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Niedersachsen VW will die Verantwortung aufteilen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen VW will die Verantwortung aufteilen
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00:17 15.06.2015
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Wie wird VW künftig gelenkt - und von wem? Führende Vertreter des Unternehmens beraten darüber. Um Personen soll es aber erst später gehen. Quelle: dpa
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Braunschweig

Abgeschirmt am Braunschweiger Flughafen waren bei der Zusammenkunft neben dem Konzernchef auch führende Aufsichtsratsmitglieder vertreten – darunter auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Die Nachfolgeregelung nach dem Rücktritt des VW-Patriarchen Ferdinand Piëch Ende April stand bei dem Treffen nicht auf der Tagesordnung.

Aus dem Umfeld mehrerer Teilnehmer verlautete, dass in der laufenden Strukturdebatte an mehreren Stellen die Frage zu beantworten sei, ob und wie das Unternehmen mehr Verantwortung aufteilt. Ein Problem sind die langen Zyklen bis zum Produktionsstart von Autos, da die zentralistischen VW-Entscheidungswege einen Flaschenhals bilden.

""Wir brauchen keinen riesigen Vorstand mit aufgeblähten Stäben", sagte Konzernbetriebsratsboss Bernd Osterloh in einem Interview. Quelle: dpa

Im Gespräch sei, einzelnen Produktionsstandorten mehr Befugnisse etwa für Modellentscheidungen zu übertragen. Für die USA ist eine solche Teilentscheidung schon gefallen: Der nach China wichtigste Automarkt bekam vor rund einem Jahr eine eigene Entwicklung zugesprochen, um den Besonderheiten des Marktes zu begegnen, auf dem VW zurückfällt.

Unklar sind derweil mögliche personelle Folgen der neuen Struktur und Kultur in der Führung. So ist etwa seit August 2014 ungeklärt, ob der abgetretene Produktionschef Michael Macht einen Nachfolger bekommt. „Erst die Struktur, dann die Personen“, sagte ein Beteiligter. Ähnlich hatte sich zuletzt Präsidiumsmitglied und Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh geäußert. „Wir brauchen keinen riesigen Vorstand mit aufgeblähten Stäben“, sagte er unlängst.

"Wir brauchen so viel Zentralität wie nötig und so viel Dezentralität wie möglich", sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) über die neue Führungsstruktur bei Volkswagen. Quelle: dpa

Einen Vorgeschmack auf die Veränderungen nach dem Piëch-Abgang gab es erst kürzlich mit der eigenständigen Nutzfahrzeug-Holding für MAN und Scania, die aller Voraussicht nach in Hannover angesiedelt wird. Dort erhält die Arbeitnehmerseite nach Konzernvorbild viel Mitspracherecht. Eine ähnliche Dezentralisierung sei auch für die Pkw-Marken denkbar. Winterkorn will die Reform bis Oktober präsentieren.

Wie unterschiedlich sich die Märkte für den Konzern entwickeln, zeigen indes die Absatzzahlen des Monats Mai. Hier schrumpften die Verkäufe der zwölf Marken um 2,6 Prozent, getrieben vor allem vom kräftigen Minus von VW Pkw in China. Die Stammmarke hatte auf dem wichtigsten Automarkt der Welt im Mai 7,5 Prozent verloren. Hier zeige sich inzwischen „die neue Normalität“ des Marktes, sagte Konzernvertriebschef Christian Klingler am Freitag. Der allerdings legt in Summe immer noch zu.

In den ersten fünf Monaten insgesamt konnte der Konzern den Absatz bei 4,2 Millionen Fahrzeugen stabil halten. Die Heimatmärkte Deutschland und Westeuropa verhindern derzeit ein noch stärkeres Abrutschen des Absatzes. Die größten Einbrüche gibt es weiterhin in Russland und Brasilien. Beim Problemkind USA haben sich die Verkäufe stabilisiert – auf niedrigem Niveau.

Von Lars Ruzic und Heiko Lossie

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