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Deutschland / Weltweit Trendwende auf Automarkt verschoben
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Trendwende auf Automarkt verschoben
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17:54 17.09.2013
Auch ohne Subventionen muss die Bundesregierung ihr Ziel von einer Million Elektroautos im Jahr 2020 einer Studie zufolge noch nicht abschreiben. Quelle: dpa
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Berlin/Frankfurt

Europas Automarkt muss einen Rückschlag verkraften: Nachdem im Juli in der Europäischen Union noch fünf Prozent mehr Neuwagen zugelassen wurden als im Vorjahr, gingen die Neuzulassungen im August wieder um fünf Prozent zurück. Damit ist die erhoffte Trendwende auf dem seit Jahren kriselnden Automarkt Europa erneut verschoben.

Der deutsche Automobilverband VDA sieht immerhin eine „Tendenz der Stabilisierung“. Ähnlich hatten sich auch die Manager der deutschen Hersteller auf der Automesse IAA geäußert. VW-Chef Martin Winterkorn hatte gesagt: „Wir (...) hoffen, dass der Tiefpunkt erreicht ist.“

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Immerhin könnte in den kommenden Jahren der Absatz von Elektrofahrzeugen in Deutschland anziehen. „Unter optimistischen Annahmen kann das gemeinsame Ziel der Bundesregierung und der Nationalen Plattform Elektromobilität von einer Million Elektrofahrzeugen bis 2020 ohne Kaufförderung erreicht werden“, erklärte das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) am Dienstag. Noch ist der Absatz der alternativ angetriebenen Wagen in Deutschland aber verschwindend gering: Im August wurden in Deutschland rund 214.000 Neuwagen zugelassen, darunter nur 435 Stromer.

In der EU wurden im August 653.872 Fahrzeuge verkauft, wie der Branchenverband Acea am Dienstag in Brüssel mitteilte. Zu den Verlierern gehörte auch die Marke Volkswagen (-17,3 Prozent). Hingegen schlug sich Opel (-3,4 Prozent) besser als der Markt, Mercedes lag mit 8,9 Prozent im Plus und BMW verkaufte EU-weit sogar 9,5 Prozent mehr Autos als im Vorjahr.

„Die schwachen August-Zahlen zeigen, dass der europäische Automarkt von einer Erholung noch weit entfernt ist“, sagte Peter Fuß, Partner bei EY (Ernst & Young). Das laufende Jahr werde einen neuen Negativrekord markieren: „Und 2014 dürfte es zwar zu einer Stabilisierung auf dem inzwischen erreichten niedrigen Niveau kommen, eine echte Trendwende wird aber weiter auf sich warten lassen.“ Europa bleibe für die Autobranche mittelfristig eine Krisenregion, in der sich kaum noch profitables Wachstum erzielen lasse.

Für Dynamik sorgen derzeit vor allem die USA und China. In den USA erhöhte sich die Auto-Nachfrage im August um 17 Prozent, in China stieg der Absatz um mehr als 16 Prozent, berichtete der VDA.

Möglicherweise sorgen bald auch E-Autos für neuen Schwung. Bis Ende 2014 sollen 16 neue Elektro-Modelle allein aus deutscher Produktion bei den Händlern stehen. Das wachsene Angebot werde der Elektromobilität einen Schub geben, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann am Dienstag beim Elektromobilitätskongress auf der IAA: „Im Jahr 2014 könnten einige Zehntausend Fahrzeuge verkauft werden – Mitte des Jahrzehnts möglicherweise auch schon eine sechsstellige Zahl.“ Die deutsche Automobilindustrie investiere in den nächsten drei bis vier Jahren rund zwölf Milliarden Euro in die Entwicklung alternativer Antriebe.

Bei der Vorlage der Studie „Markthochlaufszenarien für Elektrofahrzeuge“ betonten die Fraunhofer-Experten am Dienstag, dass der Erfolg von Stromern und Plug-in-Hybriden unter anderem von der Entwicklung der Rohöl- oder Strompreise abhänge. Zudem seien das Fahrzeugangebot und die Akzeptanz der Kundschaft entscheidend.

„Damit Elektrofahrzeuge wirtschaftlicher als konventionelle Fahrzeuge sind, müssen sie viel gefahren werden, um die höheren Anschaffungsausgaben über die günstigeren Verbrauchs- und Wartungskosten zu amortisieren“, betonten die Forscher. Bei jährlichen Fahrleistungen unter 15.000 Kilometern dominiere auch künftig der Benzinmotor, bei extremen Vielfahrern der Dieselmotor.

Demnach rechnen sich Elektroautos vor allem für Berufspendler, die täglich beispielsweise aus Vororten zum Arbeiten in die Städte fahren. Anders als oft angenommen trauen die Experten Elektroautos in den Großstädten hingegen weniger zu: Für Menschen mit eigener Garage, die die Batterie über Nacht am Hausanschluss aufladen können, seien E-Autos unter ökonomischen Gesichtspunkten nochmals attraktiver als für alle, die auf eine öffentliche Lade-Infrastruktur angewiesen sind.

dpa

17.09.2013
Albrecht Scheuermann 16.09.2013