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Deutschland / Weltweit Veschiedene Konzepte für Aerodynamik
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22:00 19.09.2012
So stellt sich die VW-Tochter MAN einen strömungsgünstigen und daher sparsamen Lastwagen vor.
So stellt sich die VW-Tochter MAN einen strömungsgünstigen und daher sparsamen Lastwagen vor. Quelle: Hagemann
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Hannover

Georg Weihberg, Leiter Entwicklung bei Daimler Trucks, sprach bei der Vorstellung des „Mercedes-Benz Aerodynamics Trailer“ auf der IAA von „schmerzverzerrten Gesichtern“, die viele  seiner Zuhörer bei der Fahrt zur Tankstelle sicher hätten.

Wenn man schon die Kraftstoffpreise nicht beeinflussen könne, dann doch wenigstens den Verbrauch, sagte Weihberg. Doch das sei schwierig. Die EU erlaubt momentan nicht, dass auf ihren Straßen Fahrzeuge mit mehr als 16,5 Metern Länge unterwegs sind. Weil Spediteure beim Laderaum nicht sparen können, sind stromlinienförmige Zugmaschinen noch nicht üblich. Deswegen erinnern heutige Trucks immer noch ein wenig an eine Schrankwand.

Auch der neue Truck von Mercedes steht voll im Wind. Und dennoch soll die Zugmaschine und der gemeinsam mit Schmitz Cargobull entwickelte Trailer äußerst windschnittig sein. Weihberg präsentierte stolz das Einsparpotenzial: 18 Prozent weniger Luftwiderstand sollen 4,5 Prozent weniger Verbrauch einbringen. Dies sei ohne „futuristische Delfine auf Rädern“ möglich, sagte Weihberg mit Blick auf den Konkurrenten MAN. In mehr als 2600 Stunden im Windkanal sei der Benz so optimiert worden wie noch kein Lkw zuvor. Lamellen, Kühler, Verkleidungen, Unterboden – überall habe man gemacht, was möglich und erlaubt sei.

Für den Chefentwickler ist der Truck mit dem Stern deshalb kein Blick in die Zukunft, er soll bereits 2013 auf den Markt kommen. Zwar ist die Heckverlängerung von 40 Zentimetern zur besseren Luftströmung noch nicht mit EU-Regeln vereinbar. Weihberg geht aber davon aus, dass eine EU-Empfehlung schon im nächsten Frühjahr Gesetz wird, wonach solche Verlängerungen im Dienst der Aerodynamik zulässig sein sollen.

MAN hat derweil seine Studie „Concept S“ vorgestellt, die gemeinsam mit Krone entwickelt wurde . Die geschwungene Form soll einem Delfin nachempfunden sein, hieß es bei der Vorstellung nur wenige Meter vor der Halle des Konkurrenten Daimler. Der Auflieger ist leicht gewölbt und wird am Heck schmaler. Der  Luftwiderstand soll so um 40 Prozent gegenüber aktuellen Modellen reduziert werden, der Kraftstoffverbrauch um 25 Prozent, hat MAN ausgerechnet.

So effizient das Gefährt auch sein mag, durch das schmalere Heck verliert es einiges an Laderaum. Um das auszugleichen, müsste es zwei Meter länger sein als heute in der EU erlaubt.

Auch wenn die Regeln gelockert werden, bleiben die Speditionen auf die Austauschbarkeit der Auflieger angewiesen. Weihberg rief deshalb andere Hersteller von Aufliegern auf, sich an der Entwicklung zu beteiligen. Man brauche ein einheitliches System. Das dürfte nicht leicht zu realisieren sein. Zwischen Delfin und Schrankwand liegen schließlich Welten.

Gerd Schild