden hat. Demnach ist es durchaus erlaubt, eine Ware zu begutachten oder zu prüfen, ob alle Teile vorhanden sind. Dafür darf der Kunde dann auch die Verpackung öffnen. Zwar könnte der Händler einen Schadensersatz verlangen, wenn die Verpackung bei der Ansicht beschädigt wird. Nach Meinung von Verbraucherschützerin Brigitte Ahrens sieht es in der Praxis jedoch anders aus: „Die meisten Händler nehmen geöffnete Waren aus den Regalen.“ (s. Joghurt)
  • Joghurt: Grundsätzlich verboten ist das Öffnen einer Ware vor dem Kassieren, wenn die Ware dadurch unverkäuflich wird – etwa bei Lebensmitteln wie bei einem Joghurt.
  • Kundenwaage: Natürlich ist es verboten, Obst und Gemüse beim Abwiegen mit der Kundenwaage etwas anzuheben, damit es nicht zu teuer wird. Dass viele Supermärkte mittlerweile direkt an der Kasse abwiegen, ist aber ein Indiz dafür, dass dieser Schwindel häufig praktiziert wird. Genau genommen handelt es sich dabei sogar um eine Straftat: Ein Diebstahl, der in den meisten Fällen einen so geringen Warenwert hätte, dass keine Fälle von strafrechtlicher Verfolgung bekannt sind.
  • Ladenöffnungszeiten: Der Supermarkt schließt um 22 Uhr, aber schon 20 Minuten vor Ladenschluss untersagt das Personal den Kunden den Eintritt. Ist das okay? Verbraucherschützer weisen in diesem Punkt auf das Ladenschlussgesetz hin, das zum Wohl der Mitarbeiter erlassen wurde. Damit diese pünktlich Feierabend machen können, kann der Betreiber eines Supermarktes so verfahren. Besonders kundenfreundlich allerdings ist das nicht.
  • Marmeladenglas, Kaputt: Supermärkte schmücken sich gern mit prall gefüllten Regalen. So mancher Kunde griff da schon zum falschen Glas – und ließ einen ganzen Turm von Marmeladengläsern in sich zusammenfallen. Ob er in einem solchen Fall für den Schaden haften muss, hängt von mehreren Faktoren ab: Wenn er den Marmeladenturm fahrlässig zum Einsturz brachte, muss er eigentlich für den Schaden aufkommen. Allerdings zeigen sich die meisten Händler nachsichtig. Entscheidend ist der Preis der Ware: Geht es um hochpreisigen Whisky, muss der Kunde im Fall einer Fahrlässigkeit schon eher für den Schaden aufkommen.
  • Neid: s. Duell
  • Obststand: Manchmal ist die Verlockung groß, und man ist geneigt, eine Weintraube am Obststand zu probieren. Rechtlich gesehen ist aber schon eine kleine Traube im Mund des Kunden ein Diebstahl und kann entsprechend geahndet werden. Ein solcher Fall ist bisher aber nicht bekannt. Denkbar ist viel eher ein anderes Szenario: Ein Filialleiter schmeißt den Tester raus.
  • Ordnung: Wer sich kurz vor der Kasse entscheidet, ein Produkt nicht zu kaufen, sollte dieses nicht einfach wahllos in irgendein Regal legen – mehr befürchten als das Gemeckere der Kassierer muss er aber nicht.
  • Preis, heiß: Sie sind verboten, immer wieder aber kommt es trotzdem vor, dass Supermärkte Sonderangebote in kleinen Mengen nur deshalb anbieten, um Kunden in den Laden zu locken. Nach Meinung von Verbraucherschützern sollten Angebote zwei Tage lang vorrätig sein.
  • Qualität, die: s. Erdbeerkörbchen und Umtausch
  • Rückgabe: Eine Pfandflasche darf bei der Rückgabe verbeult und dreckig sein. Solange das Pfandzeichen noch lesbar ist, ist der Händler verpflichtet, die Flasche anzunehmen. Das gilt allerdings nur für Einweg-Flaschen, die nach der Rückgabe ohnehin gepresst werden, nicht für Mehrwegflaschen.
  • Sechserträger: Wer Bier und Wasser in kleinen Mengen kaufen möchte, landet oft bei Sechserträgern. Ob Kunden diese öffnen und den Inhalt flaschenweise kaufen können, hängt vom jeweiligen Händler ab. Wenn auf dem Preisschild am Regal eindeutig der Preis für die Großpackung angegeben ist, muss der Kunde das Komplettpaket nehmen.
  • Taschenkontrolle: Die Zeiten, in denen Spiegel über der Kasse hingen, damit Kassierer mit einem kurzen Blick sehen können, ob der Kunde auch wirklich alle Waren aufs Band gelegt hat, sind vorbei. Dennoch haben Kassierer das Recht, den Kunden zu bitten, seine Tasche anzuheben. Taschenkontrollen sind dagegen verboten, sie fallen schnell in den Bereich der Freiheitsberaubung. Sollte ein ernsthafter Verdacht auf einen Diebstahl vorliegen, muss der Kassierer die Polizei rufen, um den Fall zu klären.
  • Umtausch: Es kommt immer wieder vor: Kunden bemerken erst zu Hause, dass der als „frisch“ angebotene Knoblauch schon alt und trocken ist. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen lässt sich auch angebrochene Ware noch umtauschen, wenn dem Händler ein Kassenbon vorgelegt wird. Einen Beweis, dass es sich bei dem beanstandeten Produkt auch tatsächlich um Ware aus dem Laden handelt, müssen sie nicht erbringen. „In der Regel sind Händler kulant und nehmen das Produkt zurück. Schließlich wollen sie den Kunden nicht verlieren.“
  • Vergriffen: Sonderangebote wie Fernsehgeräte und Computer sind die Verkaufsschlager so mancher Supermarktketten, und wer zu spät kommt, ärgert sich, dass er leer ausgeht. Einen Anspruch auf ein solches Sonderangebot haben Kunden allerdings nicht. Auch ist der Händler nicht verpflichtet, das Produkt nachzubestellen. Was weg ist, ist weg.
  • XXL: Das Einkaufsverhalten der Deutschen hat sich gewandelt. Anstelle kleiner Mengen für den täglichen Bedarf tendieren sie zu großen Wochenendeinkäufen. Da kann es nützlich sein, einen großen Einkaufswagen durch die Supermarktgassen zu schieben. Verbraucherschützer wie Brigitte Ahrens allerdings mahnen zur Vorsicht. Nach ihren Beobachtungen ist das Fassungsvermögen der Wagen enorm gewachsen – damit auch ein großer Einkauf noch preisgünstig und klein wirkt. Die Überraschung kommt dann an der Kasse. Ahrens rät deshalb: Lieber nur dort einkaufen, wo es auch Körbchen gibt.
  • „Yps“-Heft: Dürfen Kunden im Laden Zeitung lesen? So eindeutig ist die Rechtslage allerdings nicht. Rechtlich gesehen ist das Lesen erlaubt, solange das Produkt nicht beschädigt wird. Liest der Kunde allerdings ganze Artikel ohne Kaufinteresse, darf der Händler von seinem Hausrecht Gebrauch machen und den Kunden des Ladens verweisen.
  • Zweite Kasse, bitte:  Einen rechtlichen Anspruch auf eine begrenzte Wartezeit haben Kunden nicht. Laut Verbraucherberaterin Ahrens können Kunden bei großem Andrang aber bei den Mitarbeitern auf die Öffnung weiterer Kassen drängen – schließlich haben die Händler ein Interesse daran, ihre Kunden nicht zu verprellen.
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