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Deutschland / Weltweit Zu viel Fleisch auf dem Markt: Putenmästern droht Absatzeinbruch
Nachrichten Wirtschaft Deutschland / Weltweit Zu viel Fleisch auf dem Markt: Putenmästern droht Absatzeinbruch
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10:29 03.02.2011
Schlachtreife Puten: Die Landwirte sollen weniger Tiere mästen, damit die Fleischüberschüsse auf dem Markt verschwinden.
Schlachtreife Puten: Die Landwirte sollen weniger Tiere mästen, damit die Fleischüberschüsse auf dem Markt verschwinden. Quelle: aGfaN
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So sollen sich die unter Druck geratenen Preise wieder erholen. Im Klartext heißt das: Die Putenmäster sollen künftig weniger Tiere mästen. Ihnen drohen Absatzrückgänge und Einkommeneinbußen.

Das Problem sei äußerst dringlich, sagte Edgar Deeken, Geschäftsführer der Putenerzeugergemeinschaft (PEG) Ahlhorn, in der sich rund 100 Putenmäster zusammengeschlossen haben. Sie sind Gesellschafter der PEG. Beteiligt ist laut Deeken auch die Mastbrüterei Ahlhorn, eine Firma des Agrarunternehmers Garlich Grotelüschen, von der die Landwirte die Putenküken beziehen. Grotelüschens Frau Astrid war im Dezember wegen ihrer Nähe zur industriellen Massentierhaltung zum Rücktritt von ihrem Amt als Agrarministerin in Niedersachsen gezwungen worden.

PEG-Chef Deeken schätzt, dass es ein Überangebot von 10 bis 20 Prozent bei Putenfleisch gebe. Als einen Grund nennen Marktbeobachter den Preisverfall bei Schweinefleisch infolge des Dioxin-Skandals. Die Konsumenten hätten deshalb mehr Schweineschnitzel und Koteletts statt Putenfilets gekauft. „Die gesamte Geflügelbranche hat Absatzprobleme“, sagte Deeken. Je nach Vermarkter seien sie mehr oder weniger massiv. Den Preisdruck gäben die Geflügelkonzerne weiter – bis zu den Putenmästern.

Die Landwirte der PEG liefern ihre schlachtreifen Puten an die Schlachterei Geestland. Beteiligt an dem Betrieb ist nach Angaben von Deeken der Geflügelkonzern der Unternehmerfamilie Wesjohann in Rechterfeld, besser bekannt durch die Marke Wiesenhof.

In einem Fax des PEG-Geschäftsführers an die Putenmäster von Ende Januar, das dieser Zeitung vorliegt, heißt es, „unserer Meinung nach kann nur durch eine Verknappung der Rohware der Preis für die Vermarkter (also etwa die Schlachterei Geestland) angehoben werden“. Dadurch gebe es „auch die Chance, wirtschaftlichen Schaden vom Mäster abzuwenden“. Im beigefügten Antwortfax sollen die Landwirte ankreuzen, wie eine „Reduzierung der Einstallmengen“, also der Putenküken, erreicht werden sollte: „Reduzierung der Einstallmenge einmalig um 20 Prozent“, „Verschiebung der Einstallung um 4 Wochen“ oder „keine Reduzierung oder Verschiebung“.

Für die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), ausgewiesener Gegner jeglicher Massentierhaltung, ist mithin offensichtlich, dass die Geflügelschlachtkonzerne „hinter dem Schreiben der von ihr weitgehend abhängigen Putenerzeugergemeinschaft stehen“.

Sie wollten ihre Probleme auf dem Rücken der Landwirte lösen, erklärte AbL-Sprecher Eckehard Niemann. Weil die Landwirte, denen zudem die hohen Futtermittelpreise zu schaffen machten, weniger Puten mästen dürften, würden die Erlöse „bei gleichbleibenden Niedrigpreisen“ einbrechen. Damit können die Mäster laut Niemann weder die Kredite für ihre Ställe bedienen noch einen ausreichenden Arbeitslohn erwirtschaften. Unangetastet bleiben allerdings nach Angaben des PEG-Chefs bestehende Verträge: „Für Puten, die bereits eingestallt sind, ist die Abnahme gesichert.“

Carola Böse-Fischer