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Deutschland / Weltweit TUI Deutschland probt den Spagat
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit TUI Deutschland probt den Spagat
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10:30 05.02.2011
Von Jens Heitmann
Quelle: dpa
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Hannover. Die Billigkonkurrenz aus dem Internet zwingt den Reiseveranstalter TUI Deutschland zu einer neuen Strategie. Außer bei exklusiven Angeboten für exquisite Hotels in bester Lage will der Marktführer auch im unteren Preissegment punkten. Die neue Strategie „GET 2015“ hat ein Team von 20 Mitarbeitern erdacht. „Das ist unsere Antwort auf den gravierenden Marktumbruch, der sich weiter verstärken wird“, sagte TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher am Freitag dieser Zeitung. Der Verlust von einigen der aktuell 2000 Arbeitsplätze sei nicht auszuschließen – konkrete Zahlen nannte er nicht.

Seit geraumer Zeit machen sogenannte X-Veranstalter den etablierten Touristikern das Leben schwer. Der Buchstabe „X“ steht als Symbol für eine neue Art, Reisen zusammenzustellen: Die farbigen Kataloge bilden für bekannte Größen wie TUI, Neckermann und Co. immer noch die Basis des Geschäfts, aber kleine, unbekannte Anbieter im Internet gewinnen stetig Marktanteile – mit einer schlichten Geschäftsidee: Sie nutzen die Überkapazitäten bei Hotels und Fluggesellschaften, um daraus attraktive Reisepakete zu schnüren. Die Basis ist eine spezielle Datenbank.

Nach Einschätzung von TUI-Deutschland-Chef Böttcher verkauft die virtuelle Konkurrenz inzwischen jede zwölfte Reise. Denkbar sei, dass sich dieser Anteil in den kommenden Jahren verdoppele. Alle Veranstalter reagieren derzeit auf dieses Modell, indem sie es kopieren und ein „X“ vor ihre Markennamen pappen. Ziel von TUI Deutschland sei es, auch im Massenmarkt wieder zuzulegen, sagte Bötcher. Zuletzt hatte man sich hier unter dem Motto „Marge vor Menge“ eher zurückgehalten.

Künftig will TUI Deutschland mit zwei klar voneinander getrennten Geschäftsmodellen arbeiten. Für die besonders preisbewusste Klientel richtet Böttcher die Marke „Discount Travel“ neu aus. Der Veranstalter soll rund um die Uhr das maximal verfügbare Angebot an Flügen und Hotels bündeln und „preisaggressiv anbieten“, wie es heißt. Daneben tritt die Marke „X-TUI“.

Weitaus größere Erwartungen hegt die TUI allerdings im Bereich wohlsituierter Kunden. „Bedürfnisorientierte Käuferschichten“ möchte man mit neuen Hotels an sich binden, die kein Konkurrent im Angebot hat. Die Zahl dieser Anlagen will Böttcher von heute 41 auf 136 mehr als verdreifachen. Zudem wird die TUI die Zahl ihrer Reisebüros auf 800 verdoppeln. Es gebe viele Kunden, die sich im Internet über Reiseziele informieren, zur Buchung aber ins Reisebüro gingen. „Wir streben eine engere Verzahnung von Off- und Online-Welt an“, sagte Böttcher.