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Deutschland / Weltweit Viele Firmen müssen Lehrlingen Nachhilfe geben
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Viele Firmen müssen Lehrlingen Nachhilfe geben
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22:30 08.04.2010
Bei vielen Firmen steht mittlerweile auch grundlegender Schulstoff auf dem Ausbildungsplan.
Bei vielen Firmen steht mittlerweile auch grundlegender Schulstoff auf dem Ausbildungsplan. Quelle: dpa
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Deutschlands Auszubildenden mangelt es an Schulwissen – und an Disziplin. Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen greift deshalb mittlerweile zur Selbsthilfe und organisiert Nachhilfe für ihre Lehrlinge. Dies ergab eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Drei von vier Unternehmen klagen über mangelnde Ausbildungsreife von Bewerbern. Lediglich neun Prozent der rund 15 000 befragten Ausbildungsbetriebe sehen keine Mängel bei den Jugendlichen.

Gut die Hälfte beklagt bei ihren Lehrlingen gravierende Mängel in Mathematik und Deutsch. Erstmals vermissen zudem fast ebenso viele Firmen sogenannte „soft skills“, also etwa Disziplin, Leistungsbereitschaft und Belastbarkeit – ein Trend, der auch in Niedersachsen deutlich zu spüren ist. „Viele Auszubildenden beherrschen die elementarsten Benimmregeln nicht mehr“, sagt Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN).

Um die Wissenslücken zu schließen, lassen bundesweit 54 Prozent der Firmen – darunter viele Klein- und mittelständischen Betriebe – ihre Lehrlinge inzwischen nachsitzen. Etwa 30 Prozent nutzen hierfür ergänzende Angebote der Bundesagentur für Arbeit (BA). Die Arbeitsagentur hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 95,6 Millionen Euro für ausbildungsbegleitende Hilfen verwendet und damit 71 100 Auszubildende unterstützt – mehr als in den Vorjahren. In Kursen lernen die Lehrlinge beispielsweise rechnen und richtig schreiben. Andere gehen mit ehrenamtlichen Paten oder mit Praxistagen schon für Schüler gegen fehlende Ausbildungsreife an.

Die Unternehmen haben ein vitales Interesse daran, die Jugendlichen ordentlich zu qualifizieren. Durch den demografischen Wandel und einen wachsenden Anteil an Schülern, die das Gymnasium besuchen, werden die Auszubildenden immer rarer. Schon im Jahr 2009 blieben rund 50 000 Plätze großteils wegen ungeeigneter Kandidaten unbesetzt.

Einige Branchen, wie etwa die niedersächsische Chemieindustrie, hätten sogar schon eigene Ausbildungszentren eingerichtet, um Jugendliche besser zu qualifizieren, erklärt UVN-Hauptgeschäftsführer Müller. „Die Unternehmen in Niedersachsen sind in Sorge, weil das Niveau der Ausbildung sinkt.“ Auch die niedersächsischen Arbeitgeberverbände klagen über die Defizite der angehenden Auszubildenden, besonders bei der Beherrschung der Grundrechenarten und der Sprache: „Jeder dritte Ausbildungsplatz kann nur unterhalb der betriebsüblichen Anforderung besetzt werden“, sagt Niedersachsen-Metall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt.

Dirk Schmaler