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Deutschland / Weltweit Verbraucher profitieren kaum vom Preiskampf der Discounter
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Verbraucher profitieren kaum vom Preiskampf der Discounter
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20:29 08.04.2010
Von Lars Ruzic
Kunden an der Discounterkasse: Unterm Strich bringt der Preiskampf wenig Ersparnis.
Kunden an der Discounterkasse: Unterm Strich bringt der Preiskampf wenig Ersparnis. Quelle: dpa
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Diese Nachricht ist schnell geschrieben: „Nächste Runde im Preiskampf“ titeln die Nachrichtenagenturen gern, wenn Aldi und Co. wieder einmal einzelne Produkte verbilligt haben. Der Donnerstag war wieder so ein Tag. Da zählten sie die vierte Runde allein in diesem Jahr, zwölf davon gab es 2009. Die Übereinstimmungen mit den Monaten sind keineswegs zufällig. Denn meist vollziehen die Discounter am Monatsanfang in ihrer Preispolitik Änderungen der eigenen Beschaffungskonditionen nach – nur dass sich diese logischer Weise in beide Richtungen bewegen können, lassen die Handelsriesen gern unerwähnt.

So finden sich in großräumigen Anzeigen die Preissenkungen für Margarine (von 75 auf 65 Cent), Bio-Nudeln (von 89 auf 79 Cent) oder Tiefkühlpizza (Dreierpack von 2,59 auf 2,49). Dass aber der erst im Februar mit großem Trara auf 79 Cent gesenkte Preis der Butter nach Daten des Wirtschaftsinformationsdienstes Preiszeiger am Dienstag wieder auf 85 Cent angehoben wurde, dass Räucherlachs, Alufolie oder Einmalhandschuhe teurer geworden sind, bleibt Otto Normalverbraucher meist verborgen.

Rechnet man jedoch Senkungen und Erhöhungen der vergangenen Monate gegeneinander auf, so bestätigt sich der Eindruck, den der Konsument auch beim täglichen Blick auf seinen Kassenzettel bekommt: Deutlich billiger ist es unterm Strich nicht geworden. Das Kölner Unternehmen Preiszeiger, das alle Preisbewegungen bei Discountern und Drogerien beobachtet, hat einen eigenen Preisindex auf der Basis eines Warenkorbs von Discounterprodukten entwickelt. Der liegt heute nur unwesentlich niedriger als noch vor einem Jahr.

Der von den Discountern angezettelte Preiskampf ist also nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich verhandeln die Händler mit ihren Lieferanten heute viel öfter über die Preise. Was früher einmal im Jahr geschah, kann inzwischen in vielen Produktsegmenten sogar monatlich nötig sein. Entsprechend schwanken die Beschaffungskonditionen – und damit die Preise an der Ladenkasse.

Dass alle Änderungen gleich an den Endkunden weitergegeben werden, liegt am Platzhirschen Aldi. Die Schwestern in Essen und Mühlheim beanspruchen die Preisführerschaft für sich und lassen den Wettbewerb bis zur letzten Minute im Dunkeln darüber, wie stark sie an welcher Schraube drehen. Um wenigstens am Vorabend vorgewarnt zu sein, decken sich die Konkurrenten gern am Bahnhofskiosk mit den Andruckexemplaren der Tageszeitungen ein. Die Aldi-Anzeigen darin sagen ihnen dann, welches Preisschild sie am nächsten Morgen in den eigenen Läden austauschen müssen.