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Deutschland / Weltweit Verbraucherschützer verklagen Lidl wegen Hungerlöhne
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Verbraucherschützer verklagen Lidl wegen Hungerlöhne
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15:40 08.04.2010
Wieder einmal im Visier der Verbraucherschützer: Der Disocunter Lidl.
Wieder einmal im Visier der Verbraucherschützer: Der Disocunter Lidl. Quelle: ap
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Wegen angeblich irreführender Angaben zu den Herstellungsbedingungen seiner Textilien ist die Billigsupermarkt-Kette Lidl in das Visier von Verbraucherschützern und Menschenrechtlern geraten. „Das Unternehmen verspricht in seiner Werbung ganz offensiv faire Arbeitsbedingungen für Beschäftigte bei seinen Textil-Zulieferern in Bangladesch - aber hält sich nicht daran“, sagte Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale am Donnerstag in Hamburg. „Die Kunden werden so irregeführt. Wir sind der Meinung: Wo fair draufsteht, muss auch fair drin sein.“

Gemeinsam mit den Organisationen Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) und dem European Center of Constitutional an Human Rights (ECCHR) fordern die Verbraucherschützer sozialverträgliche Löhne für die Beschäftigten und eine nachweislich faire Einkaufspolitik des Unternehmens. „Wenn man als Händler vom Zulieferer Sozial-Standards fordert und gleichzeitig aber auch schneller und immer billigere Ware haben will, so widerspricht man sich selbst“, sagte Gisela Burckhardt von CCC.

Die Unternehmensgruppe Lidl hatte eine Unterlassungserklärung der Verbraucherschützer zur Werbekampagne nicht beantwortet. „Wir haben genug Fakten gesammelt, um der Sozial-Kampagne von Lidl vor Gericht widersprechen zu können“, sagte Verbraucherschützer Hörmann. Er nutzt nun das Recht auf eine Verbandsklage am Unternehmenssitz der Handelsgruppe Lidl in Heilbronn.

Die Arbeitsbedingung in Bangladesch haben sich nach Informationen der Kampagne für Saubere Kleidung in den letzten Jahren sogar noch verschlechtert. „Die Verhältnisse können sich nur ändern, wenn die Fabriken durch neutrale Gutachter überprüft werden können. Auch die Selbstverpflichtungen von Lidl sind eher Absichtserklärungen als bindend“, sagte Burckardt. Die Löhne seien auch in Lidl-Fabriken so niedrig, dass die Arbeiterinnen zu Überstunden gezwungen seien, um überhaupt über die Runden zu kommen. In manchen Nähereibetrieben gäbe es die Sieben-Tage-Woche oder Arbeitszeiten von mehr als 12 Stunden. Die Organisation CCC hat die Bedingungen in vier Fabriken dokumentiert, die für Lidl produzieren. Insgesamt gibt es in Bangladesch rund 3000 Textilbetriebe.

Bei Erfolg der Klage am Landgericht Heilbronn droht Lidl ein Ordnungsgeld von bis zu 250 000 Euro.

dpa/afp