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Niedersachsen AWD betrachtet ARD-Sendung als Schaden fürs Image
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen AWD betrachtet ARD-Sendung als Schaden fürs Image
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07:31 14.01.2011
Von Albrecht Scheuermann
Die engen Beziehungen von Carsten Maschmeyer (re.) zu Politikern wie dem Exbundeskanzler Gerhard Schröder werden immer wieder zum Thema.
Die engen Beziehungen von Carsten Maschmeyer (re.) zu Politikern wie dem Exbundeskanzler Gerhard Schröder werden immer wieder zum Thema. Quelle: dpa
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Der NDR-Journalist Christoph Lütgert hatte am Mittwochabend im ersten Programm unter dem Titel „Der Drückerkönig“ über die Geschäfte des einstigen AWD-Chefs Carsten Maschmeyer und seine Kontakte zu führenden Politikern und anderen wichtigen Leuten berichtet.

Zwar brachte die Sendung im Kern nichts Neues, aber sie traf offenbar den Nerv vieler Zuschauer. Jedenfalls war das Publikumsecho nach Angaben des NDR außergewöhnlich lebhaft. „Wir haben sehr, sehr viele Reaktionen erhalten“, sagte eine NDR-Sprecherin. Sie bezifferte die Zahl der „überwiegend positiven“ E-Mails, Faxe oder Anrufe auf „mehrere Hundert“. Insgesamt hätten 3,86 Millionen Zuschauer den Beitrag gesehen, was ebenfalls für eine derartige Sendung ein hoher Wert sei.

Beim AWD in Hannover sorgte die Sendung jedoch für Empörung. Bei den gezeigten Fällen von geschädigten Anlegern handele es sich um mindestens zehn Jahre zurückliegende Sachverhalte. Wesentliche Details seien zudem verschwiegen worden. AWD-Sprecher Bela Anda sprach von „Kampagnenjournalismus“. Lütgert habe mit Suggestionen und Halbwahrheiten gearbeitet.

Durch den Bericht sei dem Unternehmen ein Imageschaden entstanden. Ob der zum Schweizer Swiss-Life-Konzern gehörende AWD deshalb rechtliche Schritte einleiten will, ließ Anda offen. Allerdings möchte der Finanzdienstleister erreichen, dass sich der Rundfunkrat, also das oberste Kontrollgremium der ARD, mit der Sendung befasst.

Diese hatte unter anderem einige – weit in die neunziger Jahre zurückreichende – Fälle aufgegriffen, in denen von AWD-Mitarbeitern beratene Kunden schmerzhafte Verluste erlitten haben. Damals hatte der von Maschmeyer aufgebaute und viele Jahre geleitete Finanzdienstleister noch in großem Umfang sogenannte geschlossene Fonds sowie Immobilien verkauft, die sich später als Fehlinvestitionen erwiesen. Problematisch war vor allen Dingen, dass die Geldanlagen nicht selten mit Krediten finanziert wurden – so dass die Anleger einerseits auf Verlust-Anlagen sitzen blieben, andererseits jahrelang ihre Schulden abstottern mussten.

Zudem schilderte der selbst ausgiebig ins Bild kommende NDR-Mann Lütgert die engen Beziehungen von Maschmeyer zum früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder und zum jetzigen Bundespräsidenten Christian Wulff, die beide in ihrer jeweiligen Zeit als Ministerpräsidenten von Niedersachsen mit dem Finanzunternehmer näher bekannt wurden.

Auch die Verbindungen von Maschmeyer zum früheren Sozialminister Walter Riester und dem Regierungsberater Bert Rürup wurden aufgetischt. Damit sollte offenkundig der Eindruck erweckt werden, dass bei der von diesen beiden Männern maßgeblich mitgeprägten Reform der Altersvorsorge („Riester-Rente“ und „Rürup-Rente“) auch die Interessen des AWD eine Rolle spielten. Schließlich lebt dieser zu einem wesentlichen Teil vom Geschäft mit der privaten Altersvorsorge.

Professor Bert Rürup sieht in dieser Unterstellung eine „persönliche Diffamierung“, die auch durch die Fakten widerlegt werde. Schließlich seien die entsprechenden Gesetze lange vor seiner Bekanntschaft mit Maschmeyer formuliert worden. Im Übrigen habe er sich auch für die Abschaffung des Steuerprivilegs der Lebensversicherung eingesetzt, was der Versicherungsbranche und auch dem damaligen AWD-Chef überhaupt nicht gefallen habe.