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Deutschland / Weltweit Ein letzter Patriarch – warum Piëch so gefürchtet war
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19:44 28.10.2019
Der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piech. Quelle: imago/IPON
Wolfsburg

Er war für diesen Job eigentlich nicht gemacht. Körperlich klein, ein Einzelgänger mit leiser Stimme, in Gruppen fast schüchtern. Ihn bremsten Legasthenie und eine "verheerende Nichtbegabung für Fremdsprachen", wie er selbst einmal sagte. Organisieren, Repräsentieren, Menschen führen - vieles an seiner Aufgabe interessierte Ferdinand Piëch nur am Rande. In den Assessment Centern seines eigenen Konzerns wäre er wohl nicht weit gekommen, Headhunter hätten ihn nicht für die Spitze eines Weltkonzerns empfohlen.

Er hat es trotzdem geschafft - nicht als Porsche-Enkel und Teilhaber des Sportwagenbauers, sondern als angestellter Manager in der Konzernhierarchie, die ihm eigentlich grenzenlos fern gewesen sein muss. Sein Ideal sei Führung durch eine Handvoll Experten, sagte er einmal. Da hatte VW schon Hunderttausende Mitarbeiter. Die fürchteten und bewunderten ihn, aber nah kam ihm beruflich keiner.

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Ein eiserner Wille verlieh Ferdinand Piëch die Härte, alle Widrigkeiten aus dem Weg zu räumen - Härte nicht nur nach außen, sondern auch gegen sich selbst. Man ahnt sie beim Auftritt auf einer Pressekonferenz von 1993. Der neue VW-Chef war erst wenige Monate im Amt und hatte den ersten Skandal ausgelöst. Der neue VW-Einkaufschef Jose Lopez, abgeworben beim Konkurrenten General Motors (GM), hatte nicht nur Kollegen mitgebracht, sondern angeblich auch geheimes Material. GM, damals in Deutschland noch mit Opel vertreten, schäumte. Angesichts des VW-Zustands wetteten viele, dass die Amerikaner die Wolfsburger nun an die Wand drücken würden.

Als er von Krieg sprach, sind wir in den Keller gegangen und haben geheult."

früherer VW-PR-Manager

Aber da sitzt nun Piëch hinter dem ungewohnten Mikrofon-Wald und zieht mit offenkundiger Freude in den Kampf: "Immer, wenn es um Krieg geht, sind am Ende weniger vorhanden", sagt er in einem merkwürdigen Mix aus österreichischem Singsang, stechendem Blick und diabolischem Lächeln. "Es gibt Gewinner und Verlierer." Und er habe die Absicht, der Gewinner zu sein. Ein Österreicher spricht in der einstigen "Stadt des KdF-Wagens" vom Krieg gegen Amerikaner.

Seine PR-Manager leiden: "Wir sind in den Keller gegangen und haben geheult", sagte später einer von ihnen. Aber nun wussten auch die Letzten, dass kein schüchterner Ingenieur das Regiment in Wolfsburg übernommen hatte. Und Piëch war auf dem Weg zur Legende.

Die "stillen Vernichtungen" des Ferdinand Piëch

Ungezählt sind die Anekdoten über seine "stillen Vernichtungen". Piëch selbst sagte von sich, dass er umso mehr zu fürchten sei, je ruhiger er scheine. Nach Tarifverhandlungen fragte er einmal sehr ruhig die Umstehenden, wer denn da für VW verhandelt habe. Man nannte ihm den Mann, und der Chef trug auf: "Sagen's ihm, dass er schlecht verhandelt hat." Er verhandelte nicht mehr oft. Die Kompassnadeln im Konzern richteten sich immer auf den Chef und seine kleine Entourage aus.

Blicke und Halbsätze des "Alten", wie er bald genannt wurde, waren so gut wie Entscheidungen. Gelegentlich wurde es ihm selbst zu viel. Dummerweise habe er bei einem Werksbesuch in der Kantine die Hühnersuppe gelobt, erzählte er einmal. Jetzt bekomme er überall Hühnersuppe.

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Sein Nachfolger Bernd Pischetsrieder versuchte es auf andere Art, schaffte Doktor-Titel in den Briefköpfen ab und pflegte kollegialen Ton. Doch er war bald wieder weg, Martin Winterkorn kam und mit ihm das Comeback des Doktortitels. Piëch hatte all das als Aufsichtsratsvorsitzender orchestriert und bildete fortan ein Double mit seinem Ziehsohn Winterkorn. Fortan orientierte sich der Konzern an zwei Fixsternen - bis Piëch einen dieser leisen Sätze sagte, der legendär wurde. Er sei "auf Distanz" zu Winterkorn, ließ er verlauten. Doch der Angriff scheiterte, es war der letzte "Vernichtungsversuch" des Patriarchen.

Er musste alle Ämter abgeben, verkaufte später auch seine Aktien. Winterkorn blieb noch ein paar Monate, dann fegte ihn der Dieselskandal weg. Piëch , sagte in diesen Tagen ein VW-Manager, sitze nun sicher in Salzburg und genieße.

Von Stefan Winter/RND

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