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Deutschland / Weltweit Drohnen-Projekt stößt auf Kritik
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Drohnen-Projekt stößt auf Kritik
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14:32 21.05.2014
Zwei Mechaniker warten bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung die Triebwerke eines MIG-29.
Zwei Mechaniker warten bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung die Triebwerke eines MIG-29. Quelle: dpa
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Schönefeld

Eklat auf der Luftfahrtmesse ILA: Der Vorstoß europäischer Luftfahrtkonzerne für ein militärisches Drohnenprojekt ist in der eigenen Branche auf Kritik gestoßen. Der große deutsche Luftfahrt- und Rüstungszulieferkonzern Diehl hält den Zeitpunkt angesichts der offenen Entscheidung zur Drohnenbeschaffung und der hitzigen Debatte für schlecht gewählt. „Ich halte das für unglücklich“, sagte am Mittwoch Claus Günther, der bei Diehl für die Wehrtechnik zuständig und Vorstandsmitglied der Diehl Stiftung ist.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte den Vorstoß Anfang der Woche reserviert aufgenommen. „Es gibt zurzeit keinen Entscheidungsdruck“, hatte die CDU-Politikerin gesagt. Zunächst müsse die für den Sommer geplante parlamentarische Debatte über die Drohnenbeschaffung abgewartet werden. „Ich verstehe die Ministerin. Ich wäre auch verschnupft“, sagte Günther.

Der Drohnen-Vorstoß war am Montag verkündet worden, noch vor dem Besuch der Ministerin am Mittwoch auf der ILA. Wie aus Kreisen verlautete, wurde nicht damit gerechnet, dass von der Leyen die Messestände der betreffenden Hersteller besucht.

Die Airbus-Gruppe hatte zusammen mit Dassault Aviation (Frankreich) und Alenia Aermacchi (Italien) ein gemeinsames Drohnenprogramm vorgeschlagen, bei dem es um unbemannte Fluggeräte für mittlere Flughöhe und lange Flugdauer (MALE) geht. Bernhard Gerwert, Chef der Rüstungs- und Raumfahrtsparte der Airbus-Group (früher EADS), sagte: „Bei unseren Streitkräften besteht eindeutiger Bedarf.“ Bereits 2020 könne eine „kostengünstige und zulassungsfähige» Drohne bereitstehen. Es geht um Aufklärungsdrohnen, die auch bewaffnet werden können.

Diehl-Verteidigungschef Günther verwies auf die hitzige Debatte über umbemannte Drohnen. Deshalb hätte die Industrie bei dem für die Hersteller so wichtigen Thema gut daran getan, die grundsätzliche Klärung zur Beschaffung abzuwarten, sagte er. Am 30. Juni sollen im Parlament Experten angehört werden. Danach sollen sich zumindest die Koalitionsfraktionen einig werden. „Wir brauchen einen breiten Konsens im politischen Umfeld“, sagte Günther. Im gesellschaftlichen Umfeld sei dieser angesichts der Stimmungslage nicht zu erwarten.

Spannungen zwischen der schwarz-roten Regierungskoalition und der Rüstungsindustrie verhehlte Günther nicht. Auch deshalb hält er den Zeitpunkt für die Drohnen-Ankündigung für schlecht gewählt. „Wir versuchen gerade, wieder in einen vertrauensvollen Dialog zu kommen.“ Zuletzt hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Unruhe bei den Herstellern ausgelöst, weil er dafür eintritt, weniger Waffen aus Deutschland zu exportieren. Zudem lässt von der Leyen Großprojekte in der Wehrtechnik überprüfen.

Der Diehl-Konzern gehört zu den größten deutschen Zulieferern in der Luftfahrt und Wehrtechnik. Im vergangenen Jahr erzielte er nach Unternehmensangaben mit 14 400 Beschäftigten fast 3 Milliarden Euro Umsatz. 570 Millionen Euro entfielen auf die Verteidigungssparte, also rund 20 Prozent. Am stärksten wächst der Luftfahrtbereich, für den 2015 rund eine Milliarde Umsatz erwartet werden. Besonderen Schub gibt dabei der neue Langstreckenjet A350 von Airbus, zu dem Diehl wesentliche Teile der Kabinenausstattung zuliefert, unter anderem die Bordküchen. Auch beim Konkurrenzmodell von Boeing, dem Dreamliner 787, ist Diehl involviert.

Lars Ruzic 23.05.2014
Reinhard Urschel 20.05.2014