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Niedersachsen Betriebe schaden sich selbst
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Betriebe schaden sich selbst
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00:19 16.05.2019
Viele Betriebe haben Mühe, genügend Nachwuchskräfte zu finden. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
Hannover

Die Lage am Ausbildungsmarkt ist eine seltsame: Während auf der einen Seite Betriebe nicht nur händeringend um Bewerber buhlen und vereinzelt neben der normalen Vergütung sogar mit Extras wie Smartphone und kostenfreiem Auto locken, müssen sich Lehrlinge anderenorts mit Vergütungen zufriedengeben, die ein Leben ohne die Unterstützung von Eltern und anderen Verwandten unmöglich machen. Dass Letzteres nicht akzeptabel ist, werden selbst die Advokaten des freien Spiels der Kräfte einräumen.

Auf längere Sicht ist es auch unklug: Der Nachwuchsmangel wird sich angesichts der demografischen Entwicklung noch verschärfen – folglich schaden sich Betriebe, die ihre künftig dringend benötigten Fachkräfte während der Ausbildung kurzhalten wollen, in letzter Konsequenz selbst. Sie müssten eher dankbar sein, dass der Gesetzgeber sie mit der Festsetzung einer Mindestvergütung vor diesem Fehler bewahrt. Gerade im Handwerk ist dieses Gefühl jedoch nicht so ausgeprägt.

Verantwortlich dafür ist auch der zuweilen harte Konkurrenzkampf in einigen Gewerken. Bei Friseuren beispielsweise stehen sich Discountanbieter und traditionelle Familienunternehmen gegenüber. Erstere sorgen mit ihren Billigpreisen dafür, dass sich etablierte Betriebe ein höheres Gehaltsgefüge nicht mehr leisten können – oder wollen. Die Auszubildenden stehen in der Kette ganz am Ende: Ohne eine staatlich fixierte Grenze nach unten können sie nur die Vorgaben ihres Arbeitgebers akzeptieren – oder sie müssen sich von ihrem Wunschberuf verabschieden.

Von Jens Heitmann

Auszubildende sollen ab 2020 eine Mindestvergütung von 515 Euro pro Monat im ersten Ausbildungsjahr erhalten. Zudem ist eine Staffelung der Mindestbezüge im zweiten und dritten Lehrjahr vorgesehen.

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