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Niedersachsen Biogas-Boom befeuert Konkurrenz um Ackerflächen
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen Biogas-Boom befeuert Konkurrenz um Ackerflächen
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20:16 14.10.2010
Maisernte in Niedersachsen: Der Anbau dieser Ackerfrucht für Biogasanlagen wird vom Staat üppig gefördert.
Der Maisanbau für Biogasanlagen wird vom Staat üppig gefördert. Quelle: dpa
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Immer mehr Biogasanlagen zur Erzeugung von Strom und Wärme entstehen in Niedersachsen. Viele Landwirte sehen darin ein lukratives Geschäft. Denn die Biogasanlagen werden mit Mais „gefüttert“. Und dafür gibt es eine üppige staatliche Förderung. So ist der Anbau dieser Ackerfrucht in diesem Jahr stark ausgeweitet worden.

Um 12 Prozent auf 546 000 Hektar wuchsen die Maisflächen gegenüber der vorigen Saison, wie der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen am Donnerstag in Wunstorf berichtete. Mais hat damit den Weizen als dominierende Kultur auf Platz zwei verdrängt. Zwei Fünftel der Maisflächen für die Silage seien bereits für die Energiegewinnung reserviert, 60 Prozent für die Rinderfütterung, sagte Arendt Meyer zu Wehdel.

Doch der Biogas-Boom verbunden mit neuen Monokulturen bei Mais stößt nicht nur bei der Bevölkerung auf Kritik. Auch unter den Landwirten selbst wächst der Unmut über die vom Staat geförderte Energieproduktion, immer mehr verschärft sie die Konkurrenz um knappe Ackerflächen. „Biogasanlagen sind suboptimal“, erklärte Meyer zu Wehdel, „weil sie zu Lasten der Veredelungbetriebe, vor allem der Rinderhalter, gehen.“ Zur Produktion von Nahrungsmitteln mithin. In der Folge sind nach Beobachtung der Kammer die Pachtpreise für Ackerflächen drastisch gestiegen, häufig zum Nachteil der Tierhalter, mit den subventionierten Preisen für die Energie vom Acker können ihre Erlöse für die Rinder kaum mithalten.

Zur Entschärfung dieses Problems sind deshalb Alternativen zum Maisanbau nötig, wie der Kammerpräsident erklärte, der selbst einen Veredlungsbetrieb im Artland betreibt. Zumal die Gefahr drohe, dass der Maiswurzelbohrer, der in diesem Jahr erstmals in Nordrhein-Westfalen aufgetreten sei, auch in Niedersachsen eingeschleppt werde. Diesem Schädling sei nur schwer beizukommen. Eine Alternative als Substrat für Biogasanlagen könnte die Zuckerrübe sein. Die Technik muss allerdings laut Meyer zu Wehdel noch weiter entwickelt werden.

Anders als bei der gerade begonnenen Maisernte, die trotz der extremen Wetterkapriolen – Dürre im Juni und Juli, Nässe im August und September – in diesem Jahr durchschnittliche Erträge bringt, müssen die Landwirte in Niedersachsen beim Getreide teils herbe Einbußen bei Ertrag und Qualität hinnehmen. Insgesamt wurden nach Kammerangaben 5,87 Millionen Tonnen geerntet, das waren etwa 13 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Mit 3,48 Millionen Tonnen entfiel der größte Teil auf Winterweizen, hier lagen die Erträge um 7 Prozent unter denen des Vorjahres.

Auch in anderen Anbauländern, vor allem im von extremer Trockenheit geplagten Russland, fielen die Ernten teils drastisch schlechter aus. Das ließ die Preise auch für Niedersachsen Bauern klettern: Zur Ernte kostete etwa Weizen mit 181 Euro je Tonne 53 Prozent mehr als im Jahr davor, wie Meyer zu Wehdel berichtete.

Trotzdem hätten sich die Landwirte keine goldene Nase verdient. So seien die Preise für Betriebsmittel wie Stickstoff- und Phosphatdünger den Getreidepreisen gefolgt, sagte der Kammerpräsident. Teilweise betrügen die Verteuerungen mehr als 50 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr. Für die kommenden Monate erwartet die Landwirtschaftskammer weiter anziehende Preise für Dünger.

Carola Böse-Fischer