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Deutschland / Weltweit Wie fair kann 
Kleidung sein?
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Wie fair kann 
Kleidung sein?
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18:10 16.10.2014
Eine indische Näherin bei ihrer Arbeit. Ein Euro mehr beim Kauf einer Jeans bedeute etwa für Näherinnen in Bangladesch, dass sie ihre Kinder in die Schule schicken und sich Gesundheitsvorsorge leisten könnten.
Ein Euro mehr beim Kauf einer Jeans bedeute etwa für Näherinnen in Bangladesch, dass sie ihre Kinder in die Schule schicken und sich Gesundheitsvorsorge leisten könnten. Quelle: dpa
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Berlin

Ein „grüner Knopf“ soll den Verbrauchern künftig beim Kauf von Textilien signalisieren, dass bei der Herstellung existenzsichernde Löhne gezahlt wurden und keine Kinderarbeit in der Kleidung steckt. Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) hat am Donnerstag zusammen mit Unternehmen, Gewerkschaften und anderen Organisationen das „Bündnis für nachhaltige Textilien“ ins Leben gerufen. Doch die großen Handelsketten machen nicht mit.

Hungerlöhne und katastrophale Arbeitsbedingungen – das verheerende Unglück in der Textilfabrik von Rana Plaza hatte im vergangenen Jahr ein Schlaglicht auf die menschenunwürdigen Zustände geworfen, unter denen ein großer Teil unserer Kleidung in Ländern der dritten Welt produziert wird. 1100 Menschen kamen damals in Bangladesch ums Leben. „Was wir bei uns nicht akzeptieren, nehmen wir weit weg billigend in Kauf“, kritisierte Müller diese Form von Arbeitsteilung. „Geiz ist geil kann nicht unser Antrieb sein“, meinte der CSU-Politiker. Ein Euro mehr beim Kauf einer Jeans bedeute etwa für Näherinnen in Bangladesch, dass sie ihre Kinder in die Schule schicken und sich Gesundheitsvorsorge leisten könnten.

Müller hatte im April Industrie, Handel, Verbände, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen zum Runden Tisch gebeten, um ein Bündnis für faire Kleidung zu schmieden. Gestern wurde es feierlich besiegelt. Doch die Großen der Branche waren bei den Feierlichkeiten nicht dabei. Sie hatten sich zwar an der Bündnisdebatte beteiligt, aber der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie machte dann vor einer Woche Front gegen Müllers Textilsiegel. Zu den 30 Erstunterzeichnern des Bündnisses zählen solche Unternehmen, die schon jetzt auf Sozial- und Umweltstandards in ihrer Lieferkette Wert legen. Dazu gehören etwa der Outdoorspezialist Vaude, Trigema oder Hess Naturtextilien.

„Wahrheit und Klarheit“ im Textilmarkt

Der Textilgesamtverband hatte geltend gemacht, dass die Bekleidungsunternehmen auf die Arbeitsbedingungen im Ausland „keinen maßgeblichen Einfluss“ hätten. Einige chemische Stoffe seinen zudem bei der Produktion unverzichtbar. DGB-Chef Rainer Hoffmann lässt das nicht gelten. Die Modekonzerne seien in der Lage, rund um den Globus eine Just-in-time-Produktion zu organisieren. Dann zu behaupten, man habe keine Kontrolle über die Produktionsbedingungen, „überzeugt überhaupt nicht“, rüffelte der Gewerkschafter. Im Übrigen biete man gerne Hilfe an.

Müller setzt darauf, dass schon in Kürze die großen Handelsketten wegen des sonst drohenden Imageschadens mitziehen werden. Kein verantwortliches Unternehmen könne es sich leisten, auf Dauer nicht den Anspruch zu haben, für seine Lieferketten Öko- und Sozialdumping sowie Kinderarbeit auszuschließen. Der Minister kündigte für Januar ein Internetportal an, das „Wahrheit und Klarheit“ in den Textilmarkt bringen soll. Geplant ist zudem ein „grüner Knopf“ als Siegel für fair produzierte Kleidung.

Derzeit gibt es diverse Siegel und Selbstverpflichtungen, aber kaum Kontrolle, ob sie auch eingehalten werden. Die Mitglieder im Textilbündnis schreiben sich existenzsichernde Löhne, maximal eine 48-Stunden-Woche mit sechs Arbeitstagen und einen Bann schädlicher Chemikalien bei ihren Produzenten und Zulieferern auf die Fahnen. Eine Arbeitsgruppe soll Kriterien entwickeln, wie das nachzuweisen ist.

Arnold Petersen

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16.10.2014
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