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Niedersachsen Banken langen bei Kontoüberziehung zu
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Banken langen bei Kontoüberziehung zu
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00:15 27.04.2015
Von Jens Heitmann
Große Spanne: Für die Geldanlage gibt es bei den Banken fast keine Zinsen mehr, für das Überziehen des Kontos müssen Kunden kräftig zahlen.
Große Spanne: Für die Geldanlage gibt es bei den Banken fast keine Zinsen mehr, für das Überziehen des Kontos müssen Kunden kräftig zahlen. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Die Konditionen sind extrem unterschiedlich – in der Spitze reichen sie bis 17,95 Prozent. „Nur die Einführung einer Obergrenze auf der Basis eines marktabhängigen Zinssatzes wird der Abzocke bei Dispokrediten und Kontoüberziehungen ein Ende bereiten können“, sagte Finanzexperte Andreas Gernt am Donnerstag. Fair fände er aktuell einen Satz von 7 Prozent.

Die hohen Zinsen für überzogene Konten sind Verbraucherschützern und Politikern schon länger ein Dorn im Auge. Zweistellige Sätze ließen sich angesichts eines EZB-Leitzinses von mittlerweile nur 0,05 Prozent nicht mehr rechtfertigen, heißt es bei den Regierenden in Bund und Land. Justizminister Heiko Maas (SPD) will Banken dazu zwingen, ihre Konditionen im Internet zu veröffentlichen. Das soll die Transparenz erhöhen und damit den Druck auf die Kreditinstitute.

Einige Geldinstitute haben sich bereits bewegt. So verlangen die Sparkasse Hannover und die hiesige Volksbank seit 2014 keinen Zusatzzins für geduldete Kontoüberziehungen. Wer über das eingeräumte Limit Geld abhebt, zahlt nur noch den Dispozins. Mit einem Satz von um die 11,6 Prozent bewegen sich beide Institute im landesweiten Vergleich allerdings im oberen Bereich. Die hannoversche Sparda-Bank liegt beim Dispozins knapp darunter, sie fordert aber einen Überziehungszins von 15,21 Prozent.

Es geht allerdings noch teurer: So verlangt die Raiffeisen-Volksbank Aurich für die geduldete Überziehung 17,95 Prozent Zinsen, gefolgt von der Volksbank Südheide mit 17,11 Prozent. Ohnehin fällt auf, dass sich die Sparkassen deutlich leichter tun, auf den Sonder­obolus zu verzichten: Von den untersuchten Städten halten nur die Institute in Stade und Göttingen am Überziehungszins fest. Bei den Volksbanken ist es hingegen mehr als die Hälfte.

Dass es auch deutlich günstiger geht, zeigte die Deutsche Skatbank, eine Zweigniederlassung der VR-Bank Altenburger Land in Thüringen. Bei deren kostenlosem „Trumpf-Konto“ beträgt der Dispo- und Überziehungszins nur 4,80 Prozent. Wer sich für das „Flat-Konto“ entscheidet und dafür eine monatliche Grundgebühr von 7,50 Euro in Kauf nimmt, zahlt für den Dispokredit über pauschal 2500 Euro keine Zinsen mehr.

Auffallend ist nach Ansicht der Verbraucherzentrale, dass Banken und Sparkassen zunehmend unterschiedliche Kontomodelle anbieten: „Je umfassender die schwer zu vergleichenden Leistungen und je höher die monatliche Kontoführungsgebühr, desto niedriger im Einzelfall der Dispozins.“ Andere Kreditinstitute würden nur noch eine Preisspanne für den Dispozins benennen (Deutsche Bank) oder als Dispozins lediglich einen Wert „ab 9,75 Prozent“ ausweisen wie die Volksbank Jever.

Auf Kritik der VZN stößt auch die fehlende Transparenz bei einigen Geldinstituten. So sei dort weder der Preisaushang noch das vollständige Preis- und Leistungsverzeichnis im Internet auffindbar. Im Einzelfall sei sogar die Aushändigung einer Kopie des Preisaushanges verweigert worden.

Karl Doeleke 24.04.2015
Stefan Winter 23.04.2015