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Niedersachsen Bei der Bahn fahren wieder Schaffner mit
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Bei der Bahn fahren wieder Schaffner mit
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20:13 27.09.2010
Von Gabriele Schulte
Quelle: dpa (Symbolbild)
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„Die Fahrgäste brauchen einen Ansprechpartner“, erläuterte am Montag Hans-Joachim Menn, Geschäftsführer der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). Die Landesgesellschaft teile sich die Kosten der „Service- und Sicherheitsoffensive“ mit der Deutschen Bahn. Betroffen sind die Regional-Express-Linien von Hannover nach Norddeich und nach Bremen, von Braunschweig nach Bielefeld und nach Rheine sowie gut nachgefragte Streckenabschnitte im Harz und im Weserbergland.

Auf jeder dieser Strecken werde zu wechselnden Tageszeiten zwischen 6 und 22 Uhr ein zusätzlicher Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin eingesetzt – je nachdem, wann sich der Bedarf als am größten erweise. Die „Schaffner“, wie sie heute offiziell nicht mehr heißen, sollen etwa Fragen der Kunden zu Verspätungen und Anschlusszügen beantworten. Sie sollen „die ganze Palette abdecken“, wie Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis sagte, „also auch mal älteren Menschen auf Anfrage einen Koffer rein- oder raustragen“. Traditionell gehört auch die Fahrkartenkontrolle zu den Aufgaben. Dass dadurch mehr Schwarzfahrer erwischt werden können, sei aber allenfalls ein „Nebeneffekt“ des Programms.

Dieses ist bis Ende 2013 beziehungsweise 2014 terminiert. Dann nämlich werden die vier Regionallinien und das Harz-Weser-Netz neu vergeben; auf den gut ausgelasteten Strecken dürfte es einige Mitbewerber geben. „Wettbewerb belebt das Geschäft“, sagt denn auch Bahnsprecher Meyer-Lovis. Über die Kosten der verbesserten Kundenbetreuung sei zwischen den Vertragspartnern Stillschweigen vereinbart worden.

Ein privater Konkurrent der Deutschen Bahn ist in Sachen Schaffnereinsatz bereits im vergangenen Jahr vorgeprescht: Die Nordwestbahn setzt sogar auf eine Zugbegleitung von 100 Prozent – eine Quote, die die Bahn mit jetzt einer zusätzlichen Person pro Linie nicht erreichen wird. Nach Angaben der LNVG werden auf den Harz-Weser-Strecken derzeit sogar nur 20 Prozent der Züge begleitet, ansonsten ist allenfalls der Zugführer möglicher Ansprechpartner der Kunden. Die Quote soll sich dort spätestens ab dem Fahrplanwechsel im Dezember auf 40 Prozent erhöhen.

Bahn und LNVG stützen sich auf Kundenbefragungen. Mehr Mitarbeiter in den Zügen gehörten zu den am häufigsten geäußerten Wünschen. LNVG-Geschäftsführer Menn sagte: „Beim Thema Sicherheit haben wir Nachholbedarf. Die Fahrgäste haben subjektiv ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis.“ Das bestätigt auch Björn Gryschka, Landesvorsitzender der Fahrgastinitiative „Pro Bahn“. Das Programm lasse darauf hoffen, dass in den zukünftigen Verkehrsverträgen des Landes mit den Streckenbetreibern noch mehr Wert auf Servicepersonal gelegt werde. „Da hat vor einigen Jahren ein Umdenken eingesetzt“, sagte er. Besonders wichtig sei den Bahnreisenden, in späten Abendstunden auf jeden Fall Zugbegleiter dabeizuhaben, wie es für die S-Bahnen um Hannover kürzlich zugesichert wurde.

Einen auffälligen Anstieg von Gewalttaten in Regionalzügen gibt es nach Angaben der Bundespolizei nicht. Sie rät, sich in brenzligen Situationen nicht nur auf Bahnpersonal zu verlassen, sondern auch „Zivilcourage“ zu zeigen.