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Deutschland / Weltweit US-Sanktionen befeuern Bitcoin-Boom im Iran
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit US-Sanktionen befeuern Bitcoin-Boom im Iran
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20:00 19.07.2019
Sogenannte Mining-Rigs, die von der Polizei im Iran beschlagnahmt wurden. Quelle: AP
Newark

Der Bitcoin-Boom hat es auf die Titelseiten der iranischen Zeitungen geschafft. Die führenden Geistlichen des Landes diskutieren über das Thema digitale Währungen. Und die Polizei geht mit Razzien gegen verborgene Server vor, auf denen die Bitcoins erstellt werden. In den USA warnen Regierungsvertreter, dass die Kryptowährung genutzt werden könne, um die Sanktionen der Trump-Regierung zu umgehen, die man dem Land auferlegt hat. 

Wie andere digitale Währungen sind Bitcoins eine Alternative zu dem Geld, das Notenbanken in aller Welt drucken lassen. Anders als dieses Geld werden Kryptowährungen nicht von einer Zentralbank kontrolliert. Bitcoins und andere digitale Währungen sind hoch spekulativ.

Computer in aller Welt werden für das sogenannte Bitcoin Mining eingesetzt. Das Wort Mining bedeutet so viel wie Schürfen, im Bergbau gewinnen und bezeichnet einen Prozess, bei dem mit hoch komplexen Algorithmen die Transaktionen verifiziert werden. Die verifizierten Transaktionen, auch Blocks genannt, werden zu einem öffentlichen Dokument, auch Blockchain, hinzugefügt. Jedesmal, wenn ein Miner einen neuen Block zu der Blockchain hinzufügt, erhält er eine Zahlung in Bitcoins.

Damit all das funktioniert, benötigen teure Spezialcomputer eine Menge Strom, um die Prozessoren zu betreiben und zu kühlen. Im Iran haben die Bitcoin-Schürfer beste Bedingungen, weil Elektrizität dank der langjährigen staatlichen Subventionen günstig ist.

Doch regelmäßige Razzien und widersprüchliche Aussagen der Behörden haben die Schürfer verunsichert. Keiner will über seine Arbeit sprechen oder gar verraten, was er damit verdient. Die Angst vor Enttarnung ist groß. Doch sie räumen ein, dass es ihnen ums Geldverdienen geht. Seit dem internationalen Atomdeal von 2015, aus dem die USA inzwischen ausgestiegen sind, hat die einheimische Währung Rial fast drei Viertel ihres Wertes in Dollar verloren.

„Ein Himmel für Schürfer“

„Es ist klar, dass das hier ein Himmel für die Schürfer geworden ist“, sagt Mohammed Dschawad Asari Dschahromi, Irans Minister für Informations- und Kommunikationstechnologie. Das Geschäft mit den Bitcoins sei zwar gesetzlich nicht verboten. „Aber die Regierung und die Zentralbank haben die Zollbehörden angewiesen, den Import der entsprechenden Computer zu verbieten, bis neue Regel eingeführt sind.“

Ali Bachschi, Leiter des iranische Elektrizitätsindustrie-Verbands, sagte kürzlich, dass das Energieministerium eine drastische Strompreiserhöhung für Bitcoin-Schürfer plant - von bislang etwa einem halben Cent auf umgerechnet sechs Cent pro Kilowattstunde, wie die halbstaatliche Nachrichtenagentur Fars berichtet. Das wäre aber trotzdem noch immer nur rund die Hälfte des Strompreises in den USA.

Religiöse Hardliner wollen Bitcoins verbieten

Auch von religiöser Seite gibt es Bedenken. Die Nachrichtenseite Tabnak, die für einen Hardliner-Kurs steht, zitierte kürzlich drei Ajatollahs, die die Bitcoins entweder als problematisch oder sogar verboten bezeichneten. 

Dscharhomi verweist jedoch darauf, dass die Kleriker sich offener gezeigt hätten, nachdem ihnen dargelegt worden sei, dass die Bitcoins einen Wert in der realen Welt hätten. Das ist vom islamischen Recht vorgeschrieben. Es verbietet außerdem das Spekulieren und die Zahlung von Zinsen. 

Der Iran hat versucht, seine wirtschaftliche Situation unter Kontrolle zu behalten, indem er die Wechselkurse für ausländische Währungen kontrollierte und gegen Personen vorging, die ihre Rial umtauschten. Vergangenes Jahr erklärte der Leiter der parlamentarischen Wirtschaftskommission, Mohammad Resa Pur-Ebrahimi, einem Medienbericht zufolge, dass umgerechnet etwa 2,2 Milliarden Euro den Iran über digitale Währungskäufe verlassen hätten. 

USA sehen Bitcoin-Boom im Iran kritisch

Die USA gucken mittlerweile ganz genau auf die Bitcoin-Geschäfte von Iranern. Im November wurden zwei iranische Staatsbürger in Newark im US-Staat New Jersey angeklagt, weil sie als Hacker versucht haben sollen, mehr als 200 amerikanische Einrichtungen zu Bitcoin-Zahlungen zu zwingen. Darunter befanden sich auch die Städte Newark und Atlanta.

Der Iran werde zunehmen isoliert und erhalte immer schwerer Zugang zu Dollars, sagt Sigal Mandelker, Staatssekretärin im US-Finanzministerium. Deswegen sei es wichtig, dass sich virtuelle Währungsbörsen, aber auch Anbieter von digitalen Währungssystemen besser vor illegalen Aktivitäten schützten.

Dschahromi sieht das anders. „Cyberwährungen sind effektiv, wenn es darum geht, die Sanktionen mit kleinen Transaktionen zu umgehen“, sagt er. „Aber wir sehen bei ihnen keinen besonderen Einfluss für große Finanztransaktionen, wie das befürchtet wird. Wir können sie nicht nutzen, um internationale Währungsmechanismen zu umgehen.“

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Von RND/dpa