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Deutschland / Weltweit ThyssenKrupp rutscht tief in die roten Zahlen
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12:43 02.12.2011
Der größte deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp hat 2011 hohe Verluste eingefahren. Quelle: dpa
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Essen

Der größte deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp ist durch Probleme mit seinem Stahlgeschäft tief in die roten Zahlen gerutscht. Unterm Strich schließt der Konzern das Geschäftsjahr 2010/2011 (30. September) mit einem Fehlbetrag von 1,78 Milliarden Euro ab. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Jahresüberschuss von 927 Millionen Euro erwirtschaftet. Beim Umsatz konnte das Unternehmen um 15 Prozent auf 49,09 Milliarden Euro zulegen.

Durch die Probleme beim Stahl seien Wertberichtigungen von zusammen rund 2,9 Milliarden Euro notwendig geworden, teilte das Unternehmen am Freitag in Essen mit. Hintergrund seien unter anderem Kostenüberschreitungen beim Bau des neuen Stahlwerks in Brasilien sowie eine Abwertung bei der Edelstahlsparte Inoxum in Höhe von 800 Millionen Euro. Der Konzern hatte seine ursprünglich für Dienstag (6. Dezember) angekündigte Bilanzvorlage überraschend auf diesen Freitag vorgezogen.

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Der seit Januar amtierende ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger kündigte an, er wolle die strategische Weiterentwicklung des Konzerns weiter entschlossen umsetzen. „Das aktuelle Umfeld ist nicht einfach. Die beiden Wertberichtigungen zeigen: Wir gehen die Dinge an, die notwendig sind - mit Konsequenz und Offenheit“, sagte er laut einer Mitteilung. Hiesinger hat sich vor allem einen Abbau des milliardenschweren Schuldenbergs und Kostensenkungen zum Ziel gesetzt. Zum Ende des Geschäftsjahres bezifferte ThyssenKrupp den Schuldenberg auf fast 3,6 Milliarden Euro.

Die hohen Verbindlichkeiten sind der größte Hemmschuh für den vom neuen Vorstandschef geplanten Konzernumbau. Er will bei ThyssenKrupp vor allem die Technologiesparte ausbauen und im Gegenzug Geschäftsteile mit rund einem Viertel des Gesamtumsatzes verkaufen. Dickster Brocken dabei ist die Edelstahlsparte Inoxum mit rund 11.000 Beschäftigten.

Medien berichteten am Freitag, dass der für die Stahlwerke in Brasilien und den USA zuständige Bereichsvorstand Hans Fischer vor dem Aus stehe. Der Manager bekomme die Probleme vor allem in Brasilien nicht in den Griff, schrieb das „Handelsblatt“ (Freitag). Die „Financial Times Deutschland“ berichtete, dass Fischer eine neue Aufgabe in einem anderen Unternehmen übernehmen wolle. Dagegen soll der Vertrag von Stahl-Konzernvorstand Edwin Eichler um fünf Jahre verlängert werden, schrieb die FTD.

Vor allem bei Arbeitnehmervertretern wächst der Zeitung zufolge der Unmut über die ungelösten Probleme bei den neuen Stahlwerken. So liefen etwa noch immer nicht alle Teile der Kokerei in Brasilien, was laut Insidern hohe Folgekosten für den Zukauf von Strom, Dampf oder Gas mit sich bringt.

dpa