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Deutschland / Weltweit Zuckerberg lädt zur virtuellen Demo
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20:25 26.03.2013
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg macht Druck in Sachen Einwanderung. dpa
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg macht Druck in Sachen Einwanderung. Quelle: dpa
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Palo Alto

Doch rigide Einwanderungsgesetze zwingen immer wieder Absolventen und Unternehmensgründer aus dem Land. Nun will die IT-Industrie ihre Kräfte bündeln - geplant ist ein virtueller „Protestmarsch für Innovation“. Als Anführer steht Facebook-Gründer Mark Zuckerberg parat.

Der 28-jährige Chef des Online-Netzwerkes überlege ernsthaft, eine Lobbygruppe zu gründen, berichten mehrere US-Medien. Neben einer Reform der Einwanderungsregeln wolle er sich auch für Investitionen in naturwissenschaftliche Bildung und Forschung einsetzen, heißt es. Die IT-Lobbyisten sollen bereits sowohl demokratische als auch republikanische Berater angeheuert haben. Ein offener Brief ist bereits an US-Präsident Barack Obama gegangen.

Nach Einschätzung der US-Handelskammer könnten im Jahr 2018 mindestens 200000 Stellen im Hightech-Sektor unbesetzt bleiben. Ein Grund: Auch im kalifornischen Silicon Valley stoßen ausländische Jungunternehmer an bürokratische Hürden. Das Problem liegt im amerikanischen Einwanderungssystem. Ausländische Existenzgründer fallen durch das Behördenschema, es gibt kein passendes Visum für sie. Befristete Arbeitsvisa bekommen Ausländer in der Regel nur, wenn sie bei einem US-Unternehmen angestellt sind. Wenn sie keinen Arbeitgeber finden, der ihnen ein Visum finanziert, haben sie große Probleme, nach dem Studium in den USA zu bleiben.

Fehlender Nachschub bei Fachkräften könnte das geplante Wachstum von Facebook & Co. bremsen - deshalb reiht sich Zuckerberg in den virtuellen Demo-Zug ein. Er will es nicht länger hinnehmen, dass ausländische Spezialisten auf eine dauerhafte Arbeitserlaubnis oft jahrelang warten müssen. Die USA vergeben pro Land maximal 7 Prozent des jährlichen Visumsbestands - mehr als 50 Prozent der Hochqualifizierten aber kommen aus Indien und China. Dabei benötigen die USA dringend Absolventen der sogenannten MINT-Fächer: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Schon jetzt kommen an US-Universitäten durchschnittlich 40 Prozent der Master- und Doktoratsstudenten in diesen Fachgebieten aus dem Ausland.

Zuckerberg und seine Mitstreiter stoßen in Washington auf offene Ohren - im Prinzip zumindest. Präsident Obama hatte im Februar in seiner Rede zur Lage der Nation erklärt, er wolle die „hochqualifizierten Unternehmer und Ingenieure anziehen, die Arbeitsplätze schaffen und Wachstum generieren“. Republikaner wie Demokraten sind sich einig, dass sie Fachkräfte anlocken müssen - aber eben nur im Prinzip. Der Streit über das Schicksal der 11 Millionen illegalen Einwanderer hat eine Entscheidung im Kongress bisher jedoch verhindert.

Der Facebook-Gründer und seine Mitstreiter aus dem Silicon Valley sind des jahrelangen politischen Tauziehens jetzt offenbar müde. Sie fordern eine Reform des „veralteten und ineffizienten“ Einwanderungssystems, die Obergrenzen für Einwanderer müssten flexibler werden. Die Internet-Kampagne soll ihren Höhepunkt im April finden, wenn in Washington über die Einwanderungsreform abgestimmt wird. Über soziale Medien sollen dann möglichst viele Menschen Druck auf den zerstrittenen Kongress ausüben. dpa